Abschied vom Pfarrer: Bewegte Jahre in der Felsenstadt

Sagt Auf Wiedersehen: Pfarrer Michael Storost veraschiedet sich aus Haigerloch und von der Annakirche. Sein Weg führ in in Ortenau, nach Kippenheim.
Thomas Kost- Abschied nach 13 Jahren in Haigerloch: Pfarrer Michael Storost wechselt nach Kippenheim.
- Investitur in Gruol war der Start, Abschiedsgottesdienst dort am Sonntag mit Stehempfang.
- Kirchliche Reformen prägten die Zeit: Fusion zur Seelsorgeeinheit und später Großpfarrei.
- Ab 2024 wurde Storost Kooperator und konzentrierte sich auf Seelsorge, Verwaltung entfiel.
- Gesundheitliche Einschnitte und Corona belasteten ihn – nun zieht es ihn näher zur Heimat.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Im Gespräch mit unserer Zeitung erinnert sich der 62-Jährige noch genau. Kurz vor dem Wochenende, an dem in Haigerloch immer der Christkindlesmarkt stattfindet, ist er als Nachfolger von Pfarrer Wolfgang Laaber nach Haigerloch gekommen. Zuvor war er in der Pfarrei Forst bei Bruchsal tätig. In der Annakirche hat Storost seine erste Messe gefeiert.
Die kannte er sogar. „Wir haben mal einen Ausflug nach Haigerloch gemacht und ich war als Ministrant bei der Messfeier in Haigerloch dabei“, verrät der aus Bad Griesbach im Renchtal stammende und mit drei Brüdern aufgewachsene Badener.
Dass seine Zeit im Hohenzollerischen manche Überraschung mit sich bringen würde, hat der damals 49-Jährige im Dezember 2013 sicherlich nicht ahnen können. Dabei ging es schon etwas turbulent los. Michael Storost konnte nicht gleich seinen Wohn- und Amtssitz im Kaplaneihaus in der Haigerlocher Oberstadt beziehen, sondern musste sich erst einmal im Harter Pfarrhaus einrichten. Das 1746 erbaute Gebäude direkt gegenüber der Annakirche wurde zu jener Zeit nämlich umfassend saniert. Erst im Oktober 2015 war es Storost möglich, dorthin zu wechseln. Seine kurze Zeit in Hart behält der Pfarrer trotzdem in guter Erinnerung. Mit Nachbarin Maria Fechter hat er bis heute Kontakt.
Auf dem Weg zur Groß-Pfarrei
2015 war auch das Jahr der ersten großen strukturellen Veränderung in der katholischen Kirche in Haigerloch. Bis dahin hatten sich die Katholiken in zwei Seelsorgeeinheiten aufgeteilt. Die eine unter der geistlichen Leitung von Pfarrer Dieter Mayer bildeten Bad Imnau, Trillfingen, Hart Stetten und Owingen. Zu der anderen, unter der Leitung von Pfarrer Michael Storost gehörten Heiligenzimmern, Gruol, Weildorf, Bittelbronn und natürlich Haigerloch. Es hieß also: aus zwei mach eins. Und so entstand die Seelsorgeeinheit Eyachtal – Haigerloch St. Anna mit einem gemeinsamen Pfarrgemeinderat und einem Stiftungsrat. Die Fusion hat ganz gut funktioniert. „Wir hatten in den Gremien immer eine ausgezeichnete Zusammenarbeit“, erinnert sich Storost an diese Phase.
Doch dabei sollte es nicht bleiben. Die Erzdiözese Freiburg plante im Zuge einer Kirchenreform in ihrem ganzen Gebiet zahlreiche selbstständige oder in Seelsorgeeinheiten zusammengefasste Kirchengemeinden zu größeren Einheiten zu verschmelzen. Und so entstand zum 1. Januar 2026 die Großpfarrei St. Jakobus Hechingen, die auf dem Gebiet des früheren hohenzollerischen Kernlandes von der Burladinger Alb bis hinüber ins Dießener Tal vor Freudenstadt insgesamt 39 Gemeinden mit etwa 35.000 Katholikinnen und Katholiken zusammenfasst.
Eine Entwicklung, der an der Kirchenbasis mit viel Skepsis begegnet wurde, die aber aus Sicht von Michael Storost nur eine logische Konsequenz ist. „Es war klar, dass eine neue Organisationsform her muss. Das hat nicht nur mit dem Mangel an Personal zu tun, sondern auch mit der großen Zahl an sanierungsbedürftigen Immobilien“, sagt er und hofft, „dass die neu geschaffene Struktur ein paar Jahr“ hält. Die aktuellen Entwicklungen – Stichworte Priester- und Geldmangel oder Kirchenaustritte – gehen ja weiter.
Ab 2024 Kooperator
Die Schaffung der Groß-Pfarrei bedeutete für Michael Storost auch eine Neudefinition seiner Rolle. Aus dem Leiter der Seelsorgeeinheit wurde schon ab Oktober 2024 ein Kooperator, der sich hauptsächlich aufs Seelsorgerische konzentriert. Hat er das als Zurücksetzung eingestuft? Überhaupt nicht. „Ich habe das als Befreiung gesehen, die ganze Verwaltungsarbeit war damit weg für mich.“
Diese ist durchaus nicht zu unterschätzen. Die Arbeit eines Pfarrers spielt sich ja nicht nur hinter dem Altar ab, sondern über viele Stunden auch im Pfarrbüro. Außerdem fielen in Storosts Amtszeit die grundlegende Sanierung der Pfarrkirche St. Clemens in Bittelbronn und die jüngst abgeschlossene Sanierung der Pfarrkirche St. Patrizius in Heiligenzimmern. Dazu gesellte sich die Gruppenarbeit mit Ministranten und Pfadfindern oder auch den Altenwerken und Kolping sowie die ökumenische Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirchengemeinde Haigerloch.
Corona – eine Herausforderung
Und dann kam auch noch Corona. „Das war eine Herausforderung“, meint Storost im Rückblick auf diese Zeit. Ganz allein stand er in dieser Zeit in der Kirche und hielt Gottesdienste – aber das war seine Pflicht. „Es ist schwer eine Messe zu feiern und keine Gemeinde vor sich zu haben“, beschreibt er die damalige bizarre Situation.
Nicht nur die Corona-Zeit war speziell, Michael Storost musste in seiner 13-jährigen Zeit in Haigerloch auch gesundheitliche Rückschläge hinnehmen. 2020 erlitt er einen Schlaganfall. Bis weit in den Sommer jenes Jahres hinein war der Pfarrer deshalb außer Gefecht gesetzt. 2023 folgte schließlich arthrosebedingt eine Hüftoperation.
Wegen seiner angeschlagenen Gesundheit verzichtet er deshalb heute auf die von ihm früher geliebten Urlaubsradtouren auf Radwegen entlang großer Flüsse wie der Donau, der Elbe oder der Weser. Auch die zwei Besuche pro Woche in einem Fitnessstudio hat der 62-Jährige mittlerweile auf einen reduziert.
Zurück in Richtung Heimat
Nun also schließt sich für Michael Storost der Kreis und der Neubeginn steht vor der Tür. In der Pfarrkirche St. Clemens in Gruol, wo Storost seine Investitur gefeiert hat, findet am Sonntag sein Abschiedsgottesdienst statt. Danach geht es allmählich daran, die Sachen zu packen und ins Pfarrhaus nach Kippenheim in der Ortenau umzuziehen. Auch in der Kirchengemeinde Südliche Ortenau wird er als Kooperator tätig sein.
„Es ist Zeit für eine Veränderung, sonst rostet man ein“, blickt der Haigerlocher Pfarrer der letzten Etappe seines beruflichen Priesterdaseins entgegen. Außerdem habe er wieder mehr in Richtung seiner alten Heimat gewollt. Seine Mutter sei nämlich inzwischen auch schon 89, sie sei von Kippenheim aus besser zu erreichen, erklärt er die Gründe für seinen Wechsel.
Beste Wünsche für den Nachfolger
Und wie ist sein Rückblick auf die Zeit in Haigerloch und die Menschen, mit denen er es im Laufe der Jahre zu tun hatte? „Ich habe auf Anhieb Anschluss gefunden, aber als Pfarrer tut man sich da ja auch leicht“, erklärt Storost. Große Stützen in seiner Arbeit seien die beiden Diakone Franz Hauseisen und Peter Hipp, Pastoralreferent Juan Pablo Perisset und seine frühere Pfarrsekretärin Ulrike Drescher gewesen. Wie er seine Zeit in Haigerloch beurteilt, das will er in stillen Momenten für sich rekapitulieren, möglicherweise in schriftlicher Form.
Nun also bricht die Zeit seines Nachfolgers Sandro Pröbstle an. Der aus Inneringen bei Sigmaringen stammende 32-jährige Vikar hat diese Woche bereits die ersten Gottesdienste in Haigerloch geleitet und wird am Sonntag bei Michael Storosts Abschied natürlich auch begrüßt. „Ich wünsche ihm, dass er hier gut aufgenommen wird“, so Storost.
Die Verabschiedung
Der Gottesdienst in der Gruoler Clemenskirche zur Verabschiedung von Pfarrer Michael Storost mit Pfarrer Thomas Fürst beginnt um 10 Uhr. Im Anschluss gibt es einen Stehempfang, zu dem alle eingeladen sind. Bei schönem Wetter findet er im Garten des Pfarrheimes St. Clemens statt, bei schlechtem Wetter im Pfarrheim
