Doppeljubiläum in Dornstetten
: Heimat- und Museumsverein weiter im Aufwind

Mit einer fröhlichen Weinprobe und einem großen Museumsfest wurde in Dornstetten das Doppeljubiläum 70 Jahre Heimatmuseum und 40 Jahre Heimat- und Museumsverein gefeiert.
Von
Waltraud Günther
Dornstetten
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Blick in die gute Stube im Heimatmuseum mit einer Ausgabe des Schwarzwälder Boten von 1960

Wohnkultur: Blick in die gute Stube im Heimatmuseum mit einer Ausgabe des Schwarzwälder Boten von 1960

Waltraud Günther
  • Doppeljubiläum in Dornstetten: 70 Jahre Heimatmuseum und 40 Jahre Museumsverein gefeiert.
  • Weinprobe eröffnete das Wochenende, am Denkmaltag gab es Infos und Sonderführungen.
  • Besucher erkundeten Eiskeller, Kellerräume und den längsten Wehrgang Nordwürttembergs.
  • Verein wächst: Bürgermeister lobt Engagement, bis abends werden 130 Mitglieder erwartet.
  • Museum: Gründung durch Spendenaufruf 1956, seit 1992 im Fruchtkasten, Eintritt frei.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Nachdem am Vorabend das Festwochenende mit der Verkostung edler Württemberger Weine eröffnet worden war, standen am Sonntag, dem bundesweiten Tag des offenen Denkmals, Informationen und besondere Führungen durch das Dornstetter Heimatmuseum im Mittelpunkt.

Neben den stets zugänglichen Sammlungen konnten die zahlreichen Besucher auch Eiskeller, Kellerräume, Magazine und vor allem den längsten Wehrgang Nordwürttembergs erkunden. Wer dabei verstaubte Exponate und langwierige Vorträge erwartet hatte, wurde bei den fortlaufend angebotenen Rundgängen aufs Angenehmste überrascht. Mehrere hoch motivierte Museumsführer präsentierten begeistert die Museumsschätze. Zudem war das große Haus vom untersten Keller bis zum im Spitzgiebel untergebrachten Magazin von vielen Helfern zuvor auf Hochglanz gebracht worden.

Diese positive Energie übertrug sich spürbar auf die Festbesucher. Zwei Freundinnen aus Freudenstadt waren so angetan, dass sie spontan dem Heimat- und Museumsverein Dornstetten, Glatten, Schopfloch und Waldachtal beitraten.

Auch Bürgermeister Bernhard Haas zeigte sich über die Vereinsentwicklung erfreut: „Ich freue mich sehr darüber, dass der Verein in letzter Zeit so einen Aufwind erfahren hat. Es ist unglaublich, was die rührige Mannschaft um Andreas Ammer alles auf die Beine stellt.“

Der KreisLetter
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Vereinsvorsitzender Andreas Ammer (rechts) mit interessierten Besuchern

Vereinsvorsitzender Andreas Ammer (rechts) mit interessierten Besuchern

Waltraud Günther

Bei den Führungen zeigte sich, dass dies tatsächlich allerhand ist. Auf zwei Etagen machen alte Exponate Wohnkultur, religiöses Leben, Ämter und Verkehrswesen in Dornstetten erlebbar; breiten Raum nehmen alte Berufe und Handwerke ein. Ein alter Schulsaal, historische Kücheneinrichtungen, alte Instrumente oder Kommoden mit Geheimfach laden zum Verweilen ein – und inspirierten die Besucher am Sonntag dazu, eigene Erinnerungen beizusteuern. Angesichts einer Aussteuertruhe erinnerte sich ein Besucher, dass früher vor Hochzeiten gefragt wurde: „Was hat se? Was bringt se mit? Was kaa se?“

Auch Andreas Ammer, der schon als Schüler im Verein aktiv war, war bei seinen Führungen die Freude über das gelungene Fest anzumerken. Der Vereinsvorsitzende lobte er die tatkräftige Unterstützung seiner Mitglieder und „die gute Basis, die unser langjähriger Museumsleiter Peter Rauschenberger geschaffen hat“.

Die Besucher konnten am Sonntag auch den längsten Wehrgang Nordwürttembergs erkunden.

Die Besucher konnten am Sonntag auch den längsten Wehrgang Nordwürttembergs erkunden.

Waltraud Günther

Die Besucher ließen sich am Festwochenende von der Begeisterung der Ehrenamtlichen anstecken. So ließen sich viele durch den Wehrgang führen, stiegen die 25 steilen Stufen hinunter in den kühlen ehemaligen Linde-Eiskeller oder besichtigten den tiefen, engen Keller unter der Zehntscheuer. Wer wollte, wurde danach mit schwäbischen Spezialitäten verwöhnt, Vereinsmitglieder waren mit Traktor und Holzbackofen angereist und backten vor dem Museum Dinnele. Dazu wurde aus alten Mostkrügen „Kirchplatzmost“ aus Dornstetter Äpfeln ausgeschenkt.

Kirchplatzmost

Roman Günther und Gisela Stahl am Moststand

Waltraud Günther

Über die gelungene Veranstaltung freute sich auch der stellvertretende Vorsitzende Roman Günther: „Wir sind jetzt 120 Mitglieder, bis heute Abend rechne ich mit 130“, gab er sich zuversichtlich. Seit einigen Jahren sei es gelungen, junge Mitglieder für den Verein zu gewinnen und so das Fest zu stemmen, ergänzte Vorsitzender Ammer. So wurde das Doppeljubiläum zu einem Festtag mit interessanten Einblicken in die Geschichte, mit Erinnerungen an vergangene Zeiten und vielen Begegnungen in einer gemütlichen Atmosphäre.

Museum und Verein

Das Heimatmuseum in Dornstetten verdankt seine Entstehung einem Aufruf an die Bevölkerung. 1956 riefen Rektor Karl Bohn und Bürgermeister Georg Feuerbacher dazu auf, alte Gegenstände zu spenden. Die Resonanz war groß, und die Sammlung erhielt eigene Räume im städtischen Gebäude „Ochsen“, heute Teil des Rathauses. Als Aufgabenbereiche wurden das  Sammeln, Bewahren, Forschen und Vermitteln definiert. Wegen Raumnot musste das Museum 1975 in das ehemalige Kaufhaus Hegel am Marktplatz umziehen, das heute das Puppenmuseum beherbergt. Zwei große Schaufenster ermöglichten dort erstmals Einblicke in die Sammlung. Die 1980 begonnene Veranstaltungsreihe „Das lebendige Volkskundemuseum“, bei der altes Handwerk und historische Gegenstände wieder erlebbar gemacht wurden, entwickelte sich zu einem Schwerpunkt der Museumsarbeit. Ein Meilenstein war 1992 der Umzug in den Fruchtkasten. Der weitere Ausbau des Museums im zweiten Dachgeschoss erfolgte ab 1996 unter Federführung von Gustav Kühner, der dem Museum seine wertvolle paläontologische Sammlung als Dauerausstellung überließ. Heute verfügt das Heimatmuseum über rund 800 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Die historischen Exponate werden in thematischen Einheiten präsentiert. Seit 2004 ist das Museum rechtlich der Dornstetter Tourist-Info angegliedert. Kraft Amtes übernimmt deren Leitung zugleich die Museumsleitung. Als Vorsitzender und Motor des Museumsvereins hat Andreas Ammer die Museumsaufsicht übernommen. Geöffnet ist mittwochs, freitags und sonntags von 14 bis 16.30 Uhr, der Eintritt ist frei.

Der Heimat- und Museumsverein Dornstetten, Glatten, Schopfloch und Waldachtal wurde 1986 gegründet, um die Heimat- und Lokalgeschichte der vier Gemeinden zu bewahren und fortzuschreiben sowie historische Zeugnisse aller Art zu sammeln. Die Fachabteilungen Planung, Technik und Archiv bilden dabei wichtige Arbeitsbereiche. Ob Aufsichten und Führungen, finanzielle Zuschüsse, Konzeption und Aufbau von Sonderausstellungen, Teilnahme an historischen Umzügen oder zahlreiche weitere Aufgaben: Die Ehrenamtlichen unterstützen die Arbeit des Heimatmuseums seit 40 Jahren tatkräftig. In den vergangenen Jahren erarbeitete der Verein verschiedene Sonderausstellungen im Heimatmuseum, beteiligte sich an den Vorbereitungen zur Dornstetter 1250-Jahr-Feier sowie am Ergänzungsband des Heimatbuchs Dornstetten und am Heimatbuch Schopfloch. Auch an verschiedenen Jubiläumsumzügen nahm der Verein teil – unter anderem als landwirtschaftliche Laufgruppe und als „Hohe Gerichtsbarkeit“. Künftig ist außerdem eine Beteiligung beim Aufstellen des Maibaums geplant. Jeden ersten oder zweiten Mittwoch im Monat findet ab 17 Uhr der Museumshock in der Museumsbrauerei statt.