Artgenosse des Hornisgrinde-Wolfs
: Vergrämung eines Wolfs schockiert mit drastischen Szenen

Nach dem Ende der Abschussfrist soll der Hornisgrinde-Wolf nun vergrämt werden. Ein Video zeigt die Vergrämung eines Jungswolfs in Sachsen – und warum sie kritisiert wird.
Von
Anna-Sophie Zepf
Oberndorf
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Ein Jungwolf in Sachsen wurde einer Vergrämungsmethode, dem sogenannten „Hard Release“ ausgesetzt. (Symbolbild)

Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentra

Den Jägern ist der Hornisgrinde-Wolf entkommen – die Frist der Abschussgenehmigung ist ausgelaufen. Nun steht wieder die Vergrämung auf dem Plan, damit es in Zukunft nicht wieder zu „auffälligem Verhalten“ – wie der Annäherung an Menschen – kommt. Wie eine solche Vergrämung aussehen könnte, zeigt der Fall eines Artgenossen aus Sachsen.

Eine Holzkiste, beleuchtet von Stirn- und Taschenlampen in der Dunkelheit: Menschen unterhalten sich verstreut, lachen, während sie wiederholt gegen den Verschlag treten und klopfen. „Hey, hey, hey“, ruft eine Person immer wieder lauthals und stößt einen Stock durch ein vergittertes Fenster. In dem kleinen Raum ist Bewegung zu erkennen.

Ein Ruck geht durch die Menge und sie versammeln sich hinter der Holzbox. Langsam wird die Luke geöffnet und ein Wolf zeigt sich zögerlich. Zeitgleich setzt die massive Geräuschkulisse wieder ein und wird durch Tröten, Pfeifen, und Trommeln verstärkt.

Nach kurzem Zögern sucht der Wolf geduckt das Weite, verfolgt von Menschen und Lärm, bis er letztlich im Wald verschwindet. Dieser Instagram-Videobeitrag, auch Reel genannt, der Tierrechtsorganisation Team Tierschutz zeigt die Vergrämung des Jungwolfs MT15 bei Großhennersdorf im Landkreis Görlitz in Sachsen.

Eine spezielle Vergrämungsmethode

Wir haben bei der Tierrechtsorganisation nach den Hintergründen des Videos gefragt, und warum die Organisation aufgrund dieser Bilder sogar eine Anzeige erstattet hat.

Die dokumentierten Videoaufnahmen stammen nach Angaben von Philipp Reif vom Team Tierschutz bereits aus dem vergangenen Jahr. „Nach unseren Informationen wurde der Jungwolf in der Region Zittau in der Mittagszeit festgesetzt.“ Ziel der Maßnahme sei es demnach gewesen, das Tier sowohl mit einem Sender auszustatten als auch es zu vergrämen.

Eine Kommentatorin der Organisation ordnet die Maßnahme innerhalb des Videos als „Hard Release“ ein. Eine Vergrämungsmethode, die sich durch „Einfangen, Traumatisieren und wieder Freilassen“ auszeichne.

„Auffälliges“ Verhalten des Jungswolfs

Dieser Welpe eines ansässigen Wolfsrudels habe sich ähnlich „auffällig“ verhalten wie der Hornisgrinde-Wolf und sich wiederholt Menschen teils bis auf wenige Meter angenähert. Sogar Spielaufforderungen mit Stöcken habe der Jungwolf aus Sachsen gemacht, wie im Video hervorgehoben wird.

Außerdem gebe es laut Daten des Umweltinformationsgesetzes Funde von Futterquellen im Revier, erläutert Reif. Somit stehe der Verdacht im Raum, dass das Tier durch menschliches Fehlverhalten oder gar gezieltes Anfüttern erst konditioniert worden sei.

Massive Panik und Traumatisierung

Doch für die Organisation ist die Vergrämung aufgrund verschiedener Aspekte bedenklich: „Wir von Team Tierschutz bewerten diese Aktion als besonders problematisch, da eine fachgerechte Vergrämung zwingend eine Fluchtmöglichkeit voraussetzt“, meint Reif. Nur so könne das Tier den negativen Reiz unmittelbar mit der Annäherung an Menschen verknüpfen. Das Einsperren in eine Box bei gleichzeitiger Zufügung von Gewalt führe lediglich zu massiver Panik und Traumatisierung – nicht aber zu einem Lerneffekt.

Die Anzeige, die die Tierrechtsorganisation daher erstattet habe, richte sich gegen die verantwortlichen Entscheidungsträger sowie die ausführenden Personen, meint der Tierrechtsaktivist. Es bestehe darüber hinaus der Verdacht, dass dem Tier ohne vernünftigen Grund erhebliche Leiden zugefügt wurde.

Diese Argumentation verstärkt sich aus Sicht der Tierrechtsorganisation auch dadurch, dass die dokumentierte Maßnahme in der Holzbox nicht erfolgreich gewesen sei. „MT15 wurde danach erneut auffällig gesichtet“, berichtet Reif – 18 Mal.

Ein Verhaltensumschwung des Wolfs

Ein Verhaltensumschwung habe erst später durch den Einsatz von Paintball-Markierern erzielt werden können. „Aus unserer Sicht lässt sich daher kein eindeutiger oder nachhaltiger Erfolg der Vergrämungsmaßnahme feststellen.“

Anstatt einer derart „drastischen“ Vergrämungsmethode, sollten Alternativen in Betracht gezogen werden, sagt Reif: „Wir befürworten präventive Maßnahmen wie flächendeckenden Herdenschutz.“

Sofern eine Vergrämung allerdings unumgänglich sei, seien Distanzmethoden wie der Einsatz von Paintball-Markierern vorzuziehen, da diese dem Tier die notwendige Fluchtmöglichkeit ließen und einen belegbaren Lerneffekt ohne unnötige Traumatisierung erzielten.

Vor allem sollte jedoch an der Wurzel des Problems angesetzt werden: „Wenn Menschen durch Müll oder Anfüttern Wölfe anlocken, muss die Sanktion dort ansetzen, statt das Tier durch Gewalt zu traumatisieren.“

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