Konjunkturbericht Herbst 2026: Wirtschaft im Nordschwarzwald stabilisiert sich – aber...

Während der Heimatmarkt noch schwächelt, läuft der Export wieder an. Davon profitiert die Industrie im Nordschwarzwald.
Bernd Weißbrod/dpa- IHK-Umfrage Herbst 2026: Wirtschaft im Nordschwarzwald stabilisiert sich, Aufschwung fehlt.
- Auftragseingänge drehen ins Plus, Export legt zu, Inlandsnachfrage bleibt schwach.
- Umsätze steigen, Erträge weiter unter Druck durch Energie-, Rohstoff- und Arbeitskosten.
- Investitionsabsichten wieder positiv, Fokus auf Ersatz, Digitalisierung und Modernisierung.
- Erwartungen hellen sich auf – Industrie optimistischer, Beschäftigungspläne bleiben verhalten.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Die Wirtschaft im Nordschwarzwald gewinnt wieder an Boden; das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald. Auftragseingänge, Investitionsabsichten und Erwartungen entwickeln sich günstiger als noch im Frühjahr.
Von einem breit getragenen Aufschwung kann jedoch noch keine Rede sein, teilt die IHK mit. Die Erträge vieler Unternehmen blieben unter Druck, die Inlandsnachfrage sei schwach und bei Neueinstellungen blieben die Unternehmen zurückhaltend.
„Die Wirtschaft im Nordschwarzwald stabilisiert sich. Für einen nachhaltigen Aufschwung braucht es jetzt verlässliche Wachstums- und Investitionsperspektiven“, betont Claudia Gläser, Präsidentin der IHK Nordschwarzwald.
Das ist das zentrale Ergebnis der Herbst-Konjunkturumfrage 2026 der IHK Nordschwarzwald, an der rund 90 Unternehmen teilnahmen. Der Saldo der aktuellen Geschäftslage liegt bei +2,3 Punkten und damit leicht unter dem Niveau des Frühsommers (+3,0), aber deutlich über dem Vorjahreswert (−0,5).
Auftragseingänge drehen wieder ins Plus
Ein besonders wichtiges Signal kommt von den Auftragseingängen. Ihr Saldo verbessert sich von −8,2 Punkten im Frühsommer auf +2,1 Punkte im Herbst. Vor einem Jahr hatte er noch bei −16,0 Punkten gelegen. Der positive Wert deutet damit eher auf einen Wendepunkt hin, auch wenn noch nicht von einem Nachfrageboom gesprochen werden kann.
In der Industrie zeigt sich eine klare Zweiteilung: Die Auslandsaufträge erreichen einen Saldo von +10,5 Punkten, die Inlandsaufträge bleiben mit −13,1 Punkten deutlich negativ. Die industrielle Stabilisierung wird derzeit somit stärker vom Export getragen als von einer Belebung des Heimatmarktes.
„Die Industrie hellt sich auf, getragen vor allem vom Export. Ein breiter Aufschwung braucht aber auch mehr Inlandsnachfrage und eine höhere Auslastung“, so IHK-Präsidentin Claudia Gläser.
Umsätze steigen, Erträge bleiben unter Druck
Der Umsatzsaldo steigt von +5,9 auf +7,0 Punkte und erreicht damit den besten Wert seit Jahresbeginn 2023. Auch die Ertragslage verbessert sich seit ihrem Tiefstand von −29,8 Punkten im Frühsommer 2025 kontinuierlich, bleibt mit aktuell −7,4 Punkten aber negativ.
Steigende Umsätze kommen damit noch nicht vollständig bei den Erträgen an. Hohe Energie-, Rohstoff- und Arbeitskosten belasten weiterhin die Margen und lassen sich nur begrenzt über höhere Verkaufspreise weitergeben.
„Die Umsätze stabilisieren sich, doch die Erträge hinken hinterher. Hohe Kosten und begrenzte Preisspielräume drücken weiter auf die Margen vieler Unternehmen“, sagt Tanja Traub, Hauptgeschäftsführerin der IHK Nordschwarzwald.
Das Risikobild verschiebt sich: Kosten rücken wieder nach vorn
Die schwache Inlandsnachfrage bleibt mit 64,3 Punkten das am häufigsten genannte Risiko, wird aber deutlich seltener genannt als zu Jahresbeginn 2026 (83,2) und im Herbst 2025 (75,5). Gleichzeitig rücken die Energiepreise wieder stärker in den Vordergrund. Ihr Wert steigt von 38,8 zu Jahresbeginn auf 63,6 im Herbst. Die Arbeitskosten bleiben mit 56,2 ebenfalls auf hohem Niveau.
Geopolitische Spannungen werden mit 42,2 zwar weiterhin häufig genannt, aber deutlich seltener als im Frühsommer (59,6). Damit lässt der Nachfragedruck etwas nach, während der Kostenblock die Erholung weiterhin begrenzt.
Beschäftigungsabsichten bleiben verhalten
Die Unternehmen planen weiterhin zurückhaltend mit Personal. Der Saldo der Beschäftigungsabsichten liegt mit −19,9 Punkten weiterhin deutlich im negativen Bereich und verbessert sich gegenüber dem Frühsommer (−21,5) nur leicht.
Diese Zurückhaltung zeigt sich auch am Arbeitsmarkt: Die Zahl der offenen Stellen liegt weiterhin unter dem Vorjahresniveau. Neueinstellungen bleiben damit vielerorts die Ausnahme. Die wirtschaftliche Stabilisierung schlägt sich damit bislang noch nicht in einer höheren Einstellungsbereitschaft nieder.
Investitionen entwickeln sich wieder positiver
Die Investitionsabsichten haben sich im Herbst spürbar verbessert. Der Saldo steigt von −6,7 Punkten im Frühsommer auf +3,8 Punkte und liegt damit erstmals seit längerer Zeit wieder im positiven Bereich.
Die Unternehmen investieren derzeit jedoch vor allem in Modernisierung, Digitalisierung und den Ersatz bestehender Anlagen. Der Aufbau zusätzlicher Kapazitäten spielt dagegen weiterhin eine untergeordnete Rolle.
„Die Investitionsabsichten drehen ins Plus. Noch geht es aber vor allem um Ersatz, Digitalisierung und Modernisierung, nicht um neue Kapazitäten“, erläutert Traub.
Industrie blickt wieder optimistischer nach vorn
Der Blick in die kommenden Monate fällt deutlich optimistischer aus. Der regionale Erwartungssaldo steigt von −6,6 Punkten im Frühsommer auf +5,2 Punkte.
Besonders ausgeprägt fällt die Wende in der Industrie aus. Dort steigt der Erwartungssaldo von −14,2 Punkten im Frühsommer auf +13,7 Punkte im Herbst und dreht damit deutlich ins Plus. Die Unternehmen rechnen zudem mit steigenden Umsätzen in den kommenden Monaten (+21,1 Punkte). Das ist ein wichtiges Frühzeichen. In Handel und Gastgewerbe sind die Erwartungen ausgeglichen, während die Dienstleistungen mit −6,4 Punkten leicht im Minus liegen.
„Auftragseingänge, Investitionen und Erwartungen zeigen nach oben. Gleichzeitig bleiben Erträge und Beschäftigungspläne vieler Unternehmen unter Druck. Die Erholung ist erkennbar, ihr Fundament bleibt jedoch noch fragil“, sagt Traub.
Lage in ausgewählten Wirtschaftszweigen
Das Branchenbild bleibt im Herbst 2026 unterschiedlich.
Die beste aktuelle Geschäftslage verzeichnet das Gastgewerbe mit einem Saldo von +18,8 Punkten. Auch die Dienstleistungswirtschaft (+7,1 Punkte) und der Handel (+6,7 Punkte) bewerten ihre aktuelle Lage positiv, wobei die Dienstleistungen gegenüber dem Frühsommer (+22,1) deutlich an Dynamik verloren haben.
Im Produzierenden Gewerbe setzt sich die Erholung fort. Der Geschäftslagesaldo verbessert sich auf −2,1 Punkte, nachdem er im Herbst 2025 noch bei −13,0 Punkten gelegen hatte. Die Industrie arbeitet sich damit Schritt für Schritt aus der Schwächephase heraus, auch wenn die Kapazitätsauslastung weiterhin unterdurchschnittlich bleibt.
Aus Stabilisierung muss Wachstum werden
Die Herbstumfrage zeigt eine vorsichtige Stabilisierung, aber noch keinen selbsttragenden Aufschwung. Auftragseingänge, Investitionsabsichten und Erwartungen entwickeln sich günstiger als noch zu Jahresbeginn. Gleichzeitig bleiben Inlandsnachfrage, Ertragslage und Beschäftigungspläne vieler Unternehmen schwach.
„Die Unternehmen brauchen jetzt Verlässlichkeit und entschlossenes Handeln. Die angekündigten Reformen dürfen nicht in politischen Auseinandersetzungen stecken bleiben, sondern müssen zügig umgesetzt werden, damit aus der Stabilisierung nachhaltiges Wachstum werden kann“, betont Gläser.
Aus Sicht der IHK kommt es nun vor allem auf verlässliche Rahmenbedingungen für private Investitionen an. Dazu gehören schnellere Genehmigungsverfahren, weniger Bürokratie, wettbewerbsfähige Energiepreise sowie der zügige Ausbau von Verkehrs-, Energie- und Digitalinfrastruktur.