Tierische Sensation in Donaueschingen: Der Auerhahn ist wieder da

Eine Wildtierkamera liefert den Beweis: Im Stadtwald lebt ein Auerhahn.
Hans-Peter FesenmeyerEs ist eine kleine Sensation: Auf der Baar gibt es einen Auerhahn. Der Forstrevierleiter von Hubertshofen-Wolterdingen, Hans-Peter Fesenmeyer, geht davon aus, dass sich das Tier dauerhaft im Stadtwald niedergelassen hat. 2023 wurde es das erste Mal von einer Wildtierkamera aufgenommen.
Dass sich der seltene Hühnervogel hier niedergelassen hat, ist eine Erfolgsgeschichte, wie Fesenmeyer ausführt. Denn: „Der Vogel ist eigentlich sehr, sehr rar.“
Das bestätigen die Zahlen: Laut Nationalpark Schwarzwald gibt es in Deutschlands größtem Mittelgebirge nur noch 111 Auerhühner. Der Schutz des Wildvogels ist dem Förster wichtig: „Es ist ein schönes Wildtier, das immer hier war. Und wenn es weg ist, ist es weg.“ Daher werden für das Auerwild extra Schutz- und Pflegemaßnahmen getroffen – die Wälder werden dem Vogel angepasst.
So wird der Wald geformt
„Es werden so genannte Lücken von 0,1 bis 0,3 Hektar Fläche im Wald geformt“, erklärt der Revierleiter. Das bedeutet: „Es werden Bäume entfernt und so wird Platz für den Vogel geschaffen.“ Bei Pflegemaßnahmen im Wald wird der Vogel priorisiert. So wird zum Beispiel der Bestand der Fichte reduziert, damit Heidelbeersträucher – eine Nahrungsquelle der Auerhühner – besser wachsen können. Ebenso werden Flugschneisen für den Vogel geschaffen. Seit 2019 widmet sich Fesenmeyer in seinem Revier, das 200 bis 250 Hektar umfasst, der Auerwild-Biotop-Pflege – und das mit Erfolg.
Vor zehn Jahren ganz verschwunden
Vor 40 Jahren sei der Bestand bei drei Tieren gewesen. Vor zehn Jahren war der Vogel im hiesigen Forstrevier gar nicht mehr vorhanden. „Es macht mich stolz zu sehen, dass man Erfolg hat und die Maßnahmen Wirkung zeigen“, sagt Fesenmeyer. Wenn sich ein Auerhahn niedergelassen habe, könne man davon ausgehen, dass auch eine Henne da sei, so der Förster. Nun könne man auf Nachwuchs hoffen. Die Schwierigkeit bestehe darin, den Nachwuchs vor Feinden zu schützen.

„Es macht mich stolz zu sehen, dass man Erfolg hat und die Maßnahmen Wirkung zeigen.“
Foto: Niklas-Marco DinauerFür die Gefährdung des Vogels und den Rückgang der Population gibt es verschiedene Gründe. Der Verein Auerhahn im Schwarzwald nennt die Abnahme geeigneter Lebensräume, wachsende touristische Nutzung, Zunahme von Fressfeinden, schlechtere Witterungsbedingungen sowie den Klimawandel. Durch immer mehr Freizeitaktivitäten werde das Auerhuhn gestört, schreibt auch das Wildtierportal Baden-Württemberg. 2020 kam es zu einem besonders verstörenden Vorfall: Betrunkene erschlugen bei Titisee-Neustadt einen Auerhahn mit einer Flasche.
Das Auerwild
Steckbrief
Das Auerwild wird in Freiheit bis zu zehn Jahre alt, wie der Verein „Auerhahn im Schwarzwald“ schreibt. Zwischen männlichen und weiblichen Tieren gibt es in Größe und Gewicht große Unterschiede. Hähne werden bis zu 95 Zentimeter groß und fünf Kilogramm schwer. Hennen nur bis zu 65 Zentimeter und 2,5 Kilogramm. Während Hähne grün schimmerndes Brustgefieder haben, tarnen sich die Hennen mit braun gemustertem Gefieder. Feinde des Auerhuhns sind Füchse, Marder, Habicht und Uhu. Das Tier ernährt sich hauptsächlich von Beeren, Knospen und Blüten. Aber auch Würmer und Insekten stehen auf dem Speiseplan.