Kinderbetreuung im Kreis Calw: Kein Bedarf an Kindertagespflege?

Um die Kinderbetreuung ging es im Jugendhilfeausschuss (Symbolbild).
Sebastian Kahnert/dpaEs ist wenige Jahre her, da waren alle Kommunen im Landkreis in einer ähnlichen Situation. Immer mehr Kinder kamen auf die Welt, immer mehr Betreuungsplätze wurden benötigt. Die Gemeinden kamen mit dem Ausbau kaum hinterher. Gleichzeitig setzte der Rechtsanspruch der Eltern auf einen Betreuungsplatz für ihre Kinder die Verwaltungen unter Druck. So schnell ließen sich Kindergärten nicht ausbauen, geschweige denn konnte so schnell ausreichend Personal gefunden werden.
Private Angebote
Kreis und Kommunen bot sich eine elegante Lösung: private Angebote von Tagesmüttern und -vätern. So konnten flexibler und kurzfristig neue Kapazitäten geschaffen werden. Der Landkreis zahlt für diese Angebote. Für die Höhe dieser Auszahlung gab es Empfehlungen der kommunalen Spitzenverbände. Doch die unterschieden sich für Betreuungsangebote im Kleinkind- und Kindergartenalter. Für ältere Kinder gab es pro Stunde 50 Cent weniger. Das sah der Landkreis als unfair an, bezahlte für beide Angebote das Gleiche. Die Differenz musste er aber aus eigener Tasche begleichen. 40 000 Euro kostet das den Kreis Calw jährlich.
Rückläufige Geburtenzahlen
Nun sprach Sozialdezernent Tobias Haußmann das Thema im Jugendhilfeausschuss an. „Seit zwei Jahren machen sich rückläufige Geburtenzahlen bemerkbar“, sagte er. Es stehe in der Kinderbetreuung ein „massiver Strukturwandel“ bevor. Nicht mehr der Ausbau der Angebote, sondern Förderung und Inklusion stehe künftig im Fokus. Die strukturellen Veränderungen werde der Landkreis auch nicht mit Geld aufhalten. Was die privaten Kindertagespflegeangebote angeht, wurde Haußmann deutlich: „Nicht alle werden wirtschaftlich überleben.“ Zumal der Kreis keine Konkurrenz zu kommunalen Angeboten finanzieren wolle. Im Klartext: Haußmann argumentierte dafür, die zusätzliche 50-Cent-Förderung zu streichen.
Qualifizierte Kräfte für die Ganztagesbetreuung
Bernhard Plappert (CDU) sah ebenfalls eine „Bedarfsveränderung“ in der Kindertagespflege. Es sei nicht die Aufgabe des Staates, das zu kompensieren. Allerdings könne man mit den privaten Anbietern frühzeitig das Gespräch suchen. Denn absehbar würden für die Ganztagsbetreuung in den Grundschulen qualifizierte Kräfte benötigt. Das wäre für diese Menschen dann eine Alternative.
Rita Locher (FWV) positionierte sich klar für die 50-Cent-Förderung, Simon Klass (CDU) klar dagegen. „Ich kann das aus logischer Sicht nicht nachvollziehen“, so Klass. Es sei ursprünglich um die „Gleichberechtigung“ der Angebote gegangen. Allerdings lägen die von den Spitzenverbänden empfohlenen Stundensätze pro Kind je nach Altersgruppe mittlerweile nach diversen Erhöhungen noch weiter auseinander. Da könne man die Förderung gleich ganz streichen.
Andrea Perschke (Diakonie) erinnerte daran, dass diese Angebote den Kommunen viele Gerichtskosten gespart hätten. Ohne sie hätte der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz nicht erfüllt würden können. Und sie sah die privaten Anbieter in einer guten Position, auch bei sinkendem Bedarf. „Diese Frauen brauchen kein Netz. Die gehen einfach in ihren Ursprungsberuf zurück“, sagte sie. Bei zwei Gegenstimmen entschied sich der Ausschuss für die Beibehaltung der 50-Cent-Förderung.