Nach dem Tod von „Kito“: Wölfinnen im Bärenpark trauern um ihr Rudelmitglied

Auch bei den Artgenossen des verstorbenen Kito besteht ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheiten. (Archivfoto)
Salome MenzlerDer plötzliche Tod von Wolfsrüde „Kito“ bewegt nicht nur die Besucher des Alternativen Wolf- und Bärenparks, sondern auch das verbleibende Rudel. Jetzt leben dort nur noch zwei Wölfe und sie spüren den Verlust von Kito deutlich.
„Es ist natürlich Unruhe drin, das Rudel ist jetzt kaputt“, sagt Projektleiter Raoul Schwarze im Gespräch mit unserer Redaktion. „Es ist ähnlich wie bei uns Menschen, sie trauern auch auf ihre Art.“ Die Tiere hätten zwar gespürt, dass es ihm schlecht ging – ob die beiden Wölfinnen jedoch bereits verstehen, dass Kito gestorben ist, lasse sich nicht genau sagen.
„Am Tag vorher war er noch fit“, berichtet Schwarze. Am Dienstag sei es dann plötzlich ganz schnell gegangen. Als das „auffällige Verhalten“ des Tieres bemerkt wurde, sei er umgehend untersucht worden. Das Resultat war dann ein Schock: Kito litt wohl an einem Milztumor, der gerissen ist – so sammelte sich Blut und Flüssigkeit im Bauchraum. Der Wolf musste noch am selben Abend eingeschläfert werden.
Zuchtwölfe haben ein erhöhtes Krankheitsrisiko
Kitos früher Tod sei eine direkte Folge von Inzucht. „Solche Tiere sind von Anfang an gesundheitlich belastet.“ Bei Wölfen, die etwa für Zoos oder Tierparks gezüchtet werden, bestehe immer ein erhöhtes Risiko für Erbkrankheiten und Tumore. Auch für Kitos Artgenossinnen bedeutet das eine ungewisse Zukunft, die Gefahr schwerer Erkrankungen sei auch bei ihnen groß.

Kira und Kleo trauern um den plötzlichen Verlust ihres Artgenossen. (Archivfoto)
Foto: Salome MenzlerFür die beiden zurückgebliebenen Wölfinnen bedeutet der plötzliche Verlust von Kito nun eine große Umstellung. „Sie müssen lernen, wieder zusammenzufinden, zusammenzuarbeiten und eine kleine Gruppe zu bilden“, erklärt Schwarze. Einen neuen Wolf wolle man derzeit nichts in die Anlage setzen. „Die müssen das erstmal für sich selbst regeln.“
Kito war erst vor anderthalb Jahren zusammen mit seinen Artgenossen Kira, Kleo und Kolja nach Bad Rippoldsau-Schapbach gekommen. Die Tiere stammen ursprünglich aus dem Filmtierpark Eschede in Niedersachsen, wo sie von Hand aufgezogen wurden. Dort sollten sie sich von klein auf an den Menschen gewöhnen – als vermeintlich zahme Wildtiere zum Anfassen.

Nach dem Tod von Kito muss sich das verbleibende Rudel neu ordnen. (Archivfoto)
Foto: Salome MenzlerNach der Insolvenz des Filmtierparks konnten die Wölfe endlich ein annähernd artgerechtes Leben führen: In Bad Rippoldsau-Schapbach kamen sie in einem naturnahen Rückzugsgebiet unter, um von der ständigen Nähe zu Menschen Abstand zu gewinnen.
Alt werden konnte Kito in seinem neuen Zuhause leider nicht. „Vier Jahre sind für einen Wolf überhaupt kein Alter“, bedauert Schwarze. Gesunde Wölfe in Gefangenschaft können bis zu 17 Jahre alt werden.
