Antisemitismus in Freiburg
: Israelischer Foodtruck erneut attackiert – der Staatsschutz ermittelt

Nach der Farbattacke wurde ein israelischer Foodtruck in Freiburg erneut angegriffen: In Instagram hat sich der Betreiber geäußert – der Staatsschutz sucht nach Zeugen.
Von
Felix Paschke
Oberndorf
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Der Foodtruck des israelischen Restaurants Jaffa wurde gleich zweimal beschädigt.

Jaffa Freiburg

Es sind zwei bewegte und bewegende Statements, die Billal Aloge in den Sozialen Medien verfasst hat. Der Betreiber des israelischen Restaurants Jaffa in Freiburg ist seit Kurzem mit einem neuen koscheren Foodtruck im Colombipark in der Innenstadt vertreten. An dem Fahrzeug, das Teil eines neuen städtischen Probelaufs für mobile Gastronomie ist, wurde in den vergangenen Tagen gleich zweimal von Unbekannten verwüstet.

Am Mittwochmorgen entdeckten die Betreiber großflächige Farbschmierereien auf dem Truck, in der Nacht auf den 1. Mai wurde auf den Foodtruck eingetreten, sodass unter anderem der große Seitenspiegel zerstört wurde. Festgehalten sind die Ausmaße der Attacken auf der Instagram-Seite des Jaffa – mitsamt emotionalen Worten. „Was wir vorgefunden haben, hat uns wieder die Tränen in die Augen getrieben“, heißt es dort nach dem zweiten Vorfall.

„Die Tür zerkratzt und eingedrückt. Auf der Fahrerseite eine massive Delle. Auf die Aufschrift ,israelische Spezialitäten’ wurde gezielt eingetreten“ – so schildert der Betreiber das Ausmaß der Gewalt, die Schäden beziffert er auf rund 15.000 Euro. „Das war keine normale Sachbeschädigung. Das war ein gezielter Angriff auf sichtbares jüdisches Leben in Freiburg“, hatte Aloge bereits nach den Graffiti- Sprühereien geschrieben.

OB und Vertreter von Religionsgemeinschaften mit deutlichem Statement

Ein gemeinsames Statement von Vertretern mehrerer Religionsgemeinschaften mit Oberbürgermeister Martin Horn verurteilte den Vorfall ebenfalls deutlich. „Wir haben in Freiburg gestern einen antisemitischen Vorfall erlebt – und leider ist das nicht das erste Mal, dass sich Hass gegen Religionen richtet. Erst vor wenigen Monaten wurde unsere Ramadan-Beleuchtung gezielt beschädigt. Jetzt trifft es jüdisches Leben im öffentlichen Raum. Das ist inakzeptabel“, so Horn nach dem ersten Vorfall am Foodtruck.

Politisches Motiv ist nicht auszuschließen

Ob zwischen den beiden Taten ein Zusammenhang besteht, ist derzeit noch nicht bekannt, sagte am Montagvormittag Polizeisprecher Arpad Kurgyis auf Nachfrage unserer Redaktion. Konkrete Hinweise auf einen Zusammenhang gebe es bislang nicht, so Kurgyis weiter. Da eine „politische Motivlage“ nicht auszuschließen sei, ermittle die Abteilung für Staatsschutz in dem Fall.

Polizei sucht nach Zeugen

Im Zuge der Ermittlungen veröffentlichte die Polizei am Montag zudem einen Zeugenaufruf. Denn in der Nacht auf den 1. Mai sollen zwei Unbekannte gesehen worden sein, wie sie auf den Foodtruck eingetreten und dabei den rechten Außenspiegel beschädigt haben sollen.

„Als die Polizei vor Ort eintraf, waren die beiden Täter, zu denen keine Personenbeschreibung vorlag, bereits geflüchtet und konnten nicht mehr angetroffen werden“, schreibt die Polizei und bittet mögliche Zeugen, sich zu melden (07 61/8 82 28 80).

Das Jaffa will weitermachen und im Colombipark bleiben

Wie das Restaurant Jaffa in den Sozialen Medien schreibt, soll sich ein junger Exil-Iraner bei ihnen gemeldet haben. „Er hat den zweiten Vorfall gegen 2 Uhr nachts beobachtet, uns seine Kontaktdaten überlassen und steht bereit, als Zeuge auszusagen. Dieses Engagement verdient Respekt“, heißt es in einem Kommentar zu dem Beitrag.

Dort berichtet der Gastronom zudem, dass bereits nach dem ersten Vorfall mehrfach täglich Polizisten im Colombipark präsent waren. „Sie haben nicht nur für Sicherheit gesorgt, sondern auch Menschlichkeit gezeigt: Immer wieder wurden wir gefragt, wie es uns geht, ob alles in Ordnung ist“, berichtet das Jaffa. Und für Aloge ist klar: „Auch wenn wir gerade mit Verlusten hier stehen – wir gehen nicht weg. Wer uns angreift, greift jüdisches Leben an. Und genau deshalb bleiben wir.“

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