Folgen von Hitze und Dürre
: Der Botanische Garten in Freiburg befindet sich im Krisenmodus

Die Hitze und Trockenheit der vergangenen Monate haben Spuren hinterlassen – auch im Botanischen Garten der Universität Freiburg. Zehn bis 15 Prozent der dortigen Bäume werden den Sommer wohl nicht überleben.
Von
Ralf Deckert
Freiburg
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Aus Sicherheitsgründen müssen im Botanischen Garten einige Bereiche abgesperrt werden.

Aus Sicherheitsgründen müssen im Botanischen Garten einige Bereiche abgesperrt werden.

Ralf Deckert
  • Hitze und Trockenheit setzen dem Botanischen Garten Freiburg massiv zu.
  • Zehn bis 15 Prozent der Bäume sterben wohl in diesem Sommer, Bereiche sind gesperrt.
  • Wassermangel lässt Äste brechen – Kletterer kontrollieren alle zwei Wochen.
  • Tröpfchenbewässerung ist zu teuer, Zisternen sind leer, zweite Zisterne geplant.
  • Asiatische Ahorne vertrocknet, alte Buche stirbt – Gartengestaltung muss sich ändern.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Eigentlich habe er einen Traumjob, sagt Michael Scherer-Lorenzen. Der Professor für Geobotanik an der Universität Freiburg ist seit April Direktor des Botanischen Gartens. 6000 Pflanzenarten auf 3,5 Hektar Fläche darf er hier zusammen mit seinem Team hegen und pflegen.

Jährlich kommen rund 150.000 Menschen in die Gewächshäuser und den Garten, der wissenschaftlicher Standort, Erholungsgebiet in der Stadt und Bildungsraum für Studierende und Schulklassen gleichermaßen ist. Doch der Traumjob ist derzeit vor allem eine Mammutaufgabe in Sachen Krisenmanagement.

Die Hitze und Trockenheit der vergangenen Monate haben Spuren hinterlassen. „Wir werden in diesem Sommer zehn bis 15 Prozent unserer Bäume verlieren“, lautet seine Bilanz. Das sei „eine andere Dimension“ als früher, wenn bei einem Sturm mal hier und da ein Baum umgefallen sei.

Professionelle Kletterer sind regelmäßig unterwegs

Teile des Gartens sind derzeit abgesperrt. Bei Trockenheit krachen an manchen Bäumen unvermittelt große Äste ab. Und das, obwohl professionelle Kletterer alle zwei Wochen und somit viel häufiger als unter normalen Umständen im Garten unterwegs sind. „Die Kletterer sagen, dass sie so etwas noch nie erlebt haben“, so Scherer-Lorenzen.

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Derzeit eher Krisenmanager als Direktor des Botanischen Gartens: Michael Scherer-Lorenzen.

Derzeit eher Krisenmanager als Direktor des Botanischen Gartens: Michael Scherer-Lorenzen.

Ralf Deckert

Der Grund sei der Wassermangel, der die Wasserleitungsbahnen in den Ästen austrocknen lasse und dadurch für brüchige Stellen sorge. „Wir müssen die Gestaltung des Gartens in manchen Bereichen im Grunde ganz neu planen und konzipieren“, sagt der Wissenschaftler. „Anders sind sie unter den aktuellen und künftigen Klimabedingungen nicht mehr haltbar.“

Den politischen Umgang mit der Klimakrise finde er mittlerweile nur noch „bizarr“. „Man muss eigentlich nur mit offenen Augen durch die Natur gehen. Der Klimawandel ist ja nicht neu, er wurde nur über Jahrzehnte ignoriert. Und jetzt wird nicht mehr darüber geredet, etwas dagegen zu tun, sondern es ist nur noch von Anpassung die Rede.“

Statt einer global notwendigen politischen Veränderung sei das Pariser Klimaabkommen zuletzt mehr und mehr „verwässert“ worden. Geredet werde eigentlich nur über die Kosten von Klimamaßnahmen und die wirtschaftlichen Folgen der Dürre. „Den Landwirten wird es als Erstes an die Existenz gehen“, ist Scherer-Lorenzen sicher. „Die müssten eigentlich alle an vorderster Front bei der Bekämpfung des Klimawandels stehen.“ Dass das eher nicht der Fall sei, könne er nur schwer nachvollziehen.

Bewässerung bräuchte 50.000 Leiter pro Tag

Auf Spendenbasis hat man stellenweise Tröpfchenbewässerungen für besonders durstige Bäume installiert. Der Einbau kostet jedoch satte 20 Euro je Quadratmeter Gartenfläche. Für den ganzen Garten sei dies weder finanziell noch arbeitstechnisch stemmbar. Mit kostbarem Trinkwasser könne und wolle man die Bewässerung, für die locker 50.000 Liter Wasser am Tag anfielen, aber ebenfalls nicht betreiben.

Das Wasser im Brunnen auf dem Gartengelände, aus dem bisher bewässert wurde, fließt nur noch hier zusammen mit seinem Team langsam nach. „Auch unsere Regenwasserzisterne ist leer“, sagt Scherer-Lorenzen. Aktuell hoffe man auf öffentliche Mittel für eine zweite Zisterne und auf weitere Sponsoren.

Der Botanische Garten in Freiburg wurde 1620 gegründet. Am jetzigen Standort ist er als Teil der Biologischen Fakultät der Universität mittlerweile jedoch erst rund 100 Jahre alt. Die Bepflanzung ist in Weltregionen aufgeteilt. Der mediterrane Bereich komme derzeit noch gut klar, sagt der Biologe. Die dort stehenden Bäume seien an trockene Bedingungen angepasst.

Im asiatischen Sektor ist viel kaputt

Ganz anders sehe es im asiatischen Sektor aus, wo bereits viel kaputtgegangen sei. „Wir hatten hier eine schöne Sammlung asiatischer Ahorne. Die ist in den vergangenen Sommern komplett vertrocknet“, sagt der Wissenschaftler. Auch eine große, etwa 70 bis 80 Jahre alte Buche im europäischen Segment des Gartens und ihr südamerikanisches Äquivalent aus Chile werden diesen Sommer nicht überleben.

„Ich habe in Chile meine Diplomarbeit verfasst. Dass der Baum von dort nun kaputtgeht, tut besonders weh“, sagt Michael Scherer-Lorenzen. Perspektivisch, so der Forscher, werde sich das Gesicht des Gartens in den kommenden Jahren massiv verändern. Vielleicht, so Scherer-Lorenzen, werde man dann mehr Prärien wie in Nordamerika haben: mehr offene Landschaft, wo einst ein dichter Baumbestand Schatten spendete und zum Picknick einlud.

Der Bildungsauftrag verschiebt sich

Im Grunde sei ein solcher Garten wie ein Zoo für Pflanzen, sagt Michael Scherer-Lorenzen. Man sei weltweit mit anderen botanischen Gärten vernetzt und tausche seltene Pflanzen und Saatgut aus, um diese Arten zu erhalten.

Außerdem habe man einen Bildungsauftrag, der derzeit vor allem darin bestehe, die Auswirkungen von Trockenheit und Dürre abzubilden und zu erklären: „Wir können vielen Fragen nachgehen: Was muss man bei der Bepflanzung ändern? Was wird man künftig hier noch anbauen können? Können wir noch alles bewässern oder nicht? In welchen Regionen der Erde kommen Baumarten vor, die im aktuellen und zukünftigen Klima hier bei uns wachsen können?“ Parallel dazu muss Scherer-Lorenzen aber erst einmal retten, was zu retten ist in seinem Garten.

Öffnungszeiten

Der Botanische Garten im Freiburger Stadtteil Herdern ist täglich von 8 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. Die Schaugewächshäuser sind montags bis donnerstags von 11 bis 15.30 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Informationen zum Garten und zu Führungen gibt es hier.