Kniebis-Alexanderschanze
: Wie Tiere Heideflächen im Naturschutzgebiet bereichern

Die Weidesaison im Naturschutzgebiet Kniebis-Alexanderschanze startet.
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(red/pm)
Oberndorf
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Heckrinder sind Tiere, die dem ausgerotteten Auerochsen ähneln.

RPK

Ende Mai startet im Naturschutzgebiet Kniebis-Alexanderschanze die Weidesaison. Vier robuste Heckrinder pflegen die Landschaft bis Oktober und schaffen offene, vielfältige Lebensräume – von kurzrasigen Bereichen bis zu artenreichen Säumen. Die beweidete Fläche wächst von 14 auf 17 Hektar. Die Maßnahme wird von Kommune, Naturschutz- und Forstverwaltung umgesetzt und aus Landesmitteln der Landschaftspflegerichtlinie sowie über das Ökokonto der Stadt Freudenstadt finanziert. Das geht aus einer Pressemitteilung des Regierungspräsidiums Karlsruhe hervor.

Wo in den letzten Jahrzehnten dichter Fichtenwald aufwuchs, öffnet sich die Landschaft wieder. Es entsteht ein Mosaik aus lichten Baumgruppen, Sträuchern, blühenden Kräutern, Totholz, sonnenexponierten Steinen und feuchten Bereichen – Strukturen, die vielen spezialisierten Arten Lebensraum bieten. Viele davon sind seit Jahrhunderten an die traditionelle Beweidung der Schwarzwaldflächen angepasst.

Baumpieper-Paar brütet

Ein Beispiel ist der Baumpieper: Er brütet gut versteckt am Boden und sucht seine Nahrung auf kurzrasigen, offenen Flächen – Strukturen, die die Heckrinder durch ihr Äsen schaffen. Hohe Bäume nutzt er als Singwarte. Seit dem Start der Beweidung 2024 brütet wieder ein Baumpieper-Paar im Gebiet, heißt es in der Mitteilung. Auch andere seltene Spezialisten profitieren, etwa Heuschrecken, Nachtfalter, Wildbienen, Fledermäuse, Vögel und Reptilien.

Erfahrungen aus dem angrenzenden Nationalpark Schwarzwald zeigen, dass die stark bedrohte Kreuzotter von Sonnenplätzen in aufgelichteten Wäldern profitiert. Ebenso findet das vom Aussterben bedrohte Auerhuhn Nahrung und Deckung in besonnten Heidelbeerbeständen. Mit der Entwicklung eines lichten „Lichtwalds“ entstehen Heideflächen, die Schmetterlingen, Heuschrecken und Wildbienen als Nahrungs- und Fortpflanzungsstätten dienen.

Hinweise für Besucher

Das Forstamt der Stadt Freudenstadt hat in den vergangenen Jahren Fichten entnommen, um mehr Licht auf den Waldboden zu bringen. 2024 wurden Zäune gebaut und die Weideflächen vergrößert.

Grinden und Heiden können auf Wegen entlang der Weideflächen erwandert werden. Im Naturschutzgebiet gilt: Die Natur hat Vorrang. Besucher sollten auf den Wegen bleiben, Hunde anleinen und Weideübergänge nur durchqueren, wenn keine Rinder in Sichtweite sind, heißt es weiter.

Die Landschaftspflege mit Weidetieren ist aktiver Artenschutz und dient laut Mitteilung der Erhaltung der heimischen Artenvielfalt. Ziel ist es, durch die Beweidung aktiv einen lichten Waldbestand zu entwickeln, wie er jahrhundertelang weit verbreitet war. Seit dem Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert wurden Nutztiere wie Rinder, Schweine, Ziegen und Schafe in den Wald getrieben. Große Pflanzenfresser bringen ökologische Vorteile: Ihr Dung verteilt Nährstoffe mosaikartig und dient spezialisierten Insekten als Nahrung, die wiederum die Lebensgrundlage für viele Vögel sind.

Tiere verbreiten Samen

Zudem verbreiten die Tiere Samen über Dung, Fell und Hufe. Wälzen und Scharren schaffen offene Bodenstellen, auf die zahlreiche Wildbienen als Brutstätte angewiesen sind. Durch Rindenschälen, Scheuern und Verbiss entstehen Risse, Spalten und Totholz – wichtige Strukturen für Käfer, Fledermäuse und Pilze.

Hintergrund

Waldbeweidung mit Heckrindern
Vor ihrer Ausrottung 1627 trugen wildlebende Auerochsen zur Strukturvielfalt in den Wäldern bei. In den 1930er-Jahren züchteten die Gebrüder Heck das Heckrind, das dem Auerochsen in vielen Merkmalen ähnelt. Diese widerstandsfähige Rasse wird seit den 1980er-Jahren in der Landschaftspflege eingesetzt.

Naturschutzgebiet Kniebis-Alexanderschanze
Das 1996 ausgewiesene Naturschutzgebiet ist rund 190 Hektar groß. Es repräsentiert eine historisch gewachsene Kulturlandschaft mit artenreichen Wiesen, Borstgrasrasen, trockenen und feuchten Heideflächen, Gebüschen, Wäldern. Das Gebiet ist Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000.

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