Nationalpark Schwarzwald: Studie gewährt Einblicke in die verborgene Pilzwelt des Buchdruckers

Buchdrucker auf Baumrinde
S. M. TaninEr ist wohl eines der bekanntesten Exemplare seiner Art, und fällt sein Name, haben viele inzwischen schon ein recht genaues Bild von ihm: der Fichtenborkenkäfer.
Nun hat ein Forschungsteam des Nationalpark Schwarzwald und der Universität Freiburg den Buchdrucker ganz genau unter die Lupe genommen und sich im kleinsten Detail angeschaut, was auf dem bis zu 5 Millimeter großen Käfer vor sich geht. Davon berichtet die Pressestelle des Nationalparks in einer Mitteilung.
Die Studie wertete dazu mehr als 80 Jahre rückliegende Forschung aus und liefert mit den Ergebnissen eine erste, umfassende Gesamtübersicht über das sogenannte Mycobiom, die Pilzartengemeinschaft, die in, auf und mit dem Buchdrucker lebt sowie wichtige Impulse für den Waldschutz.
712 Pilzarten aus 58 Studien dokumentiert
„Insgesamt konnten wir 712 Pilzarten aus 58 wissenschaftlichen Studien dokumentieren“, berichtet Flavius Popa, Pilzexperte im Nationalpark Schwarzwald. 14 Pilzarten sind über das gesamte Verbreitungsgebiet sehr eng an den Borkenkäfer gebunden, weitere 150 gelten als potenzielle Kerngemeinschaft, kommen also in einem Teil des Verbreitungsgebiets vor. Darunter häufig Arten, die zum Beispiel zur Baumsterblichkeit beitragen, während andere möglicherweise die Ernährung und Vitalität der Käfer beeinflussen.

Charakteristisches Brutbild des Buchdruckers unter der Rinde
Foto: Jörn Buse/Nationalpark Schwarzwald„Mit rund 77 Prozent hat der größte Anteil dieser Pilze jedoch keine uns bekannte Bindung an den Käfer. Klar ist jedoch: Auch diese Arten übernehmen wichtige und vielfältige Rollen für die Waldentwicklung, zum Beispiel bei der anschließenden Zersetzung des Holzes und somit beim Schließen des Nährstoffkreislaufs im Wald“, erklärt Vienna Kowallik von der Universität Freiburg.

Nahaufnahme eines verpilzten Larvenganges
Foto: Flavius Popa/Nationalpark SchwarzwaldDie Meta-Studie zeigt laut Mitteilung, wie hochkomplex das mikrobielle Netzwerk auf dem Buchdrucker ist. „Mit unserer Forschung konnten wir alleine auf dieser einen Käferart zahlreiche neue Pilzarten nachweisen, deren Funktionen und Zusammenhänge im Einzelnen teilweise noch nicht bekannt sind“, betont Popa. „Gerade für das Management auch außerhalb von Schutzgebieten ist dieses Wissen entscheidend, weil es unser Verständnis von Interaktionen zwischen Arten und natürlichen Dynamiken im Wald deutlich erweitert.“
Die Übersichtsstudie liefert damit auch eine wissenschaftliche Grundlage, um Wälder im Spannungsfeld von Klimawandel, Biodiversität und Störungsdynamiken besser zu verstehen und zu schützen.
Die Arbeit macht zudem deutlich, dass die bisherige Forschung stark von traditionellen Methoden geprägt ist. Nur sechs von 58 Studien setzten moderne, genetische Methoden ein, die auf dem Nachweis und der Identifizierung der DNA der Pilze am Käfer beruhen. Diese wenigen, neueren Ansätze konnten jedoch die Pilzvielfalt erheblich steigern.

Pilzexperte Flavius Popa
Foto: Anne-Sophie Stolz„Das verdeutlicht, wie unverzichtbar moderne, molekulargenetische Verfahren für die Biologie geworden sind. Sie ermöglichen uns einen davor unzugänglichen Blick auf die Pilzdiversität des Buchdruckers. Durch die Kombination beider Techniken lässt sich ein deutlich umfassenderes und realitätsnäheres Bild der symbiotischen Beziehungen von Käfer und Pilzen zeichnen“, erklärt Kowallik.
Weitere internationale Forschungsdaten benötigt
Das Forschungsteam stellte fest, dass rund 90 Prozent der erfassten Pilzarten aus europäischen Studien stammen, vor allem aus Zentral- und Nordeuropa. Asiatische Regionen, die sich durch andere ökologische und klimatische Bedingungen auszeichnen, sind bislang stark unterrepräsentiert.
„Gerade die globalen Unterschiede machen das Thema so spannend, da die Interaktionen zwischen Käfern, Pilzen und Bäumen sensibel auf Klima und Umweltbedingungen reagieren. Um zukünftige Borkenkäferdynamiken besser zu verstehen, benötigen wir international vergleichbare und interdisziplinäre Forschungsansätze“, erklärt Peter Biedermann, Leiter der Forstentomologie an der Universität Freiburg.