Haigerlocher Bat-Night
: Im Felsenstädtle tobt das Nachtleben

Fledermäuse: manche finden sie unheimlich, andere faszinierend. Aber niemanden lassen sie kalt. Wie sie in Haigerloch leben, konnte man bei der Fledermaus-Nacht des NABU erleben.
Von
Thomas Kost
Haigerloch
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Kennt sich aus mit Flattertieren: Jörg-Andreas Reihle leitet seit 1996 die Feldermaus

Kennt sich aus mit Flattertieren: Jörg-Andreas Reihle leitet seit 1996 die Fledermaus-Abendführungen in Haigerloch.

Thomas Kost
  • In Haigerloch führte der NABU eine Fledermaus-Nacht durch – Treffpunkt war die Unterstadt.
  • Experte Jörg-Andreas Reihle erklärte Jagd, Lebensweise und Schutz der Tiere an Eyach und Kirche.
  • Im Dach der Nikolauskirche leben im Sommer vor allem Große Mausohren, jetzt ziehen sie in Winterquartiere.
  • Weitere Arten sind vor Ort, etwa Zwergfledermäuse; Bat-Detektoren machten Rufe hörbar.
  • Die Bat-Night findet dort seit 1996 im Mai und im August statt, Einordnung der „30.“ ist unterschiedlich.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Franz Pembaur obliegt es, im Namen des der NABU-Gruppe Haigerloch-Rangendingen rund 50 große und kleine Gäste zu begrüßen, die deren Einladung zur 29. Europäischen Fledermausnacht in die Haigerlocher Unterstadt gefolgt waren. Sie kamen von überall her; von Hechingen genauso wie aus Rosenfeld oder Albstadt.

Am Ufer der Eyach tobt, etwas salopp formuliert, das Nachtleben der einzigen Säugetiere Europas, die das aktive Fliegen beherrschen. Wie sie leben, wie sie sich fortpflanzen – und vor allem wie sie sich fast jede Nacht in der Dunkelheit auf die Jagd nach Insekten machen, das erklärt den Fledermaus-Fans im Publikum Jörg Andreas-Reihle.

Reihle ein absoluter Experte

Der Fotografenmeister und Sachverständige der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz im NABU erweist sich wieder mal als absoluter Kenner der Materie. Kein Wunder: als sein Biologie-Lehrer einmal einen lebendigen, eher in tropischen und subtropischen Gebieten beheimaten Flughund in den Unterricht mitbrachte, war es um den jungen Reihle geschehen. Fortan war vom Fledermaus-Virus befallen. Seit 1996 leitet er die zweimal jährlich (im Mai und Ende August) in Haigerloch stattfindenden Fledermausnächte.

So wird geschlafen: In großen Trauben hängen die Fledermäuse an den Balken im Dach der Nikolauskirche.

So wird geschlafen: In großen Trauben hängen die Fledermäuse an den Balken im Dach der Nikolauskirche.

Thomas Kost

Gott sei Dank ist seine Infektion nur sinnbildlich zu verstehen, denn Fledermäuse gelten als Virenträger und Überträger von Krankheiten, die auch dem Menschen gefährlich werden können. dennoch werden sie in afrikanischen Ländern immer wieder als Bush-Meat angeboten und verzehrt.

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25 Fledermausarten im Ländle

In Baden-Württemberg gibt es zwar keine Flughunde, dafür 25 andere Fledermausarten, wie Jörg-Andreas Reihle seinem Publikum berichtet. Die am meisten verbreitete Art im „Felsenstädtle“ ist das Große Mausohr. Etwa 2500 Weibchen und Jungtiere dieser Gattung bevölkern in den Sommermonaten das Dach der Nikolauskirche in der Unterstadt.

Sie bildet das perfekte Habitat für die Flugsäuger, denn rings um die Kirche ist es nachts aufgrund spärlicher Beleuchtung relativ dunkel – und so können die Jäger der Nacht weitgehend ungestört von äußeren Einflüssen zu ihren Beutezügen starten, auf denen sie tausende von umherschwirrenden Insekten erbeuten. Jetzt, Ende August, beginnen sie diese Wochenstube jedoch allmählich zu räumen und nach Winterquartieren zu suchen. Ein solches ist für die Flattertiere vor allem der alte Eisenbahntunnel, der in den Haigerlocher Muschelkalkfelsen gebohrt wurde.

Doch nicht nur die Mausohren sind im „Städtle“ heimisch, auch andere Arten fühlen sich dort inzwischen wohl. „Hinter dem Fensterladen eines alten Hauses haben wir eine Kolonie von Zwergfledermäusen entdeckt“, berichtete Reihle. Diese passt mit angelegten Flügeln locker in eine Streichholzschachtel und wiegt mit ihren vier bis acht Gramm Gewicht gerade mal so viel wie ein Stück Würfelzucker.

Detektoren knattern und knarzen

Reihle verteilt beim Treffen in der Pfluggasse vor dem Narrenzunftheim zunächst eine Menge an Infomaterialen zum Thema Fledermäuse und erklärt alle, die es möchten, mittels Fledermausstempel auf Unterarm oder Handrücken zu ehrenamtlichen Fledermaus-Experten. Nachdem sich die Kinder mit Fledermaus-Fruchtgummis gestärkt haben und zehn Bat-Detektoren zum Hörbarmachen der hochfrequenten Jagdlaute der Flugsäuger verteilt sind, geht's hinaus in die Dunkelheit.

Kinder aber auch Erwachsene freuten sich über Stempel, die sie zu Fledermaus-Experten machten.

Kinder aber auch Erwachsene freuten sich über Stempel, die sie zu Fledermaus-Experten machten.

Thomas Kost

Zuerst pilgert die Gruppe an die Eyach. Dort angekommen, dauert es nicht lange, bis die „Hör-Geräte“ knarzen und knattern. „Da! Da ist gerade eine vorbeigeflogen!“, ruft es plötzlich aus einem aufgeregten Kindermund. Schnell richten sich alle mitgebrachten Taschenlampen in die Dunkelheit über der Eyach. Jeder will natürlich nicht nur von Fledermäusen erzählt bekommen, sondern auch live ihre akrobatischen Flugkünste beobachten – wozu auch Glück gehört.

Der Mensch – der größte Gegner

Von der Eyach geht es dann hinüber zur Nikolauskirche. Reihle bittet dort die Teilnehmer der Bat-Night, nicht die Lichtkegel ihrer Handys und Taschenlampen direkt auf das Ein- und Ausflugsloch direkt unterm Kirchenturm zu richten, das könnte die lichtempfindlichen Tiere stören. Fledermäuse, so wird auch dort rasch deutlich, haben es heutzutage nicht einfach. Ihre größten Gegner sind weder Katzen noch Marder oder andere Tiere. Es ist der Mensch, der den größten Einfluss auf die Zerstörung der natürlichen Lebensräume dieser faszinierenden Geschöpfe ausübt.

Die Bat-Night

In Haigerloch gibt es seit 1996 zweimal im Jahr eine Batnight - und zwar im Mai und im August. Wie oft sie schon stattgefundet hat, wird aber unterschiedlich interpretiert. Der NABU kündigt diesjährige Bat-Night Als die 30. an. Auf der Homepage des Europäischen Abkommens zur Erhaltung europäischer Fledermauspopulationen – davon gibt es 55 Arten –  unter dem Dach des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (www.eurobats.org) wird zwar ebenfalls von der 30. Fledermausnacht gesprochen, aber eben auf europäischer Ebene. Die 30. Internationale Bat Night (IBN) wird erst 2027 gefeiert, weil sie seit erst seit 1997 auf internationaler Ebene stattfindet. Inzwischen aber in über 50 Ländern.