Wegen zunehmender Gewalt: Medizinisches Personal im Krankenhaus Freudenstadt lernt Selbstverteidigung

Das Krankenhaus in Freudenstadt hat zunehmend mit gewalttätigen Patienten und Angehörigen zu tun.
Dirk Haier- Klinikum Freudenstadt meldet mehr Aggression von Patienten und Angehörigen in mehreren Bereichen.
- Neues Sicherheitskonzept gilt: klare Abläufe, Deeskalationstrainings und Kameras in Fluren.
- Notaufnahme und Kinderstation berichten häufige verbale Angriffe – dreimal pro Stunde geschätzt.
- Bei Eskalation greifen Teams auf Unterstützung und Polizei zurück – enge Zusammenarbeit besteht.
- Selbstverteidigungsschulungen für stark betroffene Teams, bei Waffen wird sofort die Polizei gerufen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Gewalt, egal ob verbal oder körperlich, wird bei uns nicht geduldet“, erklärt Monique Bliesener, Geschäftsführerin des Klinikums Landkreis Freudenstadt, in einer Pressemitteilung. „Unsere Mitarbeitenden sollen sich an ihrem Arbeitsplatz jederzeit sicher fühlen können.“
Eine Arbeitsgruppe aus Ärzten, Pflegekräften, IT-Mitarbeitern und den Mitgliedern des Direktoriums hat deshalb ein erweitertes, umfassendes Sicherheitskonzept für die Mitarbeitenden des Klinikums entwickelt, das ab sofort im Einsatz ist. Darüber wird in der Pressemitteilung informiert.
Demnach gibt es eine klare Anleitung, wie in kritischen Situationen schnell, gezielt und angemessen reagiert werden kann. „Die Grundidee ist, Gewalt möglichst von vornherein zu verhindern“, erklärt Britt Thienel-Werner. Als Pflegebereichsleiterin der Notaufnahme steht sie mit ihrem Team an vorderster Front, wenn sich Menschen im emotionalen Ausnahmezustand befinden.
Regelmäßige Deeskalationstrainings
Aber auch auf anderen Stationen nimmt das Aggressionspotenzial zu. Etwa auf der Kinderstation, wo aufgebrachte Eltern zunehmend heftiger reagieren, um ihren Anliegen Nachdruck zu verleihen. Am Anfang jeder kritischen Situation steht der Versuch, diese mit Empathie, Aufmerksamkeit und persönlicher Ansprache aufzulösen. In Kooperation mit den Experten der Psychiatrischen Klinik finden hierfür regelmäßig Deeskalationstrainings für die Mitarbeiter des Klinikums statt.
Lassen sich Aggressoren nicht beruhigen, werden Kollegen von anderen Abteilungen zur Unterstützung hinzugezogen und im nächsten Schritt die Polizei alarmiert. Diese wird über die Freisprechfunktion des Telefons live in die Situation vor Ort zugeschaltet und kann sofort entsprechende Planungen einleiten. Ergänzend sind in Fluren und Wartebereichen inzwischen Sicherheitskameras installiert.
Enge Zusammenarbeit mit der Polizei
Sie zeigen laut der Mitteilung Wirkung. „Mancher reißt sich dann schnell wieder zusammen“, berichtet Britt Thienel-Werner aus der Notaufnahme. „Glücklicherweise können wir als Klinikum mit umgehender Unterstützung durch die Polizei rechnen, denn schon seit Jahren wird eine enge Zusammenarbeit gelebt“, sagt Geschäftsführerin Monique Bliesener.
Regelmäßig kommt es vor, dass Patienten bereits in Polizeibegleitung ins Klinikum eingeliefert werden. Die Beamten bleiben dann zur Sicherheit des Klinikpersonals vor Ort, bis die Patienten versorgt werden konnten. Dennoch: „Es darf nicht sein, dass Mitarbeitende vor bestimmten Personengruppen Angst haben müssen“, betont Bliesener.
Deshalb wurden besonders stark betroffenen Teams inzwischen auch Selbstverteidigungsschulungen angeboten, die Selbstschutz in Extremsituationen trainieren. Bei Waffen wird umgehend die Polizei alarmiert.
Aber wie ernst ist die Situation am Klinikum Landkreis Freudenstadt im Alltag? „Wir werden im Schnitt dreimal pro Stunde verbal angegriffen und beleidigt“, schätzt Britt Thienel-Werner. Die Gewaltbereitschaft steigt spürbar an, die Hemmschwellen sinken.“
Andernorts ist es noch schlimmer
Weiter berichtet Thienel-Werner: „Betroffen ist nicht nur die Notaufnahme – auch andere Stationen berichten Ähnliches. Immer wieder kommt es vor, dass Patienten und Angehörige versuchen, sich Mitarbeitenden drohend zu nähern oder diese gar an der Kleidung zu packen.“
Allerdings: „Im statistischen Vergleich steht das ländliche Freudenstadt noch gut“, berichtet Thienel-Werner. „Abgesehen von Patienten, die bereits bei Anlieferung polizeilich begleitet werden, musste in den vergangenen zwölf Monaten in der Notaufnahme viermal die Polizei angefordert werden. In den Ballungsräumen ist diese Zahl deutlich höher.“
Was dem Team des Klinikums laut der Mitteilung jedoch Sorge macht, ist die Zunahme an Verdachtsfällen, bei denen Waffen wie beispielsweise Messer mitgeführt werden. Wird eine Waffe bei einem Patienten oder Angehörigen gesichtet, wird umgehend und ohne Ankündigung die Polizei hinzugezogen.
