81 Jahre Hiroshima und Nagasaki: Friedensbündnis Region Freudenstadt warnt vor neuer atomarer Aufrüstung

Rednerin Claudia Haydt von der Informationsstelle Militarisierung und Musiker Tobias Steeb
Florian Müller- Gedenken in Freudenstadt: Rund 70 Teilnehmende erinnern an Hiroshima und Nagasaki.
- Redner fordern Abrüstung, Diplomatie und zivile Konfliktlösung statt militärischer Stärke.
- Claudia Haydt warnt vor neuer nuklearer Normalität und steigenden Militärausgaben.
- Forderung: US-Atomwaffen aus Deutschland abziehen und Atomwaffenverbotsvertrag unterzeichnen.
- DGB-Vertreter kritisiert Aufrüstung zulasten sozialer Sicherung und lehnt Wehrpflicht ab.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Im Mittelpunkt der Gedenk- und Friedenskundgebung an der Stadtkirche Freudenstadt standen die Erinnerung an die Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945, also vor 81 Jahren, sowie die aktuelle Gefahr einer erneuten Aufrüstung – insbesondere im nuklearen Bereich. An der Kundgebung nahmen rund 70 Personen teil, teilt das Friedensbündnis Region Freudenstadt in einer Pressemitteilung mit.
Musiker Tobias Steeb eröffnete mit Alphorn und Trompete die Erinnerung an den Zivilisationsbruch. Regisseurin Edith Koerber inszenierte die Gebete des damaligen Militärseelsorgers vor dem Start der mit der Uran-Bombe bestückten Enola Gay. Die Redner machten deutlich, dass die Lehren aus Japan heute wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden müssten. Statt Sicherheit durch immer mehr Waffen und militärische Stärke zu suchen, brauche es Abrüstung, Diplomatie, Kooperation und zivile Formen der Konfliktbearbeitung.
Warnung vor einer neuen nuklearen Normalität
Claudia Haydt (Die Linke) von der Informationsstelle Militarisierung in Tübingen kritisierte die massive Steigerung der deutschen Militärausgaben und warnte laut Mitteilung davor, Aufrüstung als Voraussetzung für Frieden und Sicherheit darzustellen. Sicherheit entstehe nicht durch immer neue Waffensysteme, sondern müsse auf Kooperation beruhen.
Besonders kritisch bewertete Haydt die zunehmende Diskussion über deutsche und europäische Atomwaffen. Die nukleare Abschreckung werde damit zunehmend wieder als normales Instrument der Sicherheitspolitik betrachtet. Sie warnte, dass die Grenzen des politisch Denkbaren so immer weiter verschoben würden. Stattdessen sollten alle in Deutschland stationierten US-Atomwaffen abgezogen werden, damit die Bundesrepublik endlich den Atomwaffenverbotsvertrag unterzeichnen könne.
Alternativen zur militärischen Friedenssicherung
Theodor Ziegler von der Initiative „Sicherheit neu denken“ richtete den Blick auf die Logik der nuklearen Abschreckung. Trotz der Erfahrungen von Hiroshima und Nagasaki gebe es weltweit weiterhin tausende Atomwaffen mit einer vielfach größeren Zerstörungskraft. Ziegler stellte deshalb grundsätzlich die Frage, ob eine Sicherheitsstrategie tragfähig sein könne, die auf der Bereitschaft beruht, im Ernstfall Atomwaffen einzusetzen.
Kritisch setzte er sich auch mit der Haltung der Kirchen zur atomaren Abschreckung auseinander. Zugleich verwies er auf die badische Landeskirche, die bereits 2013 einen Prozess angestoßen habe, um Alternativen zur militärischen Friedenssicherung zu entwickeln. Daraus entstand die Initiative „Sicherheit neu denken“, die inzwischen von zahlreichen Organisationen unterstützt wird. Im Zentrum dieses Ansatzes steht eine Friedenslogik: nicht von militärischer Stärke und Konfrontation, sondern vom Ziel des Friedens her zu denken, die Interessen der jeweils anderen Seite ernst zu nehmen, das Gespräch zu suchen und Schritte zum Aufbau von Vertrauen zu wagen.
Ziegler stellte damit eine grundsätzliche Alternative zur militärischen Logik heraus: Wer über Konzepte für zivile Sicherheit verfüge, müsse sich nicht „auf Gedeih und Verderb an das Militär klammern“ und könne auch auf den atomaren Schutzschirm verzichten.
Aufrüstung zulasten der sozialen Sicherung
Holger Egger, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Freudenstadt, stellte den Zusammenhang zwischen Aufrüstung und Sozialkürzungen in den Mittelpunkt. Er kritisierte, dass die enormen finanziellen Mittel für die Aufrüstung letztlich auch zulasten der sozialen Sicherung gehen könnten. Er verwies auf Entwicklungen im Gesundheitswesen, bei der Pflege und bei der Rente. Die Kosten der militärischen Aufrüstung dürften nach Auffassung des DGB keinesfalls zu Kürzungen bei sozialer Sicherung, Bildung und öffentlicher Daseinsvorsorge führen.
Besonders entschieden wandte sich Egger gegen eine Wiedereinführung der Wehrpflicht. Es dürfe nicht dazu kommen, dass insbesondere junge Menschen die Folgen einer Politik zunehmender militärischer Konfrontation tragen müssten.
Alles daran setzen, Kriege zu verhindern
Die Kundgebung machte laut Mitteilung deutlich: Das Gedenken an Hiroshima und Nagasaki soll nicht bei der Erinnerung an die Vergangenheit stehen bleiben. Die Erfahrungen der atomaren Zerstörung seien vielmehr ein Auftrag, heutige Entwicklungen kritisch zu hinterfragen.
Das Friedensbündnis Region Freudenstadt sieht deshalb die Notwendigkeit, der zunehmenden Militarisierung eine starke gesellschaftliche Stimme entgegenzusetzen. Statt einer Politik, die Sicherheit vor allem militärisch denkt, brauche es eine Debatte über Abrüstung, zivile Konfliktbearbeitung und internationale Zusammenarbeit. „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg“ – dieser Anspruch wurde in den Redebeiträgen als weiterhin aktueller Auftrag verstanden. Die Konsequenz daraus sei, alles daran zu setzen, Kriege zu verhindern und die Gefahr eines Einsatzes von Atomwaffen zu überwinden.

