Doku in Freudenstadt: Film einer Dornstetterin begleitet den Alltag einer palästinensischen Familie

„Those Who Are Left“ wird im Subiaco-Kino in Freudenstadt gezeigt.
Filmakademie Baden-WürttembergIm Westjordanland in den von Israel besetzten Gebieten gehört der Tod zum Alltag. Diese bittere Realität hat Laura Hornberger während ihres Auslandssemesters vom Februar bis zum August 2023 hautnah miterlebt.
Die Region habe sie eigentlich schon immer interessiert, sagt die Studentin der Filmakademie in Ludwigsburg. Von ihrer Naivität sei sie aber doch überrascht gewesen. Von Normalität gab es keine Spur: israelische Soldaten standen überall, an Checkpoints musste sie stundenlang warten – kontrolliert wurden meist nur die Palästinenser. Die menschenrechtliche Situation vor Ort sei deutlich schlimmer gewesen, als sie es aus den westlichen Medien erfahren habe.
Eine Situation, die viele Menschen verzweifeln lassen würde. Doch was hat Hornberger getan? Sie hat ihre Kamera eingepackt und ist mit Jonathan Brunner, ihrem Kommilitonen, losgezogen, um das Leben der Menschen im Westjordanland festzuhalten.
Familie gibt tiefe Einblicke
An der Universität haben die beiden Ahmed kennengelernt, sich gut mit dem Palästinenser angefreundet. Irgendwann erzählt Ahmed dann von seinem guten Freund Omar, der von israelischen Sicherheitskräften erschossen wurde. Omars Schicksal nimmt sie mit.
Später lernen sie Omars Familie kennen, seine Mutter, seinen Bruder und seine kleine Schwester. Die tragische Geschichte hinterlässt auch bei Hornberger und Brunner Spuren. Fortan begleiten sie die Familie mit der Kamera, leben mehrere Monate in einem Geflüchteten-Camp bei Bethlehem und filmen sie, mit ihrem Einverständnis, in intimen Momenten der Trauer.

Laura Hornberger bei den Dreharbeiten im Westjordanland
Foto: Jonathan BrunnerDie Menschen würden ganz anders mit dem Tod umgehen, erzählt Hornberger – ganz anders als in Europa. Omars Tod wurde glorifiziert, teils sei er auch als Märtyrer gefeiert worden. Die Mutter besuchte jeden Tag das Grab. „Seine Mutter hat versucht, seinem Tod einen größeren Sinn zu geben“, glaubt Hornberger.
Das Ergebnis ihres Auslandsaufenthalts und er Zeit mit Omars Familie ist ein 24-minütiger Dokumentarfilm: „Those Who Are Left“, auf Deutsch etwa „Die, die zurückbleiben“. Es sei kein journalistischer Film, die Familie werde nicht interviewt, erklärt sie. „Wir wollten das Leben dort abbilden, so wie es ist, ohne viel zu fragen.“
Dem Krieg in Gaza knapp entgangen
Den Krieg im Gazastreifen hat Hornberger nicht miterlebt. Sie ist zwei Monate vorher wieder nach Deutschland abgereist. Sie pflegt aber immer noch engen Kontakt zu den Menschen im Westjordanland. Und will auch irgendwann wieder dorthin zurückkehren.
Der Gaza-Krieg habe sich sehr negativ auf die Menschen im Westjordanland ausgewirkt, berichtet sie. Viele hätten ihre Jobs verloren. Mit dem aktuellen Waffenstillstand habe sich die Situation normalisiert, berichtet sie.
„Ich finde es aber schwer, das normal zu nennen. Vor dem Gaza-Krieg war das schon alles andere als normal, was dort passiert.“ Es habe schöne Momente gegeben während ihres Aufenthalts, sagt sie, „das tägliche Unrecht dort zu sehen, war für uns beide aber sehr abnormal.“
Ihr Film „Those Who Are Left“ ist am Donnerstag, 29. Januar, um 19 Uhr im Subiaco in Freudenstadt zu sehen. Für Hornberger, die aus Hallwangen stammt, ist dies eine Möglichkeit, die Perspektive der Menschen im Westjordanland auch in ihrer Heimat zu zeigen.
Am Abend der Vorstellung wird sich auch vor Ort sein und Fragen beantworten. Ihr Aufenthalt im Westjordanland habe ihre Sicht auf die Weltpolitik verändert. Sie frage sich oft, wie ernst die Menschenrechte überhaupt noch genommen werden. „Die Zeit dort hat wirklich sehr viel mit mir gemacht.“