Oberreichenbacher Jahreskalender: Ein Blatt zeigt Kunst am Fachwerkbau

Das September-Blatt zeigt das alte Bauernhaus von 1612 nahe dem Ortsrand von Oberkollbach in Richtung Unterkollbach.
Hans SchabertEs steht fast am Ortsende von Oberkollbach nach Unterkollbach, das Bauernhaus aus dem Jahr 1612. Abgebildet ist es auf dem aktuellen September-Blatt des Kalenders „Unsere Gemeinde Oberreichenbach“. Der Fachwerkbau zählt zu den ältesten Häusern des Dorfes.
Zu lesen ist auf dem Kalenderblatt: „Erbaut wurde das alte Bauernhaus in Oberkollbach aus Gerechtigkeitsholz vom Kloster Hirsau. […] 1958 entstanden die Wandmalereien von einem Kunstmaler aus Calmbach.“ Die bunten Bilder, welche unter den drei Fenstern die zum Ort hin gewandte Fassade zieren, zeigen Wald- und Feldarbeit in Zeiten, als es noch nicht mit dem Vollernter in den Wald und dem Mähdrescher zur Getreideernte ging.
Nach dem Krieg kaum Aufträge
Ein im neunten Lebensjahrzehnt stehender, unweit entfernt wohnender Nachbar erinnert sich, dass der Maler, der die Kunstwerke seines Wissens schon 1952 geschaffen haben soll, Bott geheißen hat. Bei ihm könnte es sich um Bruno Bott (1920 bis 2016) gehandelt haben. Denn dazu passt, was der „Enztäler“ aus Anlass von dessen 90. Geburtstag berichtete: „Nach seiner Malerlehre im Betrieb des Vaters Karl Bott hatte er den Kriegsdienst in Afrika zu absolvieren, wo er im Jahr 1943 in Gefangenschaft geriet. Im Jahre 1947 legte er vor der Handwerkskammer Reutlingen die Meisterprüfung ab. Da die Aufträge unmittelbar nach dem Krieg nicht gerade üppig waren, entdeckte Bott seine künstlerische Begabung. Er fertigte künstlichen Bernstein-Schmuck an, modellierte Büsten und Gesichtsmasken und stellte schließlich Wappen und ähnliche Werkstücke her, die öffentliche Räume schmücken.“
Es handelt sich schon um einen besonderen Kalender, der allerhand außergewöhnliches Historisches zeigt, beschreibt und mit der Gegenwart verbindet. So war im Juli auf dem mit altem und gegenwärtigem Foto illustrierten Monatsbogen zu lesen, dass der „Hirsch“ in Oberkollbach auf eine 100-jährige Tradition zurückblickt. Die Grußadresse von 1995 des damaligen Bürgermeisters Dietmar Greif an die Familie Bäuerle zum 30-jährigen Betriebsjubiläum von 1995 ist original mit abgedruckt.
Im Oktober ist neben Würzbacher Trachten zeigenden Bildpostkarten aus alten Tagen das 1747 in Naislach erbaute Jagdschlösschen des württembergischen Herzogs zu sehen, wie dieser schon Jahre zuvor ein ähnliches in Neuweiler-Hofstett hatte errichten lassen.
Alle Ortsteile berücksichtigt
Der Kalender 2025 für Oberreichenbach mit seinen rund 40 auf 30 Zentimeter großen Bildseiten wurde von den Arbeitskreisen „Lebensqualität durch Nähe“ der Gemeinde erstellt und erfasst alle Ortsteile. Das Vorhaben stand unter der Regie von Birgit Möllnitz. „Ich bin nicht der alleinige ‚Macher‘ dieses Kalenders“, unterstrich sie bescheiden nach dessen Erscheinen. Viel Hilfe und gute Gespräche in der Gemeinde hätten zu dem Werk geführt. Sie habe ja nur alles gebündelt. „Damit der Kalender nach dem Druck richtig gut aussieht, hatte ich Hilfe von dem früheren Buchdrucker Werner Kraft aus Maisenbach-Zainen“, ergänzt sie. Unterstützt wurde das Vorhaben auch von der Alterswehr Oberreichenbach und dem Kreisgeschichtsverein Calw. Eine Förderung aus dem Landesprogramm „Gemeinsam engagiert in BW I“ hatte das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration bewilligt.