Aussaat bei Freudenstadt: Die seltene Arnika soll wieder keimen und gedeihen

Ein echter Schatz: Heimische Samen von Wiesenkräutern wurden bestaunt und anschließend für die Aussaat gemischt.
RPK- Aktion in Freudenstadt-Kniebis: Samen heimischer Wiesenkräuter zur Rettung der Arnika ausgebracht.
- Nabu, Naturschutzverwaltung und Grundschule Kniebis beteiligten sich mit Kindern und Fachleuten.
- Herbst-Aussaat gewählt, da Arnika-Keimung Kältereiz braucht – Flächen zuvor aufgerissen.
- Samen aus dem Oberen Wolfachtal gesammelt, mit regionalem Saatgut gemischt und verteilt.
- Kontrolle der Flächen erfolgt nächstes Jahr im Projekt „Archewiesen“, finanziert vom Land.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
11 Mitglieder aus regionalen Nabu-Gruppen, 31 Schüler der Grundschule Kniebis, zwei Lehrkräfte und fünf Mitarbeiter der Naturschutzverwaltung unterstützten das Überleben der seltenen Arnika im Schwarzwald. Im Naturschutzgebiet Kniebis-Alexanderschanze wurden im kalten Herbstwetter Samen von Arnika, Bärwurz, Arznei-Thymian und weiteren heimischen Wiesenkräutern ausgesät. Davon berichtet das Regierungspräsidium Karlsruhe in einer Pressemitteilung.
Die Aussaat im Herbst ist besonders geeignet, da die Arnika-Samen erst nach einem Kältereiz keimen. Markus Pagel, Geschäftsführer des Nabu-Bezirkes Gäu-Nordschwarzwald, und Ulrike Wolff vom Naturschutzreferat am Regierungspräsidium freuten sich gemeinsam mit Florian Zeibig vom Landschaftserhaltungsverband Freudenstadt über die gelungene Aktion. Die Artenvielfalt im Naturschutzgebiet Kniebis-Alexanderschanze wird so dauerhaft erhalten und gestärkt, heißt es in der Mitteilung weiter.
Finanziert wurde die Aussaat aus Naturschutzmitteln des Landes Baden-Württemberg.
Im nächsten Jahr werden die Flächen im Naturschutzgebiet im Rahmen des Projektes „Archewiesen“ des Landes kontrolliert und die Keimung und der Aufwuchs dokumentiert. In dem Projekt wird artenreiches Grünland erhalten, wiederhergestellt und neu angelegt.
Die seltene Arnika soll wieder keimen und gedeihen – drei Arbeitsschritte sind nötig:
- Sammeln der Arnika-Samen: Die Samen der Arnika wurden bereits einige Wochen vorher von Ehrenamtlichen des Nabu gemeinsam mit dem vom Naturschutzreferat am Regierungspräsidium Karlsruhe beauftragten Biologen auf eigens ausgewählten Flächen im Oberen Wolfachtal im Landkreis Freudenstadt gesammelt. Die zarten Samen der Arnika ähneln denen der weithin bekannten Pusteblume des Löwenzahns. Beim Sammeln müssen gezielt die Arnika-Samen ausgesucht werden.
- Vorbereitung der Aussaatflächen: Ende September wurden die Flächen, die zur Aussaat ausgesucht wurden, vorbereitet. Mit einem Mulcher wurden kleinflächig offene Bodenstellen aufgerissen, um beste Keimbedingungen für die Arnika zu schaffen, die zu den sog. Lichtkeimern zählt, was bedeutet, dass ihre Samen zur Keimung neben Feuchtigkeit und Bodenkontakt auch Sonnenlicht benötigen.
- Aussaat: Die Arnika-Samen wurden vor der Aussaat mit gebietsheimischem Wiesen-Saatgut gemischt und gleichmäßig auf den vorbereiteten Flächen ausgesät.

Der Erfolg des Einsatzes wird sich durch aufkeimende Arnika-Jungpflanzen zeigen.
RPKBereits am Vormittag hatten Schulkinder der Grundschule in Kniebis gemeinsam mit dem Ökomobil des Naturschutzreferats am Regierungspräsidium Karlsruhe die Tierwelt der Wiesen und die Arnika erkundet: Die Arnika ist eine rund 40 Zentimeter hohe Rosettenpflanze mit gelben Korbblüten, zusammengesetzt aus Röhrenblüten und Zungenblüten, und mit pusteblumenartigen Samenständen, die den seltsamen botanischen Fachausdruck Achänen tragen. Mit Mikroskop und Pinzette, Buntstift und Papier wurde experimentiert und gestaunt.
Warum braucht die Arnika Unterstützung?
Berg-Wohlverleih, wie die Arnika auch genannt wird, ist in Baden-Württemberg in der aktuellen Roten Liste als stark gefährdet verzeichnet. Sie kommt in den Mittelgebirgen vor, wie der Name bereits verrät. Der Schwerpunkt der Verbreitung ist in Baden-Württemberg daher der Schwarzwald.
Im Nordschwarzwald ist die Verbreitung durch Nutzungsaufgabe oder auch -intensivierung sehr stark zurückgegangen. Die Art fehlt fast vollständig in der natürlichen Artenausstattung der Borstgrasrasen und der bodensauren Wiesen. Damit fehlt sie als Teil der Nahrungs- und Überlebenskette für zahlreiche Insekten, Spinnentiere, Wanzen und andere Kleinlebewesen.
Um die Pflanzenart dauerhaft im Nordschwarzwald als Teil der heimischen Artenvielfalt zu erhalten, setzt die Naturschutzverwaltung gezielt auf Aussaat und Anpflanzung. Beispielsweise wurden in Bad Rippoldsau-Schapbach vorgezogene Jungpflanzen ausgepflanzt. Da hier der Aufwand durch die Aufzucht deutlich erhöht ist, wird aktuell direkt ausgesät. Im Rahmen des Artenschutzprogrammes Baden-Württemberg wird der Erfolg beobachtet. Die Arbeiten werden durch Naturschutzmittel des Landes Baden-Württemberg finanziert.