Bahn und Bundesstraße 294 dicht: Droht ein Chaos-Herbst im oberen Kinzigtal?

Durch das Kinzigtal führt die nach dem Tal benannte Bahnlinie und die B 294, teilweise auch direkt nebeneinander her wie zum Beispiel in der Innenstadt von Alpirsbach. Im Herbst könnten beide Strecken gesperrt werden.
Werner HeringVor rund drei Wochen hat die Deutsche Bahn bestätigt, dass im Herbst eine großangelegte Sperrung auf der Kinzigtalbahn geplant ist. Drei Brücken sollen abgerissen und neu gebaut werden. Vom 28. August bis zum 26. Oktober werden deshalb auf der Strecke zwischen Freudenstadt und Schiltach keine Züge fahren.
Für Bahnreisende bedeutet das: Sie müssen auf den Schienenersatzverkehr umsteigen – also auf Busse. Alleine das dürfte bei vielen Passagieren nicht unbedingt auf Begeisterung stoßen. Doch wie sich jetzt zeigt, könnte es noch schlimmer kommen. Denn voraussichtlich werden die Busse gezwungen sein, eine Umweg zu fahren.
Der Grund: Praktisch zeitgleich soll auch ein Teil der durch das Kinzigtal führenden Bundesstraße B 294 gesperrt werden. Das bestätigt nun das Regierungspräsidium auf Anfrage unserer Redaktion.
Vieles ist noch unklar
So ist laut einer Sprecherin auf der B 294 eine Fahrbahndeckenerneuerung zwischen Alpirsbach und Loßburg in mehreren Abschnitten geplant. „Der erste Abschnitt ist für die Zeit nach den Sommerferien 2026 vorgesehen“, schreibt die Sprecherin.
Wo sich dieser Abschnitt befindet, wann die anderen Abschnitte angegangen werden und wie lange das ganze dauern soll: alles noch unklar. „Für die weiteren Abschnitte, wie auch für die Maßnahmen, die in diesem räumlichen Zusammenhang stehen, finden in nächster Zeit Abstimmungsgespräche mit allen Beteiligten statt. Hierbei stehen noch die finalen Festlegungen zu Ausführungszeiträumen aus“, heißt es dazu vom Regierungspräsidium.
Umweg für Autos und Schienenersatzbusse
Somit bleibt vorerst auch offen, wo die Umleitungsstrecken verlaufen und welche Verzögerungen sich durch die Sperrung für Autofahrer, Lastwagen und eben auch die Schienenersatzbusse ergeben.
Klar ist: Würden die Sperrungen zeitlich versetzt stattfinden, könnten zumindest manche Autofahrer während der Straßensperrung auf den Zug umsteigen. Und umgekehrt könnten während der Gleissperrung mancher Bahnreisende alternativ das Auto nutzen. Finden beide Sperrungen aber gleichzeitig statt, sind solche Verlagerungen jedoch kaum zu warten.
So stellt sich also die Frage: Warum wurde das so geplant? Warum finden beide Sperrungen praktisch zeitlichgleich statt? Zumindest das Regierungspräsidium ist sich keiner Schuld bewusst. Denn offenbar weiß die Behörde aktuell noch gar nichts von der Sperrung auf der Kinzigtalbahn. „Aktuell bekannt ist uns, dass die Deutsche Bahn Sperrungen im Bereich Kinzigtal in 2027 plant“, schreibt die Sprecherin.
Spätestens jetzt ist die Verwirrung perfekt. Wie kommt das Regierungspräsidium auf das Jahr 2027? Ist der Bahn ein Fehler unterlaufen? Wurde die Maßnahme verschoben? Unsere Redaktion hat noch mal bei der Bahn nachgefragt.
Das Ergebnis: Ein Fehler liegt nicht vor. Die Sperrung 2026 kommt wirklich. Aber: Auch für den Herbst 2027 sei eine längere Sperrung auf der Kinzigtalbahn geplant, kündigt die Bahn an. Noch ist aber unklar, wie lang die Sperrung dauern wird und welcher Streckenabschnitt betroffen ist. „Zu allen Details wird die Bahn rechtzeitig vorher ausführlich informieren“, schreibt eine Sprecherin.
Nur wenig Spielraum
Doch zurück zum Herbst 2026. Woran liegt es, dass das Regierungspräsidium von dieser Sperrung der Kinzigtalbahn nichts weis? Danach gefragt erklärt die Bahn-Sprecherin: „Es gibt keinen Prozess, dass man das Regierungspräsidium am Anfang gleich einbindet.“
In der Regel werde die Behörde erst informiert, wenn der Schienenersatzverkehr geplant werde und damit spätestens 28 Tage vor der Sperrung. Allerdings betont die Sprecherin, dass das dann der letztmögliche Termin sei. Oft fänden die Absprachen auch schon deutlich früher statt.
Laut eigenen Angaben hat die Bahn aber auch nur wenig Spielraum, ihr Streckensperrungen zu verschieben. „Wir versuchen uns möglichst gut abzustimmen, aber es bestehen auch immer gewisse Zwänge“, erklärt die Sprecherin. „Manche Dinge müssen wir zu einem bestimmten Zeitpunkt machen, sonst muss man die Strecke sperren.“ Anders gesagt: Manche Sanierungsarbeiten können einfach nicht aufgeschoben werden.