SPD besucht Boysen in Simmersfeld
: Rolf Geisel: „Wir setzen darauf, Fachkräfte selbst auszubilden“

SPD-Landtagskandidatin Daniela Steinrode und der baden-württembergische SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch haben den Boysen-Standort BAK Simmersfeld besucht.
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(red/pm)
Oberndorf
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Besuch am Boysen-Standort BAK Simmersfeld (von links): Ursula Utters, Dorit Adar, Till Scharf, Daniela Steinrode, Rolf Geisel, Andreas Stoch, Carl Staud und Marina Ederle

Christian Grimm

Im Mittelpunkt des Besuchs stand zunächst das Gespräch mit Rolf Geisel, der die Boysen Gruppe über mehr als vier Jahrzehnte hinweg zu einem international erfolgreichen Hidden Champion aufgebaut hat – und zugleich als prägende Unternehmerpersönlichkeit für den Industriestandort Baden-Württemberg gilt, heißt es in der Pressemitteilung. Rolf Geisel betonte: „Wir freuen uns sehr, wenn die Landespolitik aus Stuttgart zu uns in den Nordschwarzwald kommt und unsere Anliegen Gehör finden.“

Als langjähriger CEO und heutiger Aufsichtsratsvorsitzender machte Geisel deutlich, dass Industrie weit mehr ist als ein Wirtschaftszweig: „Sie ist das Rückgrat von Wohlstand, Beschäftigung und sozialer Stabilität im Land.“ In den Gesprächen ordnete er die Transformation der Automobilindustrie klar wirtschaftspolitisch ein und betonte, dass nachhaltiger Strukturwandel nur mit verlässlichen Rahmenbedingungen, massiven Investitionen in Forschung und einer klaren industriepolitischen Strategie gelingen könne.

Technologie, Wertschöpfung und Verantwortung

Technologische Exzellenz, Wertschöpfung im Land und Verantwortung gegenüber den Beschäftigten seien dabei untrennbar miteinander verbunden. Geisel hob hervor: „In meinen 40 Jahren als Geschäftsführer habe ich keinen Arbeitsplatz abgebaut. Das ist für mich eine Frage der Verantwortung gegenüber unseren Beschäftigten und der Region.“

Beim Firmenrundgang (von links): Daniela Steinrode, Andreas Stoch, Markus Held, Marina Ederle, Rolf Geisel und Till Scharf

Foto: Christian Grimm

Die Firma Boysen wurde 1921 von Friedrich Boysen gegründet und ist heute als Stiftungsunternehmen organisiert. Weltweit beschäftigt sie rund 5100 Mitarbeitende an 30 Standorten, darunter sechs Entwicklungszentren. „Zu unseren Kunden zählen nahezu alle großen Automobilhersteller – unser treuester Kunde von Beginn an ist BMW“, berichtete Rolf Geisel.

Transformation der Automobilindustrie

Ein zentraler Schwerpunkt des Austauschs war die tiefgreifende Transformation der Automobilindustrie. Rolf Geisel machte deutlich, dass der technologische Wandel eine enorme Herausforderung darstelle, der sich die Boysen Gruppe jedoch bewusst und aktiv stelle.

„Wer Industrie erhalten will, muss heute konsequent in Forschung und Entwicklung investieren“, betonte Geisel. Seit vielen Jahren engagiert sich das Unternehmen aus diesem Grund intensiv in diesem Bereich und fördert über die Friedrich-und-Elisabeth-Boysen-Stiftung zahlreiche Forschungsvorhaben an Universitäten in Stuttgart, Karlsruhe und Dresden, heißt es in der Pressemitteilung. Ziel sei es, neue Technologien marktfähig zu machen und die industrielle Basis langfristig zu sichern. Boysen-CEO Till Scharf ergänzte: „Forschungsergebnisse müssen schnellstmöglich in marktfähige Produkte übersetzt werden, damit neue Technologien erfolgreich industrialisiert werden können.“ Nur so lasse sich der Industriestandort Deutschland langfristig stärken.

Investitionen in neue Geschäftsfelder

Neben ihrem Kerngeschäft Abgastechnik investiert die Boysen-Gruppe gezielt in neue Geschäftsfelder. Dazu zählen neben Batteriegehäusen für E-Fahrzeuge auch Anwendungen im Bereich Wasserstoff. Das Stammwerk im Altensteiger Turmfeld arbeitet bereits seit 15 Jahren energieneutral. In Simmersfeld plant das Unternehmen zudem den Bau eines Windparks. Perspektivisch ist dort auch die Produktion von Wasserstoff mittels Elektrolyse vorgesehen. Rund 900 Beschäftigte hat Boysen in Simmersfeld, insgesamt knapp 2500 im Kreis Calw.

Ein weiteres wichtiges Thema war der Fachkräftemangel. Rolf Geisel machte deutlich, dass dem vor allem durch eigene Ausbildung begegnet werde. Die Boysen Group bilde kontinuierlich Nachwuchskräfte aus und arbeite eng mit Hochschulen zusammen, unter anderem über duale Studiengänge: „Wir setzen darauf, Fachkräfte selbst auszubilden und Wissen langfristig im Unternehmen zu halten.“

Wettbewerbsfähigkeit der Industrie sichern

Daniela Steinrode hob die Bedeutung von Innovation und wirtschaftlicher Vernunft hervor: „Gerade in der aktuellen wirtschaftlichen Lage müssen wir Unternehmen stärken, die Verantwortung übernehmen, investieren und Arbeitsplätze sichern.“ Forschung und Entwicklung seien dabei zentrale Voraussetzungen, um Wertschöpfung im Land zu halten und die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu sichern.

SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch zeigte sich beeindruckt von der Innovationskraft und dem langfristigen unternehmerischen Denken der Boysen-Gruppe. „Baden-Württemberg lebt von einer starken Industrie. Wirtschaftlicher Erfolg, gute Arbeitsplätze und sozialer Zusammenhalt gehören untrennbar zusammen“, erklärte Stoch. Angesichts globaler Konkurrenz und steigender Kosten sei jedoch klar: „Alle müssen bereit sein, bestehende Strukturen zu hinterfragen und auch die eigene Komfortzone zu verlassen.“

Im Anschluss folgte ein Rundgang durch die Produktionsbereiche. Dabei erläuterte Geisel die einzelnen Fertigungsschritte und gab Einblicke in die Produktionsprozesse, Qualitätsanforderungen und technischen Abläufe.

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