Bürgermeisterwahl Hechingen
: Erfolgsbilanz und Klage über Internet-Lücken

Das IHK-Wahlpodium war für Amtsinhaber Philipp Hahn ein Solo – und ein Heimspiel. Die Hechinger Unternehmer sind mit dem Stadtoberhaupt ganz offenkundig zufrieden.
Von
Hardy Kromer
Oberndorf
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Bei der IHK-Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl in der Hechinger meaPuna-Orangerie: Bürgermeister(kandidat) Philipp Hahn (links) und Matthias Miklautz, der Leiter der IHK-Geschäftsstelle Zollernalbkreis, im mit Unternehmerinnen und Unternehmern voll besetzten Veranstaltungsraum des Fürstengarten-Schmuckstücks.

Hardy Kromer

Von kritischen Fragen zur Grundsteuer, zu einer möglichen Erhöhung der Hundesteuer oder zu fehlenden Kita-Plätzen blieb der Hechinger Bürgermeister(kandidat) Philipp Hahn am Montagabend verschont. Das 50-köpfige Publikum in der meaPuna-Orangerie bestand aus örtlichen Unternehmerinnen und Unternehmern, die dem Rathauschef offenkundig wohlgesonnen sind. Philipp Hahn konnte das Wahlpodium der Industrie- und Handelskammer (IHK) für sich als Heimspiel verbuchen.

Und was heißt schon Podium! Hahn stand mit Moderator Matthias Miklautz, dem Leiter der IHK-Geschäftsstelle Zollernalbkreis, allein auf der Bühne – so wie sein Name am 8. März allein auf dem Wahlzettel stehen wird. Miklautz‘ Anmerkung dazu: „Wir wären auf ein Podium mit mehreren Kandidaten vorbereitet gewesen. Anscheinend hat sich keiner getraut anzutreten.“ Das sage ja auch schon einiges über den Amtsinhaber.

„Bin durchaus angespannt“

Hahn wiederum nannte die Konkurrenzlosigkeit ein „etwas merkwürdiges Gefühl“. Zwar müsse er nicht so zittern wie die Landtagskandidaten, die am selben Tag zur Wahl stehen, er sei aber „durchaus angespannt“ und wünsche sich eine gute Wahlbeteiligung.

Wer über den heute 46-Jährigen, der 2013 als Erster Beigeordneter nach Hechingen kam und seit 2018 Bürgermeister ist, noch nicht so viel weiß, erfuhr von Miklautz, dass er in seiner Heimatstadt Schwäbisch Gmünd „nicht nur Klassen-, sondern auch Schulsprecher“ war, berufliche Stationen im Stuttgarter Staatsministerium, bei der Stuttgarter Börse und im Büro eines CDU-Bundestagsabgeordneten hatte, und von Hahn selbst, dass er große Teile seiner Freizeit mit seiner „Patchworkfamilie mit vier Kindern“ verbringe, aber jeden Dienstag am frühen Morgen Tennisunterricht nehme und nach der Wahl gerne wieder mehr joggen wolle, um ein drittes Mal beim Panoramalauf anzutreten.

Dann die Bilanz der ersten Amtszeit: „Was sind Ihre größten Erfolge?“ Hahn bekannte, er sei „stolz darauf“, dass es innerhalb der Stadtverwaltung mit ihren 385 Mitarbeitenden, im Gemeinderat, im Verbund mit acht selbstbewussten Stadtteilen, im Landkreis und auch im Zusammenspiel mit den Gewerbetreibenden „ein gutes Miteinander“ gebe.

„Stolz auf das gute Miteinander“

Als Erfolg wertete er auch, dass sein Ziel, die Zollernstraße während seiner ersten Amtszeit „in trockenen Tüchern zu haben“, erreicht werde – „und nicht zuletzt auch das Marktplatz-Projekt“. Mit allen Gewerbetreibenden am Platz letztlich einen Konsens erzielt zu haben, „ein Commitment zur Verkehrsberuhigung“, das sei „ein toller Erfolg“. Hahn nutzte die Gelegenheit, die Anwesenden zur Eröffnung des neuen Platzes „mit Dachhimmel“ am Samstag, 2. Mai, 18 Uhr, einzuladen.

Was nicht nach Wunsch lief

„Und was hat nicht so geklappt?“, wollte der Moderator wissen. Hahn räumte ein, dass die Breitbandversorgung in der Stadt „deutlich langsamer als gewünscht“ vorankomme. „Je nachdem, wo Sie wohnen, haben Sie gefühlt gar kein Internet“, sprach er den Bollemern und manchen Schloßberg-Bewohnern aus dem Herzen.

Der Bürgermeister machte aber deutlich, dass die Stadt diese Kuh nicht allein vom Eis kriegt. Hechingen habe in den letzten drei Jahren mehr als sechs Millionen Euro in den Glasfaserausbau investiert, und dennoch lasse sich der Flickenteppich nur Stück für Stück schließen. „Dieses Jahr kommt Bechtoldsweiler dran, 2027 Boll...“ Unterm Strich bleibt aber die Klage: „In keinem anderen Land in Europa läuft der Glasfaserausbau so schwierig, so zäh.“

Weitere Baustellen? „Viele Schlaglöcher in den Straßen“ will Hahn ebenso wenig leugnen wie die Tatsache, dass die kommunale Infrastruktur „in die Jahre gekommen“ sei und die Stadt Hechingen bei der Digitalisierung der Verwaltung „nicht ganz vorne“ liege.

Das Hauptamt wieder einführen

Apropos Verwaltung: Beim Ausblick für den Fall, „dass ich wiedergewählt werden würde“, sprach Hahn offen darüber, dass es mit Blick auf die „Kriegsgefahr im Osten“ geboten sei, sich auf kommunaler Ebene zu wappnen: „Wir müssen resilient werden, zum Beispiel beim Thema Stromversorgung.“

Beim Thema Verwaltungseffizienz dachte er laut darüber nach, das vor Jahren abgeschaffte Hauptamt als zentrale Dienststelle im Rathaus wieder einzuführen. Und wenn er einen Wunsch für eine neue Personalstelle frei hätte, würde er der Verwaltung einen Wirtschaftsförderer bescheren.

Konkreter stellte er der Unternehmerschaft in Aussicht, den Gewerbesteuer-Hebesatz (aktuell bei 360 Prozent) stabil zu halten: „Wir beabsichtigen nicht, ihn zu erhöhen.“ Im Übrigen wolle die Stadtverwaltung auch ohne Wirtschaftsförderer „eine Politik des Gehörtwerdens machen“. Er versprach den Unternehmern ein offenes Ohr in allen Belangen. Und noch ein Gewerbethema: Laut Hahn denkt Hechingen aktuell über eine Erweiterung des Gewerbegebiets Nasswasen nach.

Wer bestellt, soll auch bezahlen

Haushaltskonsolidierung war ein Thema, das Matthias Miklautz ansprach. Hahn wurde hier ganz klar: Er könne einen 100-Millionen-Etat nicht konsolidieren, „indem ich beim Neujahrsempfang Butterbrezeln statt Häppchen ausgebe.“

Das Hauptproblem aller Kommunen sei, dass Bund und Land ständig neue Aufgaben brächten, „die wir bezahlen müssen“.

Und die Gastronomie?

Hahns Beispiel: der Ausbau der Ganztagsbetreuung an Schulen. „Das kostet Hunderttausende.“ Er plädierte für eine Rückkehr zum Subsidiaritätsprinzip: „Wer bestellt, der bezahlt.“

Eine Frage aus der Runde betraf die Weiterentwicklung des Gastronomie-Angebots. „Wir können es als Kommune nicht lösen“, betonte Hahn. „Jeder hat Erinnerungen ans Fecker“, nannte er ein Exempel. „Auch wir als Stadt führen Gespräche, versuchen zu vermitteln, aber am Ende braucht es jemanden, der sagt: Ich mach’s.“

Es gebe aber auch Positivbeispiele: das „Kaiseki“ am Obertorplatz oder den Inder im „Museum“. Am Ende war Hahn wieder am Marktplatz angelangt. Da unterstütze die Stadt das „Röcker“ und das „Blixen“ mit der Außenmöblierung.

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