Unterwegs im Kreis Freudenstadt
: Mit Muli-Dame Peregrina wandert Peter Eichenauer an die italienische Riviera

Peter Eichenauer (62) wandert mit seinem Muli-Dame Peregrina von Darmstadt an die italienische Riviera. Gastfreundschaft erlebt er auf seiner Reise auch im Kreis Freudenstadt.
Von
Niklas Ortmann
Oberndorf
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Gemeinsam auf Reisen: Peter Eichenauer und Muli-Dame Peregrina

Niklas Ortmann

Nur auf die Wettervorhersage kann sich Peter Eichenauer bisher nicht verlassen. Um 9 Uhr sollte es trocken sein. Eine Stunde später steht er noch immer im strömenden Regen auf einer Wiese am Gasthof Tannenhof im Seewalder Ortsteil Eisenbach. Dort hat er die letzten vier Nächte verbracht – wegen des Regens.

„Das ist ja ein Sauwetter heute. Ich wollte schon weiter sein“, sagt Eichenauer. Von Hektik ist bei ihm jedoch keine Spur. „Ich hab ja Zeit.“ Die hat er sich bewusst genommen, um auch Schlechtwetterphasen aussitzen zu können.

An diesem Tag will sich Eichenauer aber nicht weiter vom Wetter ausbremsen lassen. Am Abend wird der 62-Jährige in Mitteltal erwartet, wo er seine nächste Unterkunft gefunden hat. Er räumt das Gepäck in seine beiden Packtaschen, baut den Zaun ab, der die Tage zuvor auf der Wiese stand, und kratzt mit einem Rechen die Ausscheidungen zusammen, die Peregrina auf der Wiese hinterlassen hat. Etwa drei Eimer sind es pro Nacht.

Ein stattliches Muli

Peregrina, das ist Eichenauers Begleitung. Mit einem Stockmaß von 1,6 Metern ein stattliches Muli. „Das hat schon einige überrascht“, sagt ihr Besitzer. Peregrina ist eine Menschenfreundin. Fremden kommt sie näher als manch einem lieb sein wird, Karotten frisst sie genüsslich aus der Hand. „Die meisten sind schockverliebt.“

Ihren Namen hatte sie schon, als Eichenauer sie gekauft hat, jetzt könnte er aber passender kaum sein. Peregrina bedeutet „die Wanderin“ oder „die Pilgerin“. Sie war für Eichenauer das fehlende Mosaikstück, um endlich eine Fernwanderung zu unternehmen. Geträumt hat er davon schon lange, von einem eigenen Maultier aber nie. Als ihm dann aber von einer Frau erzählt wurde, die mit einem Esel nach Italien wanderte, war sein Mosaik komplett.

Das fehlende Mosaikstück für die Reise: Eichenauers Muli Peregrina

Foto: Niklas Ortmann

Am 21. Mai ist Eichenauer mit Peregrina in der Nähe seiner Heimat Darmstadt gestartet. Das Ziel: die italienische Riviera. Er habe einfach ein Lineal genommen und in Richtung Süden gerichtet, erzählt Eichenauer. „Dann kommst du auf die ligurische Küste.“

Gast sein, nicht Kunde

Den Süden hat er bewusst gewählt. Dort erhofft er sich auf seinem Weg viele Kontakte – einer der Beweggründe für seine Reise. „Ich möchte Menschen kennenlernen als Gast und nicht als Kunde.“ Die Nächte verbringt er daher nicht in Hotels mit einem „Rundum-sorglos-Paket“, sondern dort, wo Menschen ihn aufnehmen – mit seiner Peregrina. „Das hat bisher immer wunderbar geklappt.“

Seinem Muli reicht ein Stück Wiese; er selbst schläft in Gästezimmern, Schuppen oder – „wenn gar nichts geht“ – in seinem Zelt. Das ist aber die Seltenheit. Häufiger kommt es vor, dass er unterwegs angesprochen wird, seine Gastgeber ihn weiterempfehlen oder er bei Bekannten unterkommt. So auch in Eisenbach, wo Nachbarn ihn an den Labbronnerhof in Mitteltal weitervermittelt haben.

Bis Ende Oktober will Eichenauer sein Ziel erreichen.

Foto: Niklas Ortmann

Wie es weitergehen wird, ist offen – die Strecke ergibt sich, mit Ausnahme von ein paar Fixpunkten, aus den Unterkünften, die Eichenauer findet. Klar ist nur: Bis Ende Oktober will er die Küste erreichen. Bis dahin sind es mindestens 1100 Kilometer.

Um so lange weg von Zuhause sein zu können, hat sich Eichenauer „von allen Verpflichtungen befreit“. Berufliche hat der Pensionär ohnehin nicht mehr, dafür aber als „Vereinsmeier“, wie er sich nennt. Der Fußballverein muss eine Weile ohne ihn auskommen; die Jubiläumskampagne seines Karnevalvereins beginnt erst im November. „Da will ich ja wieder da sein.“

Mindestens 1100 Kilometer werden die beiden zurücklegen.

Foto: Niklas Ortmann

Seine Reise wertet er schon nach drei Wochen als Erfolg. „Selbst wenn es morgen vorbei wäre, würde ich sagen: Jawohl. Denn auch wenn es schade wäre, nicht ans Ziel zu kommen, habe ich zumindest gelernt, dass wir in Deutschland durchaus gastfreundlich, hilfsbereit und zugewandt sind.“ Was er auf den ersten 300 Kilometern festgestellt hat: „So schlecht, wie manche unser Land reden, ist es gar nicht!“

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