Ein Leben lang verbunden: Alpirsbacher Zwillinge feiern 90. Geburtstag

Die Zwillingsbrüder Reinhard Heinzel (links) und Werner Heinzel
Bürgermeisteramt Alpirsbach- Eineiige Zwillinge Werner und Reinhard Heinzel feierten ihren 90. Geburtstag in Alpirsbach.
- Bürgermeisterin Vanessa Schmidt gratulierte und überreichte eine Urkunde des Ministerpräsidenten.
- Reinhard arbeitete bei Hetal und ist bis heute musikalisch aktiv, unter anderem als Organist.
- Werner war Schreiner und Berufsschullehrer; er spielte lange in Kantorei und Kammerorchester.
- Beide verbindet Musik und Nachbarschaft – sie berichten von vielen zufälligen Zwillingsmomenten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Anfang September feierten Werner und Reinhard Heinzel ihren 90. Geburtstag. Sie sind eineiige Zwillinge. Im Nachgang zum Ehrentag überbrachte Bürgermeisterin Vanessa Schmidt die Glückwünsche der Stadt Alpirsbach sowie persönliche Grüße, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt Alpirsbach. Sie überreichte auch eine Glückwunschurkunde des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg.
Geboren und aufgewachsen sind die Brüder in Altwasser in Niederschlesien. Schon bei ihrer Geburt sorgten sie für einen besonderen Moment: Der Arzt soll ihrem Vater mit den Worten „Sei stark, da kommt noch einer!“ die Nachricht über den zweiten Sohn überbracht haben.
1950 wurde die Familie aus Polen ausgewiesen. Über verschiedene Stationen, unter anderem Balingen und Seedorf, führte ihr Weg 1959 schließlich nach Alpirsbach.
Zwei Lebenswege, eng miteinander verbunden
Beruflich schlugen die Brüder unterschiedliche Wege ein. Reinhard absolvierte in Schramberg bei der Firma Kneißler eine Ausbildung zum Konstrukteur und Feinmechaniker. Anschließend wurde er von der Firma Hettich, einem Hersteller von Scharnieren und Beschlägen, abgeworben. Das Unternehmen firmierte später unter Hetal in Alpirsbach, wo Reinhard bis zu seinem Ruhestand tätig war. Auch danach blieb er handwerklich aktiv und richtete sich eine Werkstatt ein, in der er sich bis heute dem Geigenbau widmet.
Werner erlernte in Seedorf das Schreinerhandwerk. Nach seiner Ausbildung wechselte er zum damaligen Kühlmöbelbau Buchholz in Schramberg und war zunächst häufig auf Montage unterwegs. Später unterrichtete er rund 30 Jahre an der Berufsschule in Freudenstadt. Eigentlich hätte er gerne denselben Ausbildungsweg wie sein Zwillingsbruder eingeschlagen, doch damals war keine entsprechende Stelle mehr frei.
Wohnen in unmittelbarer Nachbarschaft
Auch in ihrem Privatleben gibt es viele Gemeinsamkeiten. Beide Brüder begannen 1963 gleichzeitig mit dem Hausbau. Ursprünglich hatten sie geplant, direkt nebeneinander Doppelhaushälften zu errichten. Dieser Wunsch ließ sich zwar nicht verwirklichen, dennoch wohnen sie seit jeher in unmittelbarer Nachbarschaft.
Reinhard heiratete 1963 seine Frau, die aus Niedersachsen stammte und die er bei seiner Arbeit bei Hettich kennengelernt hatte. Aus der Ehe gingen zwei Söhne und eine Tochter hervor. Heute gehören sieben Enkelkinder und ein Urenkel zur Familie. Seine Frau ist bereits vor 16 Jahren verstorben.
Werner heiratete zwölf Jahre nach seinem Zwillingsbruder – einer der wenigen Unterschiede zwischen den beiden. Seit 51 Jahren ist er nun verheiratet und lebt mit seiner Frau noch immer in dem Haus, das er selbst gebaut hat. Ihr gemeinsamer Sohn ist mit einer Französin verheiratet und lebt mit seiner Familie in der Bretagne. Zwei Enkelkinder gehören zur Familie.
Die Musik als verbindendes Element
Eine besondere Rolle spielt bei beiden Jubilaren die Musik. Die Brüder stammen aus einer sehr musikalischen Familie und musizierten schon früh gemeinsam. Reinhard spielt seit seinem siebten Lebensjahr Orgel, Bratsche und Cello. Seit mehr als 65 Jahren engagiert er sich ehrenamtlich in der Kirche. Er spielt überwiegend Orgel in Reutin und vertritt gelegentlich in der Klosterkirche Alpirsbach. Darüber hinaus leitete er mehr als 35 Jahre lang verschiedene Chöre, zeitweise in Loßburg und im Kirchenchor Reutin. Viele Jahre war er Konzertmeister beim Collegium Musicum Oberndorf. Auch heute ist er musikalisch kreativ und schreibt beziehungsweise komponiert Noten, unter anderem für Chöre in Loßburg und Rexingen.
Werner erlernte Geige und Bratsche. Über viele Jahre ist er in der Kantorei aktiv und leitete lange Zeit den Spielkreis der Senioren der Volkshochschule in Freudenstadt. Bis zur Corona-Pandemie musizierte er zudem im Kammerorchester Oberndorf, in dem er auch als Vorstand tätig war.
Während Reinhard früher gerne weitere Reisen unternahm, beispielsweise nach Schottland und in die USA, bevorzugte Werner Urlaube im Allgäu. Heute beschäftigen sich beide gerne mit der Arbeit im Garten und rund um ihre Häuser.
Eine besondere Verbindung mit vielen heiteren Geschichten
Dass eineiige Zwillinge eine besondere Verbindung haben, zeigt sich laut Pressemitteilung bei Werner und Reinhard immer wieder. Auf die Frage von Bürgermeisterin Schmidt, wie es denn sei, als Zwillinge durchs Leben zu gehen, berichteten die Brüder von zahlreichen gemeinsamen Erlebnissen und kuriosen Zufällen. Gestritten hätten sie sich nach eigener Aussage nie. Einmal trafen sie sich zufällig in der Wilhelma, ohne vorher voneinander zu wissen, dass beide den Tierpark besuchen wollten. Ein anderes Mal kauften sie unabhängig voneinander dieselben Sportschuhe – einer in Stuttgart, der andere in Freiburg. Und sogar einen Bluterguss hatten sie einmal gleichzeitig.
Für Verwechslungen sorgten die beiden ebenfalls regelmäßig. Einmal kehrte Reinhard mit seiner Frau in einem Gasthaus ein. Als später Werner mit seiner Frau das Lokal betrat, soll der Wirt ungläubig bemerkt haben, nun komme Reinhard mit einer anderen Frau zurück. Auch Werners Kennenlernen seiner späteren Frau Gertrud ist eng mit der Zwillingsgeschichte verbunden. Bei einem Treffen im Umfeld des Orchesters in Oberndorf hatten sich die beiden gut unterhalten und auf Anhieb verstanden. Als Gertrud eine Woche später wieder zur Probe kam, erkannte der vermeintliche Werner sie überraschenderweise nicht wieder. Die Erklärung folgte schließlich: Bei der zweiten Begegnung traf sie auf den Zwillingsbruder Reinhard.
Gemeinsam ins neue Lebensjahrzehnt
Ihren besonderen Geburtstag verbrachten Werner und Reinhard gemeinsam und genossen einen schönen Tag. Ein größeres Fest mit Familie und Freunden ist geplant. Organisiert wird es von Werners Sohn – als gemeinsame Feier für beide Jubilare. Reinhard durfte sich außerdem über ein besonderes Geschenk seiner Kinder freuen: einen dreitägigen Aufenthalt in Mittenwald, den er gleich am darauffolgenden Wochenende gemeinsam mit der Familie einlöste. Der Ort ist weit über die Grenzen Deutschlands hinaus für seine lange Tradition im Geigen- und Streichinstrumentenbau bekannt.

