Unser Mann in Altensteig
: Manfred Köncke stand bis zuletzt mitten im Leben

Nahezu 50 Jahre lang hat Manfred Köncke die Leser des Schwarzwälder Boten in Altensteig mit Nachrichten versorgt. Er starb kurz vor seinem 80. Geburtstag.
Von
Matthias Buchner
Oberndorf
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Manfred Köncke fuhr gerne in den Urlaub – vorzugsweise an den Bodensee und an die Ostsee.

Maike Köncke

Manfred Köncke ist tot. Es kostet Überwindung, diesen Satz niederzuschreiben. Denn mit Manfred ist nicht nur die Verkörperung des Lokaljournalismus in Altensteig und seinen Nachbargemeinden gestorben, sondern auch ein Mensch, der mich mein ganzes Berufsleben lang begleitet hat.

Ich kannte ihn seit ziemlich genau 40 Jahren. Damals, im Sommer ’85, als ich meine ersten Gehversuche als Freier Mitarbeiter der Calwer Kreisnachrichten unternahm, war Manfred bereits der – so schien es mir – mit allen Wassern gewaschene Statthalter des Schwarzwälder Boten in Altensteig. Er war einer der ersten, die mich wahrnahmen und ermunterten. Und gelegentlich war er es, der mich – der ich damals bisweilen noch zu Terminen trampte – die letzten Meter zum Ziel im betagten VW Käfer des Schwarzwälder Boten mitnahm.

Kindheit

Dass er einmal Journalist werden würde, war Manfred nicht in die Wiege gelegt worden. Geboren wurde er kein halbes Jahr nach Ende des zweiten Weltkriegs in Mecklenburg-Vorpommern als Sohn eines kriegsversehrten Landwirts. Manfred geriet indes eher nach der Mutter, einer lebenslustigen Österreicherin, die viel lachte und gerne feierte. Nachdem die Familie enteignet und ihr Hof einer Agrargemeinschaft einverleibt worden war, setzten sich die Könckes – Mama, Papa, Manfred und seine ältere Schwester – 1955 gen Westen ab und kamen so in den Schwarzwald.

Zunächst in Grüntal, dann in Freudenstadt hießen die Ureinwohner die als „Zonenflüchtlinge“ geschmähten Neuankömmlinge aus dem Osten beileibe nicht mit offenen Armen willkommen, und so sah sich der zehnjährige Manfred schon 60 Jahre vor Angela Merkels „Wir schaffen das!“ mit Ressentiments seiner eingeborenen Altersgenossen konfrontiert. Beim Tischtennis und in einer christlichen Jugendgruppe fand er Anschluss.

Werdegang

Der Wechsel aufs Gymnasium wurde Manfred verwehrt – mit dem Hinweis, es müsse „auch gute Hauptschüler geben“. 1962 schloss er die Ausbildung zum Handelskaufmann ab und zog nach Stuttgart. Es folgten eine Reihe von Anstellungen und eine abgebrochene Ausbildung zum Pfarrer. Schließlich verdingte er sich als Postbote und holte an der Abendschule das Abitur nach. 1973 heuerte er in der Anzeigenabteilung des Schwarzwälder Boten in Oberndorf an. Als sein Arbeitgeber 1978 einen Redakteur für Altensteig suchte, bewarb Manfred sich als Quereinsteiger – und der Rest ist ein Stück Heimatgeschichte.

Traumberuf

Anfangs auch für das Anzeigengeschäft dort zuständig, versorgte er seine Leser in und um Altensteig fürderhin mit Nachrichten aus ihrem Umfeld. Er berichtete über Gemeinderatsbeschlüsse, Mitgliederversammlungen, Schulveranstaltungen, Jubiläen und Feste, Konzerte, Theateraufführungen, Brände, Unfälle, Gerichtsverhandlungen – eben über alles, was das Leben in einem Gemeinwesen ausmacht und die Gemüter dort bewegt. Manfred hatte seinen Traumberuf gefunden und ging darin auf. Sein kommunikatives Naturell war ein Pfund, mit dem er wuchern konnte. Er war immer mittendrin, ohne die notwendige Distanz zu verlieren. Und da er kein Blatt vor den Mund nahm, machte er sich beruflich nicht nur Freunde.

Manfred sah Bürgermeister kommen und gehen, überdauerte Vorgesetzte, erlebte, wie Computer Einzug ins Redaktionsgeschäft hielten. So manche Tastatur hauchte ihr Leben unter seinem harten Anschlag in der Erkenntnis aus, dass er das Tippen noch auf mechanischen Schreibmaschinen erlernt hatte.

„Unruhestand“

Nach einer Phase der Altersteilzeit ging Manfred 2010 in Rente, und wenn es den Begriff „Unruhestand“ nicht bereits gegeben hätte, hätte man ihn für ihn erschaffen müssen. Er schrieb als Freier Mitarbeiter so unverdrossen weiter, dass der eine Leser oder die andere Leserin gar nicht merkte, dass der Schwarzwälder Bote seine Redaktion in Altensteig geschlossen hatte. Er lieferte seinen Kollegen in der Nagolder Redaktion Tipps, Hintergrundinformationen, Themenvorschläge und Unmengen von Artikeln.

Privates Glück

Privat hatte Manfred sein Glück 1990 gefunden, als er in einem Tanzlokal seine spätere Frau Heike kennen lernte. Heike brachte einen Sohn mit in die Ehe, eine gemeinsame Tochter kam 1994 zur Welt. Und 2021 wurde Manfred Großvater. Auch wenn der Enkel nicht in direkter Nachbarschaft wohnte, verstanden sich die beiden gut – von gelegentlichen Meinungsverschiedenheiten über die Verteilung von Süßigkeiten einmal abgesehen.

Bis zum Ende

Manfred war ein lebensbejahender, fröhlicher Mensch, der bis zum Schluss mitten im Leben stand. Als der Tod ihn einen knappen Monat vor seinem 80. Geburtstag ereilte, saß er zu Hause in Altensteig vor dem Computer und arbeitete an einem Artikel für den Schwarzwälder Boten.

Manfred Köncke ist tot. Er hinterlässt seine Ehefrau, zwei Kinder, einen Enkel, eine Schwester, bestürzte Kollegen und viele, viele Leser.

Die Trauerfeier findet am Samstag, 11. Oktober, um 10 Uhr auf dem Waldfriedhof in Altensteig statt.

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