Reservisten in Calw: „Wir können nicht alles beschützen“

Zum Neujahrsempfang der Reservistenkameradschaft Calw kamen wieder zahlreiche Gäste aus Gesellschaft, Politik, Militär und Blaulichtorganisationen.
Reservistenkameradschaft CalwMehr als 110 Gäste kamen in das Bad Wildbader Kurhaus zum Neujahrsempfang der Reservistenkameradschaft Calw (RK Calw) innerhalb des Verbandes der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. (VdRBw), einem Verband mit mehr als 115 000 Mitgliedern bundesweit.
Mit vertreten: Blaulichtorganisationen und ausländische Streitkräfte
Als besondere Gäste begrüßte der RK-Vorsitzende, Oberfeldwebel der Reserve Joachim Kränzle, dieses Mal unter anderem den stellvertretenden Kommandeur des Kommando Spezialkräfte (KSK), Oberst i.G. Peter Küpper, die italienische Generalkonsulin Laura Lamia, den Innen-Staatssekretär und Calwer Landtagsabgeordneten Thomas Blenke, den Böblinger Landtagsabgeordneten Hans Dieter Scheerer und den Vorsitzenden der VdRBw-Landesgruppe Baden-Württemberg, Oberst der Reserve Joachim Fallert, heißt es in der Pressemitteilung. Mit dabei waren neben Vertretern der Blaulichtorganisationen auch wieder Vertreter ausländischer Streitkräfte: vom Unteroffizierverein Zürich, vom italienischen Nationalen Institut des Blauen Bandes und von der US-Armee.
Appelle an den US-Vertreter
Unter dem Eindruck der US-Operation in Venezuela und der Aussagen des US-Präsidenten zur Einnahme Grönlands richteten alle Redner an diesem Nachmittag auch Appelle an den US-Vertreter. Die Hauptbedrohung gegenüber Deutschland liege jedoch weiterhin in Russland, was vor allem der stellvertretende Kommandeur KSK verdeutlichte: „Man kann einen einzigen Drohnenflug über einer deutschen Kaserne in Frage stellen, aber die Masse an Sabotageaktionen lässt niemanden mehr zweifeln, dass Russland gegen uns arbeitet. Wenn mehr als 40 Drohnen über einer militärischen Liegenschaft gesichtet werden, dann ist das kein Dummer-Jungen-Streich mehr. Dann ist das eine gezielte Aktion.“
Oberst d. R. Fallerts Antwort auf die heutigen Bedrohungen: eine starke Reserve. Er hoffe, dass Baden-Württemberg endlich ein Landesregiment innerhalb der Heimatschutzdivision aufstelle. Um die Verteidigungsfähigkeit zu stärken, müssten auch die Bundesländer aktiv werden, betonte Staatssekretär Blenke, der auf das neue Gesetz zur Förderung von Bauvorhaben der Bundeswehr verwies. Es erlaube der Bundeswehr, Bauvorhaben schneller durchzuführen, was insbesondere mit Blick auf den neuen Wehrdienst wichtig sei.
Ausreichend Wasser, Lebensmitteln und Kerzen
RK-Vorsitzender Joachim Kränzle sagte, er sehe die Reserve in sehr gutem Zustand, wenn er sich seine Reservistenkameradschaft anschaue. Dennoch mahnte er, dass die Gesellschaft verstehen müsse, dass die Reserve zwar für den Heimatschutz und damit den Schutz kritischer Infrastruktur zuständig sei, aber terroristische Anschläge – wie zuletzt auf das Berliner Stromnetz – sich nur schwer bis gar nicht verhindern ließen. „Wir können nicht alles beschützen“, unterstrich Kränzle und rief dazu auf, sich deshalb mit Hilfe der kostenlosen, kürzlich aktualisierten Infobroschüren des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe mit ausreichend Wasser, Lebensmitteln, Kerzen und anderen Gegenständen einzudecken.
Zusammenarbeit mit dem Katastrophenschutz
Schon lange arbeitet die Reserve mit den Organisationen des Zivil- und Katastrophenschutzes sehr eng zusammen, was an diesem Nachmittag für Marc Stahl, Ortsbeauftragter des Technischen Hilfswerkes in Calw, Anlass war, Kränzle eine Ehrenplakette zu überreichen. Auch der italienische Vertreter überreichte an die Reservistenkameradschaft Calw eine solche Plakette.
Kürung des Reservisten des Jahres
Im Rahmen von Ehrungen wurden die Sieger der Vereinsmeisterschaft im Schießen sowie der „Reservist des Jahres“ gekürt. Letztere Auszeichnung wurde für 2025 gleich viermal vergeben – nämlich an die Wettkampfmannschaft der RK Calw, die bei nationalen und internationalen Militärwettkämpfen mittlerweile zu den Top-Mannschaften gehört. Bei der berühmt-berüchtigten Orientierungsübung „Eiswolf“ 2025 waren die Calwer die schnellste Mannschaft und belegten in der Gesamtpunktzahl den zweiten Platz. 40 Mannschaften mit 170 Reservisten und aktiven Soldaten legten beim Eiswolf 2025 in etwas mehr als 24 Stunden jeweils über 60 Kilometer zurück und bewältigen neun herausfordernde Stationen. Dabei wurden sie teilweise gejagt und mit Drohnen aufgespürt, so dass es nur 29 Mannschaften bis ins Ziel schafften.
Der Neujahrsempfang wurde von der Orchestervereinigung Calmbach musikalisch umrahmt.