Seit 1945 außer Betrieb: Kritik am Aus der Bahnstrecke zwischen Freiburg und Colmar

Die Bahnstrecke zwischen Freiburg und Colmar in Frankreich soll nicht wiederhergestellt werden.
Hendrik Schmidt/dpa (Symbolfoto)- Reaktivierung der Bahnstrecke Freiburg–Colmar wird eingestellt, Finanzierung scheitert.
- Baden-württembergisches Verkehrsministerium gab die Absage am Montag bekannt.
- VRSO reagiert mit Unverständnis: Projekt galt als Leuchtturm für grenzüberschreitende Mobilität.
- Strecke existiert seit den 1870ern – die Rheinbrücke bei Breisach wurde 1945 zerstört.
- Aachener Vertrag von 2019 erwähnte das Vorhaben, dennoch stoppt die Planung vorerst.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Tabarot und Schnieder halten an der Bahnstrecke Freiburg – Colmar fest.“ Diese Nachricht verbreitete der Deutsche Bundestag noch im Juni. Im Rahmen der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung hatten der damalige und mittlerweile zurückgetretene Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder und sein französischer Amtskollege bekräftigt, an der im Aachener Vertrag vereinbarten Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke festzuhalten.
Gut zwei Monate später kam nun jedoch aus dem baden-württembergischen Verkehrsministerium eine ganz andere Nachricht. Die Planungen zur Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Freiburg und Colmar werden eingestellt, hieß es am Montag aus Stuttgart. Das Projekt scheitere demnach an der gemeinsamen Finanzierung.
Schnieder und Tabarot hatten im Juni bereits darauf hingewiesen, dass die Strecke nicht zum Bereich der transeuropäischen Verkehrsnetze (TEN-V) gehört und daher auch nicht über das Finanzierungsinstrument CEF2 gefördert werden könne.
Unverständnis und Bedauern in der Region
Der Verband Region Südlicher Oberrhein, der die Reaktivierung der Schienenstrecke bereits seit Jahrzehnten begleitet, reagierte mit „Unverständnis und Bedauern“ auf die Nachricht aus dem Verkehrsministerium.
„Freiburg – Colmar ist das Leuchtturmprojekt für den Oberrhein“, sagt Verbandsdirektor Wolfgang Brucker in einer Stellungnahme. Und: „Die Wiederaufnahme des Schienenverkehrs fördert die klimafreundliche grenzüberschreitende Mobilität und ist ein historisches Zeichen für das Zusammenwachsen im Herzen von Europa.“
Wichtige verkehrspolitische Zukunftsperspektive genommen
Das Aus für die Reaktivierung der Bahnstrecke verkenne die strategische Bedeutung des Projekts für den Oberrhein und würde der Region eine ihrer wichtigsten verkehrspolitischen Zukunftsperspektiven nehmen, sagte Brucker weiter. Er bedauere, dass man sich in Brüssel, Berlin, Paris, Stuttgart und Straßburg derart zurückhaltend gebe.
„Wir müssen erkennen, dass die Projektfinanzierung und -umsetzung nie endlich entschlossen angegangen wurde. Die mit der Schienenverbindung verbundenen Entwicklungspotenziale wurden bis heute nicht angemessen berücksichtigt“, sagt er.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Rheinbrücke zerstört
Die Strecke zwischen Freiburg und Colmar wurde bereits in den 1870er-Jahren eröffnet und wurde bis zum Zweiten Weltkrieg genutzt. Beim Rückzug der Deutschen im Jahr 1945 wurde die Rheinbrücke bei Breisach zerstört – und nicht mehr aufgebaut. Heute ist die Strecke zwischen Freiburg und Breisach eine eingleisige Nebenbahn und wird von der DB Regio befahren.
Im Aachener Vertrag von 2019 explizit erwähnt
Laut VRSO seien schon 1994 Beschlüsse gefasst worden, die Strecke Freiburg – Breisach – Colmar wiederherzustellen. Auch im Aachener Vertrag zur deutsch-französischen Zusammenarbeit aus dem Jahr 2019 – unterzeichnet von der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron – wurde die Strecke explizit erwähnt. Zumindest vorerst scheinen die Planungen nun gestoppt.
