Hechinger Taubenstreit: Hilft aushungern oder ist das grausam? Tierschützerinnen demonstrieren still

Vor dem Rathausbrunnen, nicht mehr direkt am Eingang ins Rathaus wie bei der Sitzung des Verwaltungsausschusses: Die Kundgebung des Hechinger Stadttauben-Vereins im Vorfeld des Gesamtgemeinderates am Dienstagabend war von der Stadt verlegt worden. So kam man als Stadtrat mit den Tierschützerinnen nur ins Gespräch, wenn man es wollte.
Ernst KlettChristine Maier gibt die Hoffnung nicht auf: „Vielleicht konnten wir einige Gemeinderäte umstimmen.“ Es war eine stille Kundgebung von knapp 20 Taubenschützerinnen. Wie von der Stadt angeordnet, nicht mehr direkt am Eingang des Rathauses. Die Kommunalpolitiker konnten damit ohne direkte Begegnung in den Ratssaal.
Hat Hechingen jetzt ein Taubenproblem oder nicht? Und wenn, wie begegnet man diesem Problem, das eindeutig ein Tierschutzthema ist? Die Fronten zwischen Stadt und einer großen Gemeinderatsmehrheit einerseits und Teilen der Bevölkerung andererseits sind verhärtet, seit das Fütterungsverbot wieder Gültigkeit hat und keine Lösung wie ein Taubenschlag inklusive Begrenzung der Population gefunden wird wie in vielen anderen Kommunen. Am Dienstagabend wurde ein zweites Mal still protestiert.
Stadt verweigert Kundgebung vor Rathaus
Wenn die neue Hechinger Polizeiverordnung greift, dürfen die äußerst zahlreichen Stadttauben auch nicht mehr im eigenen Garten gefüttert werden. Die Stadt ist überzeugt, dass Aushungern helfen soll.
Für Tierschützer ist das die grausamste Methode überhaupt. Deshalb wurde schon in kleiner Runde vor der Sitzung des Hechinger Verwaltungsausschusses demonstriert.
Das sollte am Dienstag beim Gesamtgemeinderat wiederholt werden. Die Stadt hat allerdings die Örtlichkeit für die angemeldete Kundgebung verweigert; unter anderem, weil direkt vor dem Rathaus eine Kurzparkzone ist.
Kommt es zum Stimmungsumschwung?
Nach anfänglichem Widerstand hat sich der Stadttauben-Verein mit der Verlegung vor den Rathausbrunnen arrangiert. Knapp 20 Tierschützerinnen waren dort ab 18 Uhr mit Plakaten vor Ort. Die Vorsitzende Christine Maier versuchte, mit den zur Sitzung eilenden Stadträten zu unterhalten.
Es blieb zum allergrößten Teil beim Versuch. Die Verlegung des Kundgebungsplatzes nämlich machte es problemlos möglich, ohne eine Begegnung mit den Tierschützerinnen ins Rathaus zu kommen.
Eine Ausnahme konnte bis Sitzungsbeginn beobachtet werden: Ein AfD-Stadtrat unterhielt sich mit Christine Maier. Die hatte bis zuletzt die Hoffnung, dass die kleine Kundgebung einen Stimmungsumschwung bewirken könnte.

Ein Verfassungsauftrag, über dessen Auslegung man offenbar geteilter Meinung sein kann: Wie vermeidet man, dass Tiere leiden? In diesem Fall die sich unkontrolliert vermehrenden Hechinger Stadttauben.
Foto: Ernst KlettDas freilich wäre einem Hechinger Kleinwunder gleichgekommen. Denn die Empfehlung des Ausschusses zur Umsetzung der neugefassten Polizeiverordnung inklusive Fütterungsverbot im Privatgarten war bei nur zwei Neinstimmen und einer Enthaltung getroffen worden.
Bevölkerung praktisch nicht vertreten
Dabei hatten die Tierschützerinnen am Dienstagabend auf ihren Plakaten erneut darauf aufmerksam gemacht, dass das Vermeiden von Tierleid ein Verfassungsauftrag ist.
Enttäuscht war der Verein, dass die Hechinger Bevölkerung praktisch nicht vertreten war bei der Kundgebung. Stattdessen waren Teilnehmerinnen angereist aus Balingen, Tübingen, Reutlingen und Rottweil. Sogar aus dem Hegau und aus Basel waren zwei Frauen extra nach Hechingen gekommen.
Von der Kundgebung bekam man in der Hechinger Oberstadt so gut wie nichts mit. Es war mehr eine stille Mahnwache. Die beiden Vertreter des Polizeireviers rückten schon bald wieder ab. Das städtische Ordnungsamt hatte ebenfalls nichts auszusetzen.
Für die Tierschützerinnen war Geduld gefragt: Die neue Polizeiverordnung war erst Punkt 11 der Tagesordnung des Gemeinderates.
