Klinikverbund Südwest erklärt
: Diese Warnzeichen deuten auf eine lebensgefährliche Sepsis hin

Am 13. September ist Welt-Sepsis-Tag. Der Klinikverbund Südwest, zu dem auch die Krankenhäuser in Calw und Nagold gehören, informiert über die tückische Krankheit.
Von
red/pm
Kreis Calw
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Notfallzentrum

Eine Sepsis ist ein lebensbedrohlicher Notfall.

Lino Mirgeler/dpa
  • Klinikverbund Südwest warnt zum Welt-Sepsis-Tag: Sepsis ist ein lebensbedrohlicher Notfall.
  • Frühzeichen: niedriger Blutdruck, schnelle Atmung, neue Verwirrtheit bei vermuteter Infektion.
  • qSOFA-Screening erfolgt routinemäßig, Diagnostik startet sofort, Proben und Laborbefunde folgen.
  • Therapie beginnt früh mit Breitband-Antibiotikum – jede Stunde zählt, um Organschäden zu verhindern.
  • Besonders gefährdet sind ältere und vorerkrankte Menschen, bei Verschlechterung sofort Hilfe holen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Eine Blasenentzündung, eine Lungenentzündung, eine infizierte Wunde: Was zunächst nach einem lokal begrenzten Infekt aussieht, kann sich innerhalb kurzer Zeit zu einem lebensbedrohlichen Notfall entwickeln.

Darauf macht der Klinikverbund Südwest, zu dem auch die Krankenhäuser in Calw und Nagold gehören, zum Welt-Sepsis-Tag am 13. September aufmerksam.

Gerade zu Beginn nicht immer zu erkennen

Eine Sepsis wird umgangssprachlich häufig als „Blutvergiftung“ bezeichnet. Tatsächlich handelt es sich um eine lebensbedrohliche Organdysfunktion, die Reaktion des Körpers auf die Infektion gerät außer Kontrolle. Ausgangspunkt kann nahezu jede Infektion sein.

Das Tückische daran: Gerade zu Beginn ist sie nicht immer eindeutig zu erkennen. Zum Welt-Sepsis-Tag weist der Klinikverbund deshalb auf die Warnzeichen hin – und darauf, warum bei einem Verdacht jede Stunde zählt.

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Routinemäßig ein Screening

„Wird ein Patient bei uns aufgenommen, machen wir routinemäßig ein Screening. Auch, wenn der Patient wegen eines anderen Krankheitsbildes oder einer Verletzung eingeliefert wird“, erklärt Hubert Mörk, Chefarzt des Zentrums für Gastroenterologie/Onkologie Nagold. „Wir erheben den sogenannten qSOFA-Score, er berücksichtigt drei Parameter: einen systolischen Blutdruck von 100 mmHg oder weniger, eine erhöhte Atemfrequenz von mindestens 22 Atemzügen pro Minute sowie eine neu aufgetretene Verwirrtheit oder Bewusstseinsveränderung. In Verbindung mit einer vermuteten Infektion können diese Auffälligkeiten wichtige Hinweise auf eine Sepsis geben.“

Bestehe der Verdacht, beginne die weitere Diagnostik unmittelbar. Blut und Urin würden untersucht, um Hinweise auf die Infektion und den möglichen Erreger zu erhalten. Ein Vorteil seien dabei die kurzen Wege innerhalb des Klinikverbundes: Das KVSW-eigene Labor könne wichtige Untersuchungsergebnisse schnell zur Verfügung stellen.

Auf sämtliche Befunde zu warten, wäre bei einem begründeten Sepsisverdacht jedoch zu riskant. „Wenn wir eine Sepsis vermuten, verlieren wir keine Zeit“, erklärt  Mörk. „Wir nehmen die notwendigen Proben ab und beginnen dann mit einer kalkulierten Antibiotikatherapie, es kommt ein Breitband-Antibiotikum zum Einsatz, um den Erreger zu bekämpfen, noch bevor wir ihn tatsächlich kennen. Denn je länger eine Sepsis unbehandelt fortschreitet, desto größer ist die Gefahr, dass Organe geschädigt werden und schließlich versagen.“

Tatsächlich gehört im Zentrum für Gastroenterologie/Onkologie in Nagold die Sepsis zum medizinischen Alltag: Sie tritt sowohl als Hauptdiagnose als auch begleitend zu anderen Erkrankungen regelmäßig auf. Knapp 100 Fälle werden jedes Jahr allein im Zentrum für Gastroenterologie/Onkologie in Nagold behandelt.

Nicht zu lange abwarten

Besondere Aufmerksamkeit ist bei Menschen geboten, die aufgrund ihres Alters oder bestehender Erkrankungen weniger Reserven haben. Dazu gehören insbesondere ältere, mehrfach oder chronisch erkrankte Menschen. Bei ihnen können Infektionen zudem weniger typisch verlaufen.

Mörks Kollege, Andreas Ostermeier, Chefarzt des Zentrums für Anästhesie und Intensivmedizin Sindelfingen, Böblingen, rät, bei einer deutlichen Verschlechterung des Allgemeinzustandes nicht zu lange abzuwarten: „Wenn ein älterer oder vorerkrankter Mensch mit einem Infekt plötzlich auffallend schwach oder verwirrt ist, oder sein Zustand sich deutlich verschlechtert, muss das zügig medizinisch abgeklärt werden.“

Auch Patienten können zur Sicherheit beitragen

Zeit sei ein entscheidender Faktor. „Die Sepsis ist ein sehr komplexes und hochdramatisches Krankheitsbild. Patienten, die eine Sepsis überstanden haben, kämpfen häufig über längere Zeit hinweg mit Beeinträchtigungen. Wir führen kontinuierlich interdisziplinäre Schulungen durch, zusätzlich auch Symposien mit externen Referenten, wie zuletzt im Frühjahr dieses Jahres.“ Die Kenntnis aktueller Forschungsergebnisse, langjährige Erfahrung und eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit seien grundlegend für eine erfolgreiche Therapie.

Auch Patienten sowie Angehörige können übrigens zur Sicherheit beitragen: Infektionen sollten insbesondere bei älteren, chronisch oder mehrfach erkrankten Menschen aufmerksam beobachtet werden. Verschlechtert sich der Allgemeinzustand deutlich oder kommen Warnzeichen wie Verwirrtheit, Atemnot und/oder auffällig schnelle Atmung oder Kreislaufprobleme hinzu, sollte rasch medizinische Hilfe gesucht werden.