Stadt entwickelt Konzept: Neues Modell für die Jugendbeteiligung

Oberbürgermeister Adrian Sonder mit den vier am Gespräch beteiligten Achtklässlerinnen des Kepler-Gymnasiums.
Stadtverwaltung/RathDiese Zusage machte Oberbürgermeister Adrian Sonder in einem Gespräch mit vier Schülerinnen des Kepler-Gymnasiums. Die Achtklässlerinnen hatten für eine Präsentation im Fach Gemeinschaftskunde zum Thema Jugendbeteiligung um Recherchehilfe bei der Stadt gebeten und gleich einen Termin beim neuen OB erhalten. Die Inhalte des Gesprächs haben allerdings Bedeutung für alle Jugendlichen im Stadtgebiet, heißt es in einer Mitteilung der Stadtverwaltung.
Auf die Vorgaben in Paragraf 41 der Gemeindeordnung für Baden-Württemberg, die Jugendlichen eine „angemessene“ Beteiligung einräumen soll, entwickeln die Stadtverwaltung und ihr Kinder- und Jugendreferat seit geraumer Zeit das „Freudenstädter Modell“.
Dazu hatte es 2022 nach Corona eine breit angelegte Studie „Jugendfreundliches Freudenstadt“ mit Beteiligung von 430 Jugendlichen sowie Workshops und Gesprächsrunden an Schulen und in den Ausschüssen des Gemeinderats gegeben.
Eigenes Modell erarbeitet
Auf dieser Grundlage wurde der Entwurf für das „Freudenstädter Modell“ erarbeitet, heißt es in der Mitteilung weiter. Im Herbst sollen nun weitere Schritte folgen. „Es ist allerdings nicht so, dass es davor keine Möglichkeit zur Jugendbeteiligung gegeben hätte“, so Adrian Sonder. Das bisherige Konzept mit dem Jugendforum sei von den Jugendlichen jedoch nicht mehr so gut angenommen worden. „Daher soll jetzt etwas Neues kommen, um neuen Schwung reinzubringen“, wird Sonder in der Mitteilung weiter zitiert. Geplant sei ein „breites Format“ mit „vielschichtigen Beteiligungsmodellen“.
Dass Freudenstadt ein eigenes Modell entwickeln will, hat Gründe: „Das Konzept muss zu uns und unseren Jugendlichen passen. Freudenstadt ist nicht Mannheim. Deshalb können wir auch kein Konzept von einer anderen Stadt so einfach übernehmen. Was dort funktioniert, muss bei uns nicht zwangsläufig auch funktionieren. Was gestern noch gut gepasst hat, muss morgen nicht auch noch passen“, so der OB, der als 15-Jähriger selbst einem Jugendgemeinderat angehört hatte.
Zahlreiche Möglichkeiten
Darüber hinaus haben Jugendliche und Erwachsene laut der Stadtverwaltung in Freudenstadt zahlreiche Möglichkeiten, ihre Interessen, Ideen und Vorschläge einzubringen: Über diverse Kanäle wie E-Mails oder Anrufe im Rathaus und beim Oberbürgermeister, über die Stadträte, über Mitarbeit in sozialen Vereinen oder Initiativen wie dem „Klimabündnis“, über ein Engagement in Gremien an Schulen oder die Mitgliedschaft in Parteien oder einfach durch die Teilnahme an Informationsveranstaltungen, Versammlungen oder Podiumsdiskussionen.
Künftig wollen die Stadt und die Kommunalpolitik auch stärker in sozialen Medien präsent und erreichbar sein, heißt es weiter. Für OB Sonder sind sie eine gute Möglichkeit, in einen Dialog zu kommen und sich ein Stimmungsbild einzuholen. Entscheidungen würden jedoch weiterhin „analog“ fallen. Für Abstimmungen eignen sich diese Kanäle für Adrian Sonder nicht.„Aber wenn daraus etwas entsteht, haben wir doch alles richtig gemacht.“
Initiative ist gefragt
„Es gibt bereits jetzt sehr viele Möglichkeiten. Beteiligung, auch von Jugendlichen, setzt dabei voraus, dass sich Bürger interessieren, sich informieren, Initiative ergreifen und sich engagieren“, so Sonder. „Wer etwas anstoßen oder verändern will, muss auf Menschen zugehen. Sonst passiert wenig bis gar nichts. Es reicht nicht, sich nur hinzusetzen und sich über den Status quo zu beschweren.“