Handwerkskammer Reutlingen: Mehr Ausbildungsverträge als im Vorjahr – auch im Kreis Freudenstadt?

Die Zahl der Auszubildenden im Friseurhandwerk hat sich von 21 auf 40 fast verdoppelt.
friseurin_stockfotos-mihail-pustovitDas Interesse am Handwerk ist da: Die Handwerkskammer Reutlingen verzeichnete einen leichten Anstieg bei neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen. In den Landkreisen Freudenstadt, Reutlingen, Sigmaringen, Tübingen und Zollernalb seien 641 neue Ausbildungsverhältnisse abgeschlossen worden, schreibt die Handwerkskammer in einer Pressemitteilung. Im Vorjahr seien es 627 Verträge gewesen.
Das entspreche einem Plus von 2,2 Prozent und liege damit deutlich über dem bundesweiten Handwerkstrend von plus 0,4 Prozent sowie dem insgesamt rückläufigen Ausbildungsmarkt in Deutschland.
Bundesweit seien 135.540 neue Ausbildungsverträge im Handwerk geschlossen worden, mehr als 16.000 angebotene Ausbildungsplätze seien jedoch unbesetzt geblieben.
Kein Anstieg im Kreis Freudenstadt
„Im dritten Jahr in Folge steigt die Zahl der neuen Auszubildenden im Handwerk, während die Gesamtwirtschaft rückläufige Zahlen meldet. Trotzdem bleiben im Handwerk immer noch zu viele Ausbildungsplätze unbesetzt und damit Karrierechancen ungenutzt“, wird Christiane Nowottny, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Reutlingen, in der Mitteilung zitiert.
Im Landkreis Reutlingen sei die Zahl der neuen Ausbildungsverträge von 218 auf 223 gestiegen, in Sigmaringen von 94 auf 105 und in Tübingen von 110 auf 120. Im Landkreis Freudenstadt hingegen rückläufige Zahlen: Hier sei die Zahl der neuen Verträge von 92 auf 84 und im Zollernalbkreis von 113 auf 109 zurückgegangen.
Bauberufe legen zu – Klimatechniker werden weniger
Bei den Berufen selbst gebe es ebenfalls Unterschiede. Positiv entwickelten sich unter anderem die Bereiche Bau und Ausbau sowie Elektro und Metall – dort seien die Zahlen von 136 auf 148 beziehungsweise 248 auf 261 gestiegen. Die Gesundheitsberufe hätten ebenfalls zugelegt – von 75 auf 83 Verträge. Die kaufmännischen Berufe seien von 60 auf 66 gestiegen.
Auf der anderen Seite seien bei einigen Berufen deutliche Rückgänge zu beobachten, teilt die Handwerkskammer weiter mit. So gebe es bei den Anlagenmechanikern für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik noch 60 statt 69 neue Auszubildende. Stark rückläufig seien auch die Zahlen bei den Tischlern und Schreinern, bei den Gebäudereinigern, bei den Feinwerkmechanikern sowie bei den Schilder- und Lichtreklameherstellern.
Mehr Abiturienten gehen ins Handwerk
„Gerade in diesen Berufen sehen wir einen hohen Bedarf der Betriebe, der aktuell nicht vollständig gedeckt werden kann“, so Nowottny laut der Mitteilung weiter. Für viele angebotene Ausbildungsstellen würden Betriebe keine geeigneten Bewerber finden.
Die Analyse der Schulabschlüsse mache deutlich, dass das Handwerk im Kammerbezirk Reutlingen junge Menschen mit sehr unterschiedlichen Bildungsbiografien anspreche. Die meisten neuen Auszubildenden verfügten über einen mittleren Bildungsabschluss. Die Zahl der Auszubildenden mit mittlerer Reife liege bei 283 – ein leichter Anstieg. Auch die Zahl der Abiturienten habe zugenommen – und liege nun bei 93. Der Hauptschulabschluss bleibe mit 201 Auszubildenden eine wichtige Basis.
Noch genügend freie Ausbildungsplätze
„Das Handwerk steht allen Schulabschlüssen offen. Dass immer mehr junge Menschen mit mittlerer Reife und Abitur den Weg in eine Ausbildung im Handwerk wählen, ist ein starkes Signal für die Attraktivität unserer Berufe“, so Nowottny.
Die Handwerkskammer Reutlingen unterstützt Jugendliche, Eltern und Betriebe mit einem breiten Beratungsangebot – von der beruflichen Orientierung über die Lehrstellensuche bis zur Begleitung während der Ausbildung. Nowottny: „Wer sich jetzt für eine Ausbildung im Handwerk entscheidet, hat sehr gute Chancen, einen passenden Ausbildungsplatz zu finden – auch noch im Sommer.“