Jugendreferat Loßburg: „Demokratie ist kein Zuschauersport“

Eine Erstwähler-Informationsveranstaltung der Servicestelle für Kinder- und Jugendbeteiligung im Jugendtreff Loßburg
Sonja Müller/Jugendreferat Loßburg„Mir machen die Ausgänge der letzten Wahlen Angst, und die nächsten versprechen keine Besserung“, erzählt Sonja Müller im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie leitet das Jugendreferat in Loßburg und legt in ihrer Arbeit – aus aktuellem Anlass – einen besonderen Fokus auf das Thema Demokratiebildung.
„Demokratie ist nicht selbstverständlich“, erklärt Müller. Das werde mit jeder weiteren Wahl klarer. Dennoch fehle es in der Gesellschaft und auch bei den Kindern und Jugendlichen, mit denen Müller täglich arbeitet, an Wertschätzung eben dieser Demokratie sowie dem Interesse an Politik im Generellen.
Den Kindern könne man dabei laut Müller jedoch keinen Vorwurf machen – schließlich kennen sie es oft schlicht nicht anders. Daher versucht sie mit ihrer Arbeit im Jugendreferat daran zu arbeiten, den Kindern und Jugendlichen das Thema Demokratie und seine Bedeutung näherzubringen.
Mit Kinderrechten bei den Jüngsten anfangen
Wichtig sei dabei vor allem die Grundlagenarbeit. Müller wolle daher mit dem Thema Kinderrechte bei den Jüngsten anfangen. Vielen Kindern sei gar nicht bewusst, dass sie überhaupt Rechte haben – mit fatalen Folgen. Einem Kind, dem sein Recht auf gewaltfreie Erziehung nicht bekannt ist, ist de facto auch nicht bewusst, dass es nicht geschlagen werden darf.
Kürzlich war Müller hierfür mit einer Gruppe 14-Jähriger aus dem Loßburger Jugendtreff beim Radio Freudenstadt zu Gast, um über das Thema Kinderrechte zu sprechen – eine Ausnahme, meint Müller. Oft fühlten sich Jugendliche von dem Begriff „Kinderrechte“ nicht angesprochen, obwohl sie diese ebenfalls betreffen. Der Begriff „Kinder- und Jugendrechte“ wäre hier aus Müllers Sicht angebrachter.
Kindern eine Stimme und ein Mitspracherecht geben
Bei der Suche nach Formaten innerhalb des Jugendreferats habe Müller, wie sie erzählt, sehr freie Hand. Dabei gebe sie allerdings lediglich den Rahmen vor – die konkrete Ausgestaltung übernehmen die Kinder. Dass dabei nicht jede Idee auch automatisch umsetzbar ist, könne man diesen mit etwas Transparenz auch erklären, meint Müller.
Ihr sei vor allem wichtig, dass die Kinder bei allem, was sie selbst betrifft, mitreden und mitgestalten dürfen – auch zuhause. Sie sollen eine Stimme und ein Mitspracherecht bekommen, um an der Gesellschaft teilnehmen und ihren Beitrag zur Demokratie leisten zu können, denn „Demokratie ist kein Zuschauersport“, erklärt Müller. Jeder einzelne müsse seinen Beitrag leisten.
Zwischen Demokratiebildung und Neutralitätsgebot
An die Kinder heranzukommen, bei denen in puncto Demokratiebildung nicht früh genug angesetzt wurde, die sich vielleicht sogar schon radikalisiert haben, ist eine schwierige Aufgabe, für die auch Müller keine Patentlösung hat. Das Neutralitätsgebot, dem Müller unterliegt, vereinfacht die Sache nicht gerade – doch auch dieses habe seine Grenzen.
„Ich muss nicht neutral sein, wenn jemand andere Menschen abwertet“, erklärt Müller. Zwar könne sie keinem Schüler raten, eine bestimmte Partei nicht zu wählen. Was sie jedoch sehr wohl kann, ist konkrete Punkte aus dem Wahlprogramm kritisch zu hinterfragen. Ihre Taktik – etwa wenn sie mal wieder abwertende Sprüche im Schülercafé überhört – ist daher vor allem, mit den Kindern ins Gespräch zu kommen. „Ich darf Stellung beziehen, wenn jemand menschenverachtende Aussagen bringt.“