„Schäferlauf vergraba“
: Und damit ist der „Gottlieb“ in Wildberg wieder verbrannt

Alle zwei Jahre muss sich die Schäferlaufstadt Wildberg von dem Brauchtumsfest wieder verabschieden. Vor vielen Jahren hat sich der Club der Sackhüpfer gegründet, der mit einem Trauerumzug am Ende des Fests Spenden sammelt. Früher noch für die Armen in der Stadt – in diesem Jahr für den Stadtseniorenrat.
Von
Salome Menzler
Oberndorf
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Mit dem Trauerumzug des Clubs der Sackhüpfer wurde der Schäferlauf „vergraba“ - oder besser gesagt Gottlieb Schäferlauf verbrannt.

Salome Menzler

Seit mehr als 100 Jahren wird der Schäferlauf in Wildberg vom Club der Sackhüpfer verabschiedet. Mit einem Trauerzug ziehen die Mitglieder mit der Stadtkapelle vom Rathaus bis in die Klosteranlage und auf den Schäferlaufplatz. So wie es auch der historische Festzug am Schäferlaufsonntag tut. Dort wird Gottlieb Schäferlauf dann am späten Montagnachmittag „vergraba“, genauer gesagt verbrannt.

Weinend, mit Heulen und Trauerrufen um den armen Gottlieb Schäferlauf der gestorben ist, zieht die Gemeinschaft durch die Straßen der Schäferlaufstadt. Die stark überzeichnete Darstellung scheint zwar extrem – ist aber gerade deshalb mit Humor zu nehmen. Denn die Sackhüpfer zeigen mit dem Trauerzug ihre Verbundenheit zum Schäferlauf. Und wie traurig sie darüber sind, dass das Fest nach vier Tagen zu Ende geht.

Auf dem Festplatz angekommen findet dann die „Beerdigung“ statt. Mit Reden und vielen Tränen wird Gottlieb Schäferlauf verabschiedet und schlussendlich verbrannt. Das symbolisiert das Ende des größten Brauchtumsfests im Nordschwarzwald.

Club sammelt Spenden für Stadtseniorenrat

Wobei die Gäste auch gleich wieder beruhigt werden. Denn der neue Gottlieb Schäferlauf, der in zwei Jahren wieder da sein wird, fährt im Kinderwagen schon bei dem aktuellen Trauerumzug mit. Für einen weiteren Schäferlauf ist also auch vonseiten der Sackhüpfer gesorgt.

Und: Der Club sammelt dabei auch Spenden ein. Denn vor mehr als 100 Jahren konnte es sich nicht jeder leisten beim Schäferlauf etwas zu essen oder zu trinken. Mit den Spenden sollte den ärmeren Bürgern geholfen werden.

Mittlerweile hat sich dieser Gedanke gewandelt, obwohl noch immer gesammelt wird – nur eben für andere Dinge und soziale Organisationen. In diesem Jahr gehen die Spenden beispielsweise an den Stadtseniorenrat. Unter anderem haben die Sackhüpfer mit den Spenden und Gewinnen von internen Vereinsfesten die steinerne Statue am Ortseingang oder einen Schäferwagen für die Ausstellung bei den Vogtsbauernhöfen mitfinanziert.

Wagen macht auf aktuelle Geldsorgen aufmerksam

Mit einem auffälligen Umzugswagen am Schluss der Gemeinschaft lassen es sich die Sackhpüfer allerdings nicht nehmen, auf aktuelle Themen und mutmaßliche Missstände in der Schäferlaufstadt aufmerksam zu machen. In diesem Jahr ging alles ums Geld.

So würden aufgrund des großen Minus im Stadthaushalt an vielen Stellen Finanzmittel gestrichen und Steuern und Gebühren erhöht, während für den Neubau der Nagoldbrücke und einen Kreisverkehr beim neuen „Zentrum Unterstadt“ Millionen ausgegeben werden.

Dazu sei gesagt: Der Brückenneubau ist Sache des Regierungspräsidiums Karlsruhe, der Kreisverkehr laut Stadt die einzige Möglichkeit den multimodalen Verkehrsknotenpunkt am Bahnhof zu lösen. Nichtsdestotrotz müssen die Wildberger mit einigen Erhöhungen zurechtkommen. Darunter die bereits geschehene Erhöhung der Wassergebühren sowie eine Grundsteuererhöhung, um die der Gemeinderat wohl nicht herumkommen wird.

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