Entdeckung im Nationalpark
: Was Kretschmann und sein Bärtierchen gemeinsam haben

Ministerpräsident Winfried Kretschmann teilt nun seinen Namen mit der neu entdeckten Bärtierchen-Art „Ramazzottius kretschmanni“. Doch was haben die beiden noch gemeinsam?
Von
Carolin Schöffler
Oberndorf

Von links: Professor Ralph Schill, Zoologe von der Universität Stuttgart, Charly Ebel, Fachbereichsleiter der Besucherinformation beim Nationalpark Schwarzwald, Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit einem 3D-Modell des „Ramazzottius kretschmanni“ und die stellvertretende Nationalparkleiterin Britta Böhr.

Carolin Schöffler

Ministerpräsident Winfried Kretschmann konnte am Donnerstag die nach ihm benannte Bärtierchen-Art „Ramazzottius kretschmanni“ im Nationalparkzentrum Ruhestein an der Schwarzwaldhochstraße besser kennenlernen – und dabei auch eine Gemeinsamkeit feststellen.

Weltweit wurde diese Art erstmals im Nationalpark Schwarzwald durch Professor Ralph Schill, Zoologe von der Universität Stuttgart, entdeckt und nach Kretschmann benannt, um dessen Engagement für Artenschutz und Biodiversität zu würdigen.

In der Umgebung des Wilden Sees, bei den Allerheiligen-Wasserfällen und in bis zu 20 Metern Höhe auf zwei Weißtannen im Bereich des Nationalparkzentrums, fand Schill insgesamt 28 Bärtierchen-Arten in Moosen – darunter auch „Ramazzottius kretschmanni“ sowie drei weitere bisher unbekannte Arten.

Aussehen der „Ramazzottius kretschmanni“

Doch wie sieht so ein Bärtierchen eigentlich aus? Optisch ähneln sie laut Schill einem Gummibärchen. Während andere Bärtierchen jedoch meist weiß oder transparent sind, trägt die gerade mal 400 Mikrometer große Art „Ramazzottius kretschmanni“ ein auffälliges rot-beiges Fleckenmuster und Klauen.

Kretschmann konnte sich bei seinem Besuch mittels Binokular mit eigenen Augen ein Bild seiner Namensvetter machen. Von Charly Ebel, Fachbereichsleiter der Besucherinformation beim Nationalpark Schwarzwald, bekam Kretschmann zudem ein 3D-Modell seines Namensvetters überreicht.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann konnte die nach ihm benannte Bärtierchen-Art „Ramazzottius kretschmanni“ unter dem Binokular beobachten.

Foto: Carolin Schöffler

Dennoch sind die „Gummi-Bärtierchen“ nicht zu unterschätzen. Bärtierchen können nicht nur Temperaturen von -200 bis 100 Grad Celsius überstehen, sondern auch in einen „Dornröschenschlaf“ fallen, in dem sie biologisch eigentlich als tot gelten.

Möglich ist dies, durch den unkaputtbaren „Tönnchenzustand“, in dem die Tiere austrocknen und zusammenschrumpfen. In diesem Zustand erinnerten sie dann eher an einen zerknautschten Staubsaugerbeutel oder ein Brötchen, so Schill.

Echte Überlebenskünstler

Immerhin, dieses Brötchen kann in diesem Zustand ganze 20 Jahre verharren und überlebte sogar schon einen Flug ins All, trotz Vakuum und ohne Schutzanzug. Bei Wasserzutritt plustert sich das Tierchen einfach wieder auf und ist genauso jung, wie vor seinem Dornröschenschlaf.

Diese Besonderheit könnte in der Konservierung von Lebensmitteln, in der Biomedizin und der Raumfahrt von großem Nutzen sein.

Die Tierchen entpuppen sie also als echte Überlebenskünstler. Das hätten sie auch mit ihrem Namensgeber gemeinsam. „Wir müssen alle Krisen überstehen“, sagte Kretschmann im Gespräch mit unserer Redaktion.

„Ich habe auch schon welche überstehen müssen, allerdings natürlich nicht so heftige, wie das Bärtierchen“, ergänzt er lächelnd.

Ehre und Auszeichnung für Kretschmann

Die Bärtierchen machen ihrem Namensvetter also alle Ehre. Doch was hält Kretschmann selbst davon, dass er seinen Namen nun mit den Bärtierchen teilt? „Also erstmal ist es für mich eine große Ehre und Auszeichnung“, erklärt der Ministerpräsident und studierter Biologe im Gespräch mit unserer Redaktion.

„Was großartigeres kann einem als Biologe natürlich nicht passieren und deswegen ist das etwas, das mich sehr berührt.“

Wo leben eigentlich die Bärtierchen?

99 Arten
In Deutschland sind nach aktuellem Stand insgesamt 99 Bärtierchen-Arten bekannt. Davon leben 91 Arten in Moosen und acht Arten in der Nord- und Ostsee. Spitzenreiter
Mit 80 nachgewiesenen Arten steht Baden-Württemberg bundesweit an der Spitze. Damit leben rund 88 Prozent aller in Deutschland bekannten Bärtierchen-Arten im Südwesten.

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