Gartenschau Freudenstadt-Baiersbronn: Rotarier pflanzen „Klima-Allee“

Einzigartiges Klima-Projekt bei der Gartenschau: Ralf Braun (von links), Joachim Haist, Adrian Sonder, Klaus Brodbeck, Cornelia Möhrlen und Gerhard Simon.
Jens HagenAllein im Nationalpark Schwarzwald ragen geschätzt vier Millionen Bäume in den Himmel. Nicht wenigen sieht man heute schon an, dass sie dem Klimawandel nicht dauerhaft standhalten werden. Ihnen wird es zu warm und Starkregen und Stürme bringen die Bäume zusätzlich in Not.
Kommt bald der Blasenbaum?
Reine Monokulturen aus Weißtanne und Fichte, die heute noch den größten Teil des Bewuchses im Schwarzwald ausmachen, werden wohl anderen Baumarten weichen müssen, die widerstandsfähiger sind und Hitze besser wegstecken können.
Doch welche sind das? Vielleicht der Südliche Zürgelbaum? Der Blasenbaum oder die Hopfenbuche? Die Amerikanische Linde oder der Amberbaum? Sorten, die dem Laien kaum bekannt sind. Zwei Dutzend solcher im Schwarzwald noch nicht sehr heimischen Baumsorten wurden auf dem Gelände der am 23. Mai öffnenden Gartenschau im „Tal X“ zwischen Freudenstadt und Baiersbronn gepflanzt. Sie bilden mit 35 Bäumen eine „Klima-Allee“. „Sie sollen zeigen, welche Sorten ganz konkret hier bei uns funktionieren – und welche nicht“, berichtet Gartenschau-Geschäftsführerin Cornelia Möhrlen.
Das Klima-Projekt wird wissenschaftlich begleitet
Ausgesucht wurden die vor allem aus Osteuropa stammenden Sorten von Nico Züfle, Leiter der Baiersbronner Gemeindegärtnerei. Er und sein Team werden sich um den Wuchs der „Neuankömmlinge“ kümmern, das Projekt soll wissenschaftlich begleitet werden. Nach dem Ende der Gartenschau bleiben die Testbäume natürlich stehen. Es handelt sich vor allem um Laubbäume, die im Herbst, wenn die Schau am 12. Oktober schließt, in vielerlei Gelb-, Orange- und Rottönen leuchten sollen.
Als Baumpaten für das umfangreiche Vorhaben wurden die Rotarier gewonnen, freuen sich Cornelia Möhrlen und die Rathauschefs aus Freudenstadt, OB Adrian Sonder und Baiersbronns Bürgermeister Michael Ruf. Zum einen steuert der Rotary Club Freudenstadt 8000 Euro bei. Zum anderen machen die beiden übergeordneten Rotary-Distrikte 1830 und 1930, die mit ihren zusammen 124 regionalen Clubs ganz Baden-Württemberg abdecken, jeweils 16 000 Euro locker. „Damit sind die Rotarier einer unserer Top-Sponsoren“, weiß Geschäftsführerin Möhrlen.

35 neue Bäume wurden von Rotary finanziert.
Foto: Jens Hagen„Wir fühlen uns bei Rotary der Nachhaltigkeit verpflichtet und das Projekt auf der Gartenschau passt da ganz ausgezeichnet. Klimaanpassung wird als Thema immer wichtiger“, schildert Klaus Brodbeck, Governor des Distrikts 1930. Sein Kollege Gerhard Simon vom Distrikt 1830 ergänzt: „Dass zwei Rotary-Distrikte ein gemeinsames Projekt unterstützen, ist eher ungewöhnlich und zeigt, wie sehr wir hinter der Aktion stehen. Wir hoffen, dass mit der Klima-Allee wichtige Erkenntnisse für unser aller Zukunft gewonnen werden können.“

Die Rotarier der Distrikte 1830 und 1930 packen mit an.
Foto: Jens HagenHunderttausende Besucher
Joachim Haist, Präsident des Rotary Clubs Freudenstadt und sein Vorgänger Ralf Braun jubeln, dass ein so großes Vorhaben in ihrem Wirkungsbereich möglich wurde: „Hunderttausende Besucher werden die Klima-Allee durchschreiten und sehen, welche neuen Baumarten vielleicht unsere forstwirtschaftliche Zukunft sein könnten“, sagt Haist. Gemeinsam mit den anderen Rotariern nagelten sie vor Kurzem Hinweistafeln zu den Baumsorten und der Rotary-Unterstützung an die Schutz-Umrandung der 35 Bäume.
Von einem „außergewöhnlichen Engagement“ spricht Oberbürgermeister Sonder. „Rotary übernimmt Verantwortung mit diesem Baum-Projekt. Klimawandel-Anpassung ist das Thema unserer Zeit und unsere Region hier ist prädestiniert, sich darum zu kümmern und Vorreiter zu sein, um Lösungen zu finden“. Er dankte den Rotariern für den „starken Einsatz auf der Gartenschau“.
Auftritt bei der Welt-Konferenz
Das 35-Bäume-Projekt wird im Sommer auch viele Rotarier aus anderen Ecken des Landes anlocken, wenn Mitte Juni ein Familientag für alle Clubs in Freudenstadt angeboten wird. Und es könnte gar weltweiten Nachhall erfahren: Bei der kommenden Weltkonferenz im kanadischen Calgary soll das Vorhaben international vorgestellt werden, kündigt Klaus Brodbeck an.
