Nahversorgung in Besenfeld: Geplanter Discounter sorgt für Kritik und Sorgen

Hier stehen sie vor dem Dorfladen und gegen den geplanten Discounter (von links): Ladeninhaber Vincenzo Laudicina und Petitionsinitiator Jürgen Sester
Carolin SchöfflerProminent am Ortseingang von Besenfeld soll ein Discounter gebaut werden. Das entschied der Gemeinderat Seewald Mitte Mai einstimmig. Doch die Begeisterung vieler Einwohner hält sich offenbar in Grenzen.
Kaum war bekannt, dass ein Discounter kommt, wurden in der Bevölkerung Befürchtungen laut, der in Besenfeld ansässige Dorfladen mit Imbiss werde schließen. Inhaber Vincenzo Laudicina beruhigt. Er habe nicht vor, seinen Laden aufzugeben, sagt er unserer Redaktion. Im Gegenteil. Die Zukunft des Nahversorgers sei personell langfristig gesichert, seine Tochter habe vor, das Geschäft zu übernehmen.
Was Laudicina jedoch fürchtet, ist, dass mögliche Umsatzeinbußen durch einen Discounter ihm und seiner Familie einen Strich durch die Rechnung machen. Auch um die Zukunft seiner vier Beschäftigten mache er sich Sorgen. Zwar könne er theoretisch mit seinem Laden auch umziehen. „Aber ich liebe die Leute“, erklärt Laudicina. „Ich habe mein Herz an den Ort hier verloren.“
Begegnungsstätte für Einwohner
Er habe ein gutes Verhältnis zu den Leuten im Ort. Die schätzen den Laden mit exklusiven Produkten direkt aus Italien und den zugehörigen Imbiss mit Kaffee, Kuchen und frischer Pizza, versichert Laudicina. So sei der Dorfladen nicht nur ein wichtiger Teil der Nahversorgung, sondern auch eine Begegnungsstätte für die Bevölkerung. Diese riskiere man mit einem Discounter zu verlieren.
Insbesondere für Senioren ist der Discounter daher kein großer Gewinn, ist sich Laudicina sicher. Zumal das Seniorenheim näher am Dorfladen, als am Ortseingang liege. Viele der älteren Herrschaften seien nicht mehr gut zu Fuß und müssten das Auto nehmen, um zum Discounter zu gelangen. Dann könnten sie aber gleich zu einem der Netto-Märkte in Klosterreichenbach oder Simmersfeld fahren.
Begründung des Gemeinderats
Der Gemeinderat begründete die Ansiedlung eines Discounters damit, dass die Nahversorgung sichergestellt und die Infrastruktur verbessert werden soll. Laudicina kann das nicht nachvollziehen.
Schließlich gibt es in Besenfeld bereits seinen Dorfladen mit Imbiss, eine Bäckerei, eine Metzgerei, eine Apotheke, eine Sparkasse, einen Friseur und eine Tankstelle. Es sei also „von A bis Z ein intakter Ort“ – noch.
Infrastruktur wird zerstört
Laudicina und weitere Einwohner fürchten, dass der Discounter die bestehende Infrastruktur und das Dorfleben eher zerstören, als verbessern könnte. „Warum muss man diesen Urtümlichkeitscharakter des Dorfes kaputt modernisieren?“, fragt sich Jürgen Sester, Einwohner Besenfelds und Initiator der Petition „Stoppt den geplanten Discounter in Besenfeld – für den Erhalt unserer Läden!“, die mittlerweile bereits 191 Unterschriften verzeichnet.
Mit der Petition wolle er versuchen, die Gemeindeverwaltung zu einem Bürgerdialog zu bewegen. Gerade weil es sich um ein Dorf handelt, müssen die Bürger aus Sesters Sicht an solch einer Entscheidung beteiligt werden. Sester erinnert das Vorgehen der Verwaltung an jenes bei Planung und Bau der Windräder. Auch da seien die Bürger nicht gefragt worden.
Und tatsächlich scheinen diverse Bürger starke Vorbehalte gegen die Discounter-Ansiedlung zu haben, wie aus einigen Kommentare unter der Petition deutlich wird: „Immer wieder sieht man, wie die Großen die Kleinen fressen, sowas darf hier nicht passieren“, „Für die älteren Leute im Ort eine Katastrophe“, „Wir zerstören alles was lebenswert ist“, „Unser Dorfleben darf nicht sterben“.
Doch es gibt auch andere Stimmen. So wurde unter der Petition auch kritisiert, dass viele der Unterzeichner gar nicht aus Seewald stammen. Derselbe Kommentarschreiber vermute, dass „diese lautstarke Minderheit versucht, politische Entscheidungen durch Stimmungsmache zu beeinflussen, obwohl sie nur einen kleinen Teil der Gesellschaft ausmacht“. Als Quelle für seine Kritik nennt er die „Mehrheit der Gesellschaft in Seewald“.
Unsere Redaktion hat auch die Verwaltung zum Sachverhalt befragt. Bislang liegt uns noch keine Antwort vor.