Unterkirnach: Aus altem Hof entsteht Schmuckstück

Viel Arbeit steckte die Familie Richter in die Restaurierung des alten Bauernhofs bei Unterkirnach, der sich heute als Schmuckstück präsentiert.
SchimkatUnterkirnach - Klaus Richter und seine Familie haben das Anwesen im Unteren Röthenloch 2002 gekauft, aufwendig restauriert und leben seitdem in der Idylle bei Unterkirnach, die sie schätzen. Richter hat in alten Unterlagen recherchiert und einiges über die Geschichte des Unteren und des Oberen Röthenlochs herausgefunden.
Das Untere Röthenloch wurde 1674 erbaut, zur gleichen Zeit wurde das Obere Röthenloch errichtet, erklärt Richter im Gespräch mit unserer Zeitung. Das Obere Röthenloch, das nicht mehr existiert, habe aus einem zweigeschossigen Wohnhaus mit Scheune und Stall unter einem Dach sowie einem Anbau mit Milchhaus und Schweinestall bestanden. Dazu sei eine Hausmühle gekommen, die je zur Hälfte vom Oberen und Unteren Röthenloch genutzt wurde.
In Zirkuswagen gewohnt
Zum Oberen Röthenloch haben vier Morgen Wiesfeld und vier Morgen Acker auf der Sonnenseite sowie ein Vierling Waldung, der an die Stadtwaldung grenzte, gehört, so Richter. 1773 wurde Jakob Schmid im Unteren Röthenloch geboren, sein Sohn Isidor Schmid erblickte 1814 das Licht der Welt, war Landwirt und Rechenmacher und mit Elisabetha verheiratet. Das Ehepaar hatte vier Kinder, ihr Sohn Leopold, der 1850 geboren wurde, heiratete Kordula Duffner vom Oberen Röthenloch am 4. Mai 1876. Leopold war ebenfalls Landwirt und Rechenmacher, Kordula war Reiswellenbinderin und Plattenmacherin.
Das Obere Röthenloch war 1876 an die Stadt Villingen verkauft worden. Diese hatte das Anwesen abgebrochen und als Gegenleistung den Eltern und Geschwistern von Kordula die Brunnenstraße 8 angeboten. Der nächste Nachbar vom Unteren Röthenloch war das Neuhäusle, heute Gasthaus Auerhahn, dessen Wirt Hilarius Weißer Geld aufnehmen wollte und einen Bürgen benötigte. Also übernahm Ididor Schmid, der Vater von Leopold, die Bürgschaft, was er und sein Sohn mit Frau Kordula bitter bereuten. Es kam der Tag, an dem Hilarius nicht mehr zahlen konnte und Familie Schmid, in dem Fall Leopold und Kordula, einspringen musste. Da sie das Geld nicht hatten, mussten sie das Untere Röthenloch an die Stadt Villingen verkaufen, die es 1882 für 4457 Mark erwarb. Die Familie durfte weiter im Röthenloch zur Miete wohnen, später lebte Familie Glatz, Helmut Glatz war Ehrenbürger von Unterkirnach, im Röthenloch zur Miete, danach eine Familie Kammerer. Laut Helmut Glatz, er starb vor einigen Jahren, kam Ende der 50er-Jahre der Strom zum Röthenloch.
Klaus Richter und seine Familie – er, seine Frau Silke und die drei Kinder wohnten in Villingen in der Zinsergasse und suchten ein Bauernhaus, in dem sie die Wochenenden verbringen konnten. Nach langem Suchen fanden sie das Untere Röthenloch, das leer stand und verbrachten vier Jahre die Sommer im Röthenloch und die Winter in der Zinsergasse. Dann sei der Entschluss gefallen, ganz ins Untere Röthenloch zu ziehen, erzählt Richter. 2002 wurde das Haus gekauft, es hatte kein Bad, keine Heizung und stand unter Denkmalschutz. Ein Jahr wurde das Haus zu dem Schmuckstück, das es heute ist, restauriert. "Wir wohnten, inzwischen mit vier Kindern, ein Jahr direkt am Haus in einem Zirkuswagen", berichtet Richter. Ein Herd, eine Waschmaschine und eine Dusche wurde in den Zirkuswagen eingebaut, in einem alten Wohnwagen daneben wurden sechs Betten untergebracht, in dem alle im Winter bitterlich froren. "Am Schluss, als unser Haus fertiggestellt war, wollten wir nicht mehr aus dem Zirkuswagen raus", erinnert er sich schmunzelnd. Vielleicht seien auch deshalb drei seiner Söhne Zimmermann geworden, der Jüngste lernt noch Landmaschinenmechaniker, alle vier Söhne leben noch im Röthenloch.
Drei-Generationen-Treffen
Klaus Richter hat noch mehr zu erzählen: "Ein Sohn von Leopold und Kordula hieß Gustav Schmid und hatte drei Töchter, Maria, Lisa und Paula. Paula sei die Mutter von Werner Schaumann, dem Mann von Margot Schaumann. Die Tochter von Lisa, Waltraud Haas, würde in diesem Jahr zum dritten Mal ein Treffen im Unteren Röthenloch organisieren, das sei ein Drei-Generationen-Treffen und im April geplant.
Silke Richter arbeitet in St. Georgen im Rathaus auf dem Bauamt, Klaus Richter ist Hausmann, Ortsführer in Unterkirnach, Stadtführer in Villingen, Schauspieler, Holzschindelmacher. Das Ehepaar joggt mit Leidenschaft durch die Region und wird dann auch mal fündig, zum Beispiel eine Historische Fruchtscheune, die sie im Röthenloch wieder aufbauten. Zur Zeit baut Richter eine alte Mühle, deren Reste er gefunden und erworben hatte, wieder auf und zum Teil nach. Einen Fernseher wollten sie nicht, und wenn im Winter viel Schnee liegt, gebahnt wird nicht, dann wird das Auto an der Straße nach Vöhrenbach stehen gelassen und gelaufen.