Fairteiler Burladingen
: Damit gute Lebensmittel nicht achtlos weggeworfen werden

Burladingen hat jetzt ein „Fairteiler-Hüttle“. Man kann Lebensmittel hineingeben und kostenlos herausnehmen. Der Start von Foodsharing war ein Riesenerfolg.
Von
Matthias Badura
Burladingen
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Fairteiler Burladingen Lebensmittel teilen

Wertvolle Lebensmittel vor dem Wegwerfen bewahren: In Burladingen wurde ein „Fairteiler-Hüttle“ eröffnet. Im Vordergrund von links: die Betriebsverantwortliche Sabrina Lorch, Foodsharing-Botschafterin Monika Beck, Bürgermeister Davide Licht und Ordnungsamtsleiter Martin Paulus.

Matthias Badura
  • In Burladingen gibt es ein neues „Fairteiler-Hüttle“ in der Bahnhofstraße 26 – rund um die Uhr offen.
  • Lebensmittel können kostenlos hineingegeben und mitgenommen werden, Fokus ist Vermeidung von Müll.
  • Start verlief sehr erfolgreich: Laut Hauptamtsleiter war der erste Bestand rasch vergriffen.
  • Foodsharing organisiert das Angebot, Supermärkte liefern einen Großteil der Waren.
  • Verboten sind u. a. Eier und Alkohol. Haltbarkeitsdaten können nahe sein, Entscheidung liegt bei Nutzerinnen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In der Burladinger Bahnhofstraße 26 befindet sich seit Kurzem ein neues Gebilde, ein „Fairteiler-Hüttle“. Jedermann kann rund um die Uhr Lebensmittel hineingeben oder herausnehmen. Kostenlos! Hier geht es jedoch ausdrücklich nicht darum, bedürftige Mitbürger zu unterstützen – wobei die natürlich ebenso gerne zugreifen dürfen wie alle anderen. Es geht vielmehr darum, Lebensmittel, die jemand nicht mehr gebrauchen kann, vor dem Wegwerfen zu bewahren.

Warum kann man Lebensmittel nicht mehr gebrauchen? Dafür gibt es in der Überflussgesellschaft viele Gründe: Man verreist auf mehrere Wochen und in der Zeit läuft das Verfallsdatum der Dosensuppe in der heimischen Speisekammer ab. Oder man stellt fest, dass einem die packweise eingekauften Nudeln überhaupt nicht schmecken. Oder man hat Süßigkeiten geschenkt bekommen, die man grundsätzlich nicht isst. Oder der Baum im eigenen Garten trägt viel zu viele Äpfel. Also wegwerfen?

Niemand braucht sich zu genieren

Nein, in das Fairteiler-Hüttle geben! Vielleicht kann die Dinge jemand anderer verwenden. „Es braucht sich niemand zu genieren, wenn er etwas herausnimmt“, sagte Sabrina Lorch bei der Einweihung vergangene Woche. Sabrina Lorch ist innerhalb der deutschlandweit tätigen Foodsharing-Organisation im neu eingerichteten Bezirk Gammertingen und Umgebung die „Betriebsverantwortliche“. Beruflich arbeitet sie bei der Stadtverwaltung Hettingen. Das Engagement für Foodsharing leistet sie ehrenamtlich.

Leicht überspitzt ausgedrückt könnte man bei Foodsharing von einer „Rettungsaktion“ sprechen. Und noch überspitzter könnte man sagen: Wer etwas aus dem Hüttle herausnimmt, tut ein gutes Werk, weil er oder sie einer schändlichen Sache entgegenwirkt. Es wird nämlich verhindert, dass teuer hergestellte Lebensmittel auf den Müll fliegen.

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Manchmal hat man Glück

So pathetisch muss man es freilich gar nicht sehen. Einfach vorbeigehen, schauen, was drin ist, und mitnehmen, was in den eigenen Haushalt passt und  was dann auch mit Freude gegessen oder getrunken wird. „Manchmal hat man Glück und findet genau das, was gerade fehlt, manchmal auch nicht“, meinte die Betriebsverantwortliche schmunzelnd bei der Eröffnung.

Selbstverständlich soll in dem Hüttle kein vergammeltes Zeug abgelagert oder entsorgt werden. Er wird deshalb auch regelmäßig auf diese Gefahr hin kontrolliert.

Waren aus Supermärkten

Den größeren Teil der Waren, die sich in dem Häuschen finden, erhält Foodsharing von Supermärkten. Das heißt, die Dinge kommen direkt aus dem Regal. Der andere Teil kann, wie dargestellt, von privat abgegeben werden.

Zugegebenermaßen hatte auch der Berichterstatter unserer Zeitung zunächst eine gewisse Scheu, der Einladung Sabrina Lorchs zu folgen und etwas einzupacken. „Ich brauch doch nix“, sagte ebenso ein Passant, der zufällig auf die Eröffnung stieß. Zumindest der Berichterstatter trug dann doch eine Tüte frischer, wundervoller, Kirschen, eine Dose Bohnen in Tomatentunke und eine Tube scharfer Würzpaste mit nach Hause. Die Sachen waren schnell und mit Genuss verzehrt. Also sagte sich der Konsument: „Wäre doch schade drum gewesen.“

Dafür müssen Tiere sterben

Das Problem der überflüssigen Verschwendung von Nahrungsmitteln hob Bürgermeister Davide Licht in seiner kurzen Ansprache nochmals hervor. Für Wurstdosen oder Gulaschsuppen wurden Tiere getötet, machte er klar. Es sei, so verstand man Licht, eine Sünde, wenn man die daraus entstandenen Produkte achtlos wegwerfe.

Der Schrank steht unter der Regie von Foodsharing. Die Stadtverwaltung hat das Projekt jedoch nachhaltig unterstützt. Sie ermöglichte den Standort und übernahm die Kosten für das Hüttle. Aufgestellt wurde es vom Bauhof; zudem von den Mitarbeitern fest verankert – damit es keine Beine bekommt. Bei der Eröffnung waren außerdem Mitarbeiterinnen der Caritas anwesend, nachdem die Einrichtung direkt vor ihrem „Glücksgriff“-Laden in der Bahnhofstraße steht. Die Caritas begrüßt und unterstützt die Einrichtung, steht aber, um es klarzustellen, organisatorisch mit Foodsharing nicht in Verbindung.

Fairteiler Burladingen Lebensmittel teilen

Blick ins Hüttle. Alle möglichen, noch verwertbaren und guten Lebensmittel finden sich da. Die Auswahl ist tagesabhängig. „Manchmal findet man genau das Passende, manchmal halt nicht. Reinschauen lohnt sich auf jeden Fall“, sagte die Betriebsverantwortliche für den Bezirk Gammertigen/Burladingen.

Matthias Badura

Wird die Einrichtung angenommen werden? Kurz vor Redaktionsschluss erreichte uns am Freitag, 17. Juli, zwei Tage nach der Eröffnung, eine Nachricht von Burladingens Hauptamtsleiter Martin Paulus: „Es läuft super. Ein Großteil des ersten Bestandes war in kürzester Zeit leer geräumt.“

Haltbarkeit Sabrina Lorch stellt klar: „Die Lebensmittel im Hüttle haben alle schon eine längere Reise hinter sich. Man muss sich darüber klar sein, dass der Ablauf des Haltbarkeitsdatums in näherer Zeit bevorsteht.“ Es befinden sich auch Waren mit überschrittenem Haltbarkeitsdatum in den Regalen. Es handle sich aber um solche, bei denen man keine Bedenken habe müsse. „Nudeln halten ja zum Beispiel ewig“, so Lorch. „Ob man diese Dinge nimmt, muss jeder selbst entscheiden.“

Hineingeben Verschiedene Nahrungsmittel sind ausdrücklich nicht zur Abgabe vorgesehen. Unter anderem Eier und Alkohol. Was willkommen ist, lässt sich Informationen entnehmen, die am Hüttle angebracht sind.

Verschwendung Laut Internet werden in Deutschland jährlich rund 11 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Der größte Teil entsteht dabei in privaten Haushalten.

Betriebsverantwortliche Zur Erklärung des Titels: Sabrina Lorch hält den Kontakt mit Supermärkten, also Betrieben, die den Hüttle im Bezirk Gammertingen und Umbgebung Lebensmittel aus ihren Beständen abgeben.