Bad Rippoldsau-Schapbach: Jugendstil-Villa im Dornröschenschlaf

Vom Jugendstil geprägt: Die Villa Sommerberg steht für die große Tradition des Bade- und Kurwesens in Bad Rippoldsau. Foto: Schmid
Schwarzwälder-BoteVon Claus Wiegert Bad Rippoldsau-Schapbach. Der Zahn der Zeit hat kräftig an der Jugendstil-Villa genagt. Aber der betagte Prachtbau ist für Besucher in Bad Rippoldsau immer noch ein Blickfang. Im Sommer steht nun ein Jubiläum an: Vor 100 Jahren war Rainer Maria Rilke Kurgast in der Villa Sommerberg.Mit den beiden Besuchen des berühmten Dichters im Wolftal in den Jahren 1909 und 1913 ging auch Bad Rippoldsau in die Literaturgeschichte ein. Bei seinem Aufenthalt im Wolftal im Juni 1913 begegnete Rilke der Schauspielerin Hedwig Bernhard. Mit ihr unternahm er auch einen Ausflug nach Freudenstadt.
Der erste Kuraufenthalt des gebürtigen Pragers in der Villa Sommerberg begann am 2. September 1909, rund ein halbes Jahr nach der Eröffnung des neu erbauten, damals hochmodernen Kurhotels. Am 10. September berichtete Rike: "Ich habe während zwei Jahren keine ländlichen Sommertage gehabt, so dass mich in den Rippoldsauer Wäldern alles rührt, erstaunt und erfreut. Das Glücklichste aber sind die lauteren Quellen: Kaum bleibt eine zurück, so rauscht schon die nächste rein ins Gehör."
Der Lyriker arbeitete bei seinen beiden Kuraufenthalten auch an einigen seiner Werke und schrieb zudem Briefe. Bad Rippoldsau, "dieses alte, früher fürstenbergische Bad", beschrieb er 1909 unter anderem so: "...es liegt mit seinen, theils altmodischen Häusern um die leisen Heilquellen, und die Waldhügel kommen von allen Seiten so nah, daß es nie größer werden konnte."
Auch weitere berühmte Künstler kamen im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zur Kur nach Bad Rippoldsau – unter anderem Nikolaus Lenau, Victor Hugo, Berthold Auerbach, Ferdinand Freiligrath, Paul Heyse, Johannes Brahms und Max Bruch. Besonders intensiv hielt man im Wolftal jedoch die Erinnerung an Rainer Maria Rilke aufrecht. Im September 2010, gut 100 Jahre nach Rilkes erstem Aufenthalt in Bad Rippoldsau, tagte denn auch die internationale Rilke-Gesellschaft in der Villa Sommerberg. Beim Begrüßungsempfang wurde der Speisesaal der historischen Villa Sommerberg in "Rainer-Maria-Rilke-Saal" umbenannt. Auch Mitglieder der Familie des Dichters waren dabei anwesend. Die internationale Rilke-Gesellschaft mit Sitz in der Schweiz wurde 1971 gegründet. Sie tagt alle zwei Jahre an Orten, die mit dem Dichter in Verbindung stehen – im vergangenen Jahr war dies in Bern. Das "100-Jährige" von Rilkes zweitem Aufenthalt in der Villa Sommerberg wird allerdings wohl kaum gefeiert. Denn seit die Schwarzwaldklinik Bad Rippoldsau im April 2011 geschlossen worden ist, ruht auch der Betrieb in dem zuletzt als Privatsanatorium genutzten Haus mit schmetterlingsförmigem Grundriss. Die Jugendstil-Villa war bei ihrer Fertigstellung eines der ersten Gebäude überhaupt in der Region, das über einen modernen Fahrstuhl verfügte, sagt Ramon Kara, ein langjähriger Mitarbeiter der Schwarzwaldklinik.
Umfassend modernisiert und umgebaut wurde die Villa 1981. Beeindruckend ist die Größe des Schwarzwald-Hauses: Es hat einen umbauten Raum von mehr als 15 000 Kubikmetern und eine Bruttogeschossfläche von rund 4500 Meter. Die Villa Sommerberg befindet sich im Besitz einer Eigentümergemeinschaft.