Projekt in Freudenstadt: Wie wird ein Krankenhaus demenzfreundlich?

Viele Menschen im Kreis sind von Demenz betroffen.
dpa/Jens Büttner1,8 Millionen Demenzerkrankte gibt es laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft in Deutschland. Rund 2200 sind es im Landkreis Freudenstadt, dazu jeweils etwa vier bis fünf mitbetroffene Angehörige, Tendenz steigend.
Anlässlich der bundesweiten „Woche der Demenz“ stellt das Freudenstädter Krankenhaus in einer Pressemitteilung ein entsprechendes Projekt vor. Denn auch Kliniken stellt die Demenzerkrankung vor große Herausforderungen. Die Belastungen eines stationären Aufenthalts und die fremde Umgebung bergen für Menschen mit Demenz besondere Risiken, vor allem das eines Delirs, heißt es in der Mitteilung.
Am Klinikum Landkreis Freudenstadt wurde deshalb das Projekt „Alters- und Demenzsensibles Krankenhaus“ ins Leben gerufen. Auf einer Pilotstation an der Schnittstelle von Innerer Medizin und Chirurgie ist laut der Mitteilung eine demenzfreundliche Umgebung mit speziell ausgestatten Zimmern und Aufenthaltsräumen entstanden.
Delir soll vorgebeugt werden
„Hier versuchen wir, den Menschen eine Umgebung zu bieten, die möglichst nah an ihrer Alltagssituation ist“, erklärt Sonja Dieterle von der Stabstelle Pflegeentwicklung. Zu den wichtigen Instrumenten in der Delir Vorbeugung zählen unter anderem ein Kalender und eine Uhr im Patientenzimmer, die Tageszeitung im Aufenthaltsraum, die Einhaltung eines geregelten Tag-Nacht-Rhythmus sowie der Einbezug der Angehörigen.
Der Aufenthaltsraum ist ein zentraler Ort, an dem gemeinsame Mahlzeiten eingenommen werden, Physio- und Ergotherapie stattfindet und Platz für Gespräche ist. „Wenn man den ganzen Tag allein im Zimmer liegt und an die Decke starrt, entsteht zwangsläufig Chaos im Kopf“, weiß Klaus Rademacher, Oberarzt und Leiter des Geriatrischen Schwerpunktes am Klinikum.
Unterstützt wird das Projekt von Helfenden, die für Aktivitäts- und Gesprächsangebote kommen. „Es muss kein vielschichtiges Angebot vorbereitet werden. Es ist schon hilfreich, wenn jemand auf die demenzbetroffenen Menschen zugeht und auf sie und ihre aktuellen Bedürfnisse eingeht – sie werden signalisieren, was ihnen in dem Moment gefällt und guttut“, so Rademacher.