Tag des offenen Denkmals Wildberg
: Im Jahr 1769 stürzte eine Seitenwand der Martinskirche ein

Die Martinskirche in Wildberg hat am Tag des offenen Denkmals ihre Tore geöffnet – und ihre Geschichte erzählt. Mit Blick auf Türme, Technik und tiefe Heimatgefühle.
Von
Aylin Kaya
Oberndorf
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Hansjörg Hummel wusste den interessierten Gästen viel Wissenswertes über die Martinskirche zu erzählen.

Aylin Kaya

Beim Tag des offenen Denkmals in Wildberg ging es hoch hinaus: Denn bei der Führung durch die Martinskirche durften die Besucher sogar den Turm besteigen. Dort oben, wo selten ein Blick hinführt, wartete nicht nur eine grandiose Aussicht, sondern auch eine bewegende Verbindung zu acht Jahrhunderten Kirchengeschichte. Rund 40 Gäste kamen – unter ihnen viele Einheimische mit persönlichen Erinnerungen und emotionaler Verbundenheit. Durch die Führung leitete Hansjörg Hummel, ehrenamtlich, mit spürbarer Leidenschaft – und dem charmanten Hinweis, dass er bald seinen 85. Geburtstag feiern darf.

Vom Brand zum Wiederaufbau

Die Martinskirche steht auf historischem Grund. Bereits Mitte des 13. Jahrhunderts wurde an der Hauptstraße unterhalb der Burg eine Kirche errichtet. Beim großen Stadtbrand 1464 wurde sie fast vollständig zerstört. Nur der quadratische Unterbau des Turms mit seinen romanischen Fensteröffnungen blieb erhalten. In nur drei Jahren entstand eine neue, dreischiffige Basilika unter Baumeister Aberlin Jörg. Doch die Bausubstanz war nicht stabil. 1769 stürzte eine Seitenwand ein – das Langhaus musste weichen. Erhalten blieben der Chorraum und die markante achteckige Turmspitze.

Beeindruckt von Geschichte, Baukunst und Ausblick (von links): Bruno Saur, Uwe und Tanja Steimle nach der Führung

Foto: Aylin Kaya

Der Kirchensaal wurde später vom Kirchenrats-Baumeister Wilhelm Friedrich Goez erneuert – schnörkellos im Stil protestantischer Predigtkirchen. Die Orgel mit filigranem Rokokoprospekt gilt als eines der schönsten Kleinode im Land.

Moderne Technik, tiefe Verwurzelung

Beim Fliegerangriff im Zweiten Weltkrieg blieb das Bauwerk verschont, jedoch wurden Fenster und Dachziegel beschädigt. 1954 wurde das renovierte Kirchenschiff eingeweiht, 2015 folgte eine vollständige Innensanierung – mit moderner Infrarotheizung, einem separaten Raum für Kleinkinder, neuen sanitären Anlagen und durchdachten Lichtsystemen.

Bei der Kirchenführung (von links): Peter Roller, Hansjörg Hummel und Werner Hiesinger im Altarraum der Martinskirche – mit Blick auf die prächtige Orgel und das imposante Kruzifix

Foto: Aylin Kaya

„Alle Generationen vor uns haben immer darauf geachtet, das zu erhalten, was ihre Vorgänger aufgebaut haben“, erinnerte Hummel. So gibt es neben dem Hauptschiff auch eine seltene Seitenkapelle. Zu den besonderen Schätzen zählt außerdem das Werk des Künstlers Willy Widmann, der zwei farbgewaltige Glasfenster schuf – eines zeigt den Heiligen Martin, das andere die Fußwaschung Jesu. Seine Widmann-Bibel mit 3333 handgemalten Miniaturen – ein weltweites Unikat – ist ebenfalls in der Kirche ausgestellt.

Ein Ort voller Erinnerungen

Viele Gäste kamen nicht nur wegen der Geschichte, sondern auch wegen ihrer eigenen. Peter Roller etwa erzählte unserer Redaktion: „Ich bin im Nachbarhaus großgeworden. Als kleiner Junge durfte ich einmal mit dem damaligen Mesner auf den Turm – heute war endlich die Gelegenheit, das wieder zu erleben.“

Auch Paul Fritz zeigte sich bewegt: „Ich wurde hier getauft, habe hier geheiratet, wurde konfirmiert – genau wie meine Kinder. Umso schöner, dass ich heute endlich an einer Führung teilnehmen konnte. Vor allem, dass die Kirche schon 800 Jahre alt ist, hat mich beeindruckt.“

Bruno Saur, Uwe und Tanja Steimle lobten die Führung für ihre Tiefe: „Man hat erfahren, wie die Kirche entstanden ist – und warum sie heute so aussieht. Vor allem oben auf dem Turm – das einmal von innen zu sehen, war richtig besonders.“

Und Hansjörg Hummel? Der quittierte all die neugierigen Blicke, Fragen und das Staunen mit einem Lächeln – und sagte zum Schluss: „Es war mir eine Freude. Diese Kirche ist ein Stück Leben für viele Menschen. Und das bleibt sie auch.“

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