Historie im Raum Hechingen/Sigmaringen
: Diese spannenden Details stecken in der neuen Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte

Bisinger KZ-Kommandant vor Gericht, die Revolution 1848/49 in Hechingen und eine kritische Betrachtung der Sigmaringer Erinnerungskultur: Der neue Band der Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte bietet wieder Lesestoff über die lokale Historie.
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(red/pm)
Oberndorf
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Der Mönchwasen bei Rangendingen auf einer Karte von circa 1716

Staatsarchiv Sigmaringen

Jüngst ist der neue Band 2023/24 der Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte erschienen. Das 360 Seiten starke Werk enthält acht Beiträge zur Regionalgeschichte sowohl aus dem Hechinger als auch dem Sigmaringer Raum, wie der Hohenzollerischer Geschichtsverein in einer Mitteilung informiert. Ein Überblick über die Beiträge:

„Mönchhaus“ mit Wall und Graben in Rangendingen

Ein spätmittelalterliches Waldbrüderhaus („Mönchhaus“) mit besonderen Befestigungsanlagen im Wald bei Rangendingen ist Gegenstand einer archäologisch-topographischen Spurensuche von Stefan Wintermantel, ergänzt von Christoph Morrissey. Eine vergleichbare Anlage, bei der ein Waldbrüderhaus mit Wall und Graben gesichert wurde, ist bislang in Baden-Württemberg nicht bekannt. Warum das „Mönchhaus“ befestigt wurde, ist allerdings nicht zweifelsfrei zu klären.

„Nichthuldiger“ wehren sich gegen Landesherrn

Warum die Bisinger „Nichthuldiger“ die Huldigung gegenüber dem Landesherrn nach dem Landesvergleich von 1798 im Fürstentum Hohenzollern-Hechingen verweigert hatten, und wie sie schließlich im 19. Jahrhundert doch den Landesvergleich annahmen, beantwortet Casimir Bumiller: Die Bisinger beriefen sich auf einen alten Fronbrief von 1592, der ihnen beim Aussterben der Linie der Grafen von Zollern Fronfreiheit zusicherte. Diesen Fall sahen die Bisinger 1661 eingetreten und verlangten, ihr seitdem zu viel bezahltes Frongeld mit Steuerrückständen zu verrechnen. Erst 1843, als ein neuer Fürst den Bisingern die Bezahlung eines reduzierten Steuerrests anbot, traten diese dem Landesvergleich bei.

Neue Erkenntnisse zur Revolution 1848/49 im Fürstentum

Mit neuen Forschungserkenntnissen kann ein Beitrag von Rolf Vogt zur Revolution von 1848/49 im Fürstentum Hohenzollern-Hechingen aufwarten. Auffallend ist, dass hier zwei Pfarrer Führungsrollen übernahmen und sich zu Befürwortern einer republikanischen Staatsordnung entwickelten. Hohenzollern-Hechingen war zudem 1848 der einzige deutsche Staat, der eine neue Verfassung erhielt. Allerdings wurden die meisten Versprechungen der Märzrevolution nicht eingelöst. Die Revolution scheiterte spätestens auch hier mit dem Einmarsch preußischer Truppen im Sommer 1849.

Aufarbeitung der Verbrechen eines KZ-Lagerführers

Überregionales Interesse verdient Moritz Faist für die Darstellung der juristischen Aufarbeitung der Verbrechen des Schweizer Staatsbürgers Johannes Pauli als Lagerführer des KZ Bisingen – einem Lager des Unternehmens „Wüste“ – vor einem Basler Gericht im Jahre 1953. Pauli war bei den KZ-Häftlingen wegen seiner Brutalität gefürchtet und ermordete Häftlinge – oder ließ sie ermorden. Im Basel wurde er schließlich aufgrund wiederholter und fortgesetzter Tötung in drei Fällen zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt.

Der aus Laiz stammende Fidel Henselmann (links sitzend) mit Familie und Verwandten

Foto: Stadtarchiv Offenburg

Walther Paapes Buch in Ariosophie eingeordnet

Der Wiener Religionswissenschaftler Professor Karl Baier würdigt Walther Paapes Buch über Adolf Josef Lanz und den Neutemplerorden, der in Dietfurt in einer Höhle unterhalb der Burg von 1927 bis etwa 1939 eine Kultstätte besaß. Karl Baier ordnet Paapes Buch in die Forschungsgeschichte zur sogenannten Ariosophie ein, einer menschenverachtenden, frauenfeindlichen Rassenlehre mit gefährlichen religiösen Wahnvorstellungen im geistigen Umfeld des Nationalsozialismus. Erschreckenderweise ist dieser Spuk nicht vorbei, denn die Neutempler gründeten sich um das Jahr 2002 wieder. Umso wichtiger und aktueller erscheint der aufklärende Beitrag Baiers in der aktuellen Zeitschrift.

Kritische Betrachtung der Erinnerungskultur

Unter dem Titel „Viele Fürsten und wenig Demokraten“ beschäftigt sich Edwin Ernst Weber kritisch mit der Sigmaringer Erinnerungskultur, wie sie in Denkmalen, Straßennamen und Ehrenbürgerschaften offiziellen Ausdruck findet. Seine Vorschläge, Straßen nach Personen zu benennen, die den freiheitlichen und demokratischen Teil der Sigmaringer Stadtgeschichte repräsentieren, sind bedenkenswert und sollten wahrgenommen werden. Auch die vorderösterreichische Vergangenheit Sigmaringens könnte auf diese Weise wieder in Erinnerung gerufen werden.

Wie geht es weiter nach der Monarchie?

Die Diskussion um die Loslösung Hohenzollerns von Preußen in der Zeit von 1918 bis 1922 wird von der Diskurstheorie her durch Christina Schlaich beleuchtet. Nach dem Wegfall der preußischen Monarchie ging es um die staatliche Zuordnung der Hohenzollerischen Lande. Im Gespräch war unter anderem das Projekt eines Großschwabens im Rahmen einer möglichen territorialen Neuordnung der Weimarer Republik. Letztlich verblieb Hohenzollern im preußischen Freistaat.

Im Buchhandel erhältlich

Der 360 Seiten umfassende 59./60. Band 2023/24 der Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte wurde vom Hohenzollerischen Geschichtsverein herausgegeben.

Der Band ist im W. Kohlhammer-Verlag erschienen und im Buchhandel für 39 Euro erhältlich.

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