Bergheide auf dem Kniebis: Auch das Auerhuhn soll profitieren

So sieht die neu geschaffene Bergheide im Bereich Rimbach auf dem Kniebis aus.
Waidelich/StadtverwaltungIm Bereich Rimbach auf dem Kniebis wird derzeit wieder eine halboffene Bergheide geschaffen. Damit kehrt nicht nur eine traditionelle Form der Landnutzung im Schwarzwald zurück. Es entsteht auch Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere, schreibt die Stadt Freudenstadt in einer Pressemitteilung.
Die Initiative im Naturschutzgebiet Kniebis-Alexanderschanze ist ein gemeinsames Projekt von Regierungspräsidium Karlsruhe, Landschaftserhaltungsverband (LEV) Landkreis Freudenstadt und Stadt Freudenstadt. Auch ein Waldbesitzer, dem ein angrenzendes Grundstück gehört, schloss sich der Aktion an.
Zahlreiche Fichten werden gefällt
Dabei werden im Stadtwald im badischen Teil des Kniebis zahlreiche Fichten gefällt, deutlich mehr als bei einer üblichen Durchforstung. „Unser Ziel ist es, den früheren Zustand des Gebiets wiederherzustellen. Wir öffnen den Wald, damit Licht auf den Boden fällt. Dafür lassen wir nur einzelne Kiefern und tief beastete Fichten und Tannen stehen“, so Björn Waidelich, Forstbereichsleiter Stadtwald bei der Stadt Freudenstadt. Nach Abschluss des Einsatzes soll die Fläche mit Rindern beweidet werden.
Solche halboffenen Bergheiden, auf denen nur vereinzelt Bäume stehen, prägten früher vielerorts das Landschaftsbild auf dem badischen Kniebis. Sie heißen auch halboffene Heideflächen und befanden sich vor allem auf den Hochlagen. Das zeigt sich auf in der Bezeichnung des betreffenden Gewanns: „Auf der Heide“.
Dichter Wald entstanden
Zeitweise waren sie durch den Wandel in der Landwirtschaft jedoch nahezu komplett verschwunden. Über die zurückliegenden Jahrzehnte hatte sich die Fichte ausgebreitet, es war ein dichter Wald entstanden. „Die Holzqualität ist schlecht. Die Fichten sind sehr astig. Es ist ein hoher Aufwand, die Fläche möglichst reisigfrei zu machen und sie damit für die Beweidung vorzubereiten“, so Waidelich.
Teil eins der Rodung war im Dezember ausgeführt worden, um die Frostzeit zu nutzen. In dieser Zeit ist der Waldboden weniger empfindlich und kann besser mit Maschinen befahren werden, heißt es weiter. Mit dieser Arbeit hatte die Stadt ein regionales Unternehmen beauftragt. Aktuell werden die restlichen Arbeiten ausgeführt.
Fabian Anger, stellvertretender Geschäftsführer des LEV Landkreis Freudenstadt, freut sich auf das Ergebnis: „Viele seltene Tierarten wie der Wendehals oder die Gebirgsschrecke oder das seltene Auerhuhn werden von den Fällungen und der anschließenden Beweidung profitieren.“
Insekten, Reptilien, Fledermäuse und Vögel profitieren
In der Heidelandschaft könne sich eine arten- und strukturreiche Kräuterschicht bilden. Von diesen Pflanzen und dem Dung der Rinder profitierten wiederum Insekten, Reptilien, Fledermäuse und Vögel. Dazu zählen Schmetterlinge, Heuschrecken, Kreuzottern, Waldeidechsen sowie zahlreiche Vogelarten. „Bergheiden sind in vielseitiges Lebensraum-Mosaik“, so Anger.
Die Beweidung erfolgt saisonal von Mai bis Oktober oder November mit „geringem Besatz“. Dazu sollen fünf Heckrinder auf die Bergheide gebracht werden. „Sie sind robust und haben geringe Ansprüche an die Futterqualität.“ Die Fläche gehört zum Naturschutzgebiet Kniebis-Alexanderschanze. Es umfasst auch die FFH-Gebiete „Wilder See – Hornisgrinde“ und „Oberes Murgtal“ sowie das Vogelschutzgebiet Nordschwarzwald. Durch die Aufwertung erhält die Stadt Freudenstadt Ökopunkte, die sie als Ausgleich für andere Eingriffe in die Natur anrechnen lassen kann.