Unternehmen im Kreis Freudenstadt: Verschärft die Wehrdienst-Reform den Fachkräftemangel?

Wirtschaftsvertreter warnen vor zusätzlichen Belastungen durch den Wehrdienst.
Henning Kaiser/dpaMit der Zustimmung des Bundeskabinetts zum Wehrdienstmodernisierungsgesetz nimmt eine der größten Reformen der letzten Jahre Fahrt auf. Ab 2026 sollen junge Frauen und Männer befragt werden, ob sie grundsätzlich bereit sind, Wehrdienst zu leisten.
Die Bundeswehr soll damit auf freiwilliger Basis personell gestärkt werden. Während die Politik das Ziel einer robusteren Verteidigungsfähigkeit betont, rücken in der Wirtschaft vor allem die Folgen für den Arbeitsmarkt in den Vordergrund.
Sorge vor verschärftem Wettbewerb um Fachkräfte
„Die Vereinbarkeit von Wirtschaft und Verteidigung muss gewährleistet sein, wenn der neue Wehrdienst ein Erfolg werden soll“, warnt IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Epp. Schon heute meldeten viele Branchen einen deutlichen Mangel an qualifizierten Beschäftigten. Die geplante Aufstockung der Truppe werde diesen Druck noch verstärken: „Die nötige personelle Stärkung der Bundeswehr wird allerdings den Wettbewerb um Arbeits- und Fachkräfte weiter verschärfen.“
Für Epp ist entscheidend, dass Wehrdienst nicht als Bruch im Lebenslauf wirkt, sondern mit Ausbildung und Erwerbsleben verknüpft wird. „Die Verfahren müssen so strukturiert sein, dass sie zur Ausbildung und zum Erwerbsleben passen und sich inhaltlich ergänzen, etwa durch entsprechende Weiterbildungen.“
Belastung für Unternehmen
Besonders problematisch sind aus Sicht der Betriebe mögliche längere Abwesenheiten von Beschäftigten. „Der Aufwand für Freistellungen wegen Wehrübungen oder Wehrdienst liegt unmittelbar bei den Unternehmen, weil gerade längere Abwesenheiten ja Nachbesetzungen nötig machen“, erklärt Epp. Zugleich betont er den gesamtgesellschaftlichen Charakter: „Die Gesamtverteidigung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Das heißt aber auch, dass Wehrdienst, berufliche Bildung und Arbeitswelt zusammengedacht werden müssen, wie das vor der Abschaffung der Wehrpflicht auch üblich war.“
Schmalz: Wehrdienst darf nicht zu Lasten der Unternehmen gehen
In der regionalen Wirtschaft überwiegt ebenfalls die Skepsis. Kurt Schmalz, geschäftsführender Gesellschafter des Automatisierungstechnik-Herstellers Schmalz in Glatten und Mitglied des Präsidiums der IHK Nordschwarzwald, fordert klare Konzepte: „Der neue Wehrdienst darf nicht zu Lasten der Unternehmen gehen, die ohnehin schon an Fachkräftemangel leiden. Es benötigt intelligente und kreative Konzepte, wie Wehrdienst und Arbeitswelt miteinander vereinbart werden. Eine enge Abstimmung zwischen Politik, Verwaltung und Unternehmensvertretern ist dabei unerlässlich.“
Andere Firmen äußern sich dagegen zurückhaltend. So erklärt Bosch Rexroth, größter Arbeitgeber in Horb, es sei noch zu früh, die Auswirkungen des Gesetzentwurfs abzuschätzen. Auch bei Homag in Schopfloch will man zunächst abwarten, da die genaue Ausgestaltung des Gesetzes noch unklar sei.