Chef kritisiert Sparvorgaben
: Pfizer will Investitionen prüfen – mit Folgen für Werk in Freiburg?

Der US-Pharmariese Pfizer kritisiert die Sparvorgaben und will seine Investitionen in Deutschland prüfen. In Freiburg betreibt das Unternehmen ein wichtiges Werk mit mehr als 2.000 Mitarbeitern.
Von
Felix Paschke
Freiburg
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ARCHIV - 23.01.2021, Berlin: An einem Unternehmenssitz von Pfizer ist das Logo des Pharmakonzerns angebracht. Der Pharmakonzern Pfizer hat sich mit dem Biotechunternehmen Seagen auf eine milliardenschwere Übernahme geeinigt. (zu dpa "Pfizer übernimmt US-Krebsspezialisten Seagen für 43 Milliarden Dollar") Foto: Christophe Gateau/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der Chef des US-Pharmakonzerns Pfizer, der in Freiburg einen großen Produktionsstandort betreibt, will als Reaktion auf die geplanten Sparvorgaben für die Branche die Investitionen in Deutschland prüfen.

Christophe Gateau/dpa
  • Pfizer prüft wegen geplanter Sparvorgaben Investitionen in Deutschland – Treffen mit Merz abgesagt.
  • Vorstandschef Albert Bourla kritisiert Pläne von Gesundheitsministerin Nina Warken im dpa-Brief.
  • Konzern beschäftigt über 3.000 Menschen in Deutschland, davon mehr als 2.000 im Werk Freiburg.
  • Bedingungen würden neu bewertet, geplante Investitionen und Zeitpläne stehen auf dem Prüfstand.
  • Hintergrund: Gesetz soll Kassen entlasten, auch Eli Lilly und Boehringer kürzen oder stoppen Vorhaben.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der US-Pharmakonzern Pfizer sagt aus Ärger über Sparvorgaben der Bundesregierung ein Treffen mit Kanzler Friedrich Merz (CDU) ab und stellt Investitionen in Deutschland auf den Prüfstand. In einem Brief, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, kritisiert Vorstandschef Albert Bourla die Pläne von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) und zieht seine Teilnahme an einem Investorentreffen zurück. Zuvor hatte das „Handelsblatt“ berichtet.

„Nach reiflicher Überlegung muss ich Ihnen leider mitteilen, dass ich bei dieser Gelegenheit nicht teilnehmen kann“, heißt es in dem Schreiben an Merz mit Blick auf einen im Herbst geplanten „Invest in Germany Summit“ der Bundesregierung.

Die Sparpläne erschwerten langfristige Investitionen und gefährdeten die nötige Planungssicherheit. Insgesamt beschäftigt der Pharmariese in Deutschland mehr als 3.000 Menschen. Mehr als 2.000 davon arbeiten Unternehmensangaben zufolge im „Zukunftswerk“ in Freiburg – es ist der einzige Pfizer-Produktionsstandort in Deutschland. Das Werk „zählt zu den weltweit größten und zu einer der weltweit modernsten Pharma-Produktionsstätten nach Industrie 4.0-Maßstäben“, schreibt Pfizer Deutschland auf seiner Homepage.

Bedingungen sollen neu bewertet werden

Doch für globale Unternehmen seien Investitionsentscheidungen „von der Zuverlässigkeit, Transparenz und Beständigkeit des politischen Umfelds bestimmt“, schreibt Bourla. Nun würden die Bedingungen neu bewertet. „Infolgedessen überprüfen wir unsere externen Verpflichtungen sowie den Zeitpunkt, den Umfang und die künftige Priorisierung bestimmter geplanter Investitionen in Deutschland“, heißt es vom Pfizer-Chef.

Hintergrund sind Pläne der Bundesregierung

Gesundheitsministerin Warken will die Krankenkassen mit dem „Beitragssatzstabilisierungsgesetz“ 2027 um 16,3 Milliarden Euro entlasten und so steigende Beiträge verhindern. Geplant sind auch schärfere Sparvorgaben für die Pharmabranche: So sollen die Herstellerrabatte, die Arzneikonzerne Krankenkassen gewähren müssen, deutlich steigen.

Pläne, die bei mehreren Pharmakonzernen für Unmut sorgen. So teilte der US-Pharmakonzern Eli Lilly mit, dass er wegen der Sparpläne eine Investition von 2,5 Milliarden Dollar in einen neuen Standort im rheinland-pfälzischen Alzey halbieren will. Und der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim will geplante Investitionen von 900 Millionen Euro in Deutschland stoppen – ebenfalls mit Verweis auf die Sparvorgaben.

Zwischen 2017 und 2022 rund 350 Millionen Euro in Freiburg investiert

Von 2017 bis 2022 hatte Pfizer in Freiburg zwei Fabriken „zur kontinuierlichen Fertigung und eine hochmoderne automatische Fabrik in Betrieb genommen“, heißt es auf der Firmenhomepage. Dafür wurden eigenen Angaben zufolge rund 350 Millionen Euro investiert. Die Mitarbeiterzahl in Freiburg habe sich in den vergangenen zehn Jahren zudem verdoppelt, so das US-Unternehmen.

Neben der Produktion in Freiburg unterhält Pfizer in Deutschland zwei weitere Standorte: die Deutschlandzentrale in Berlin und das Distributionszentrum in Karlsruhe.