Für Fuchs, Wildschwein und Co.: Darum hat Calw jetzt einen Jäger für Wohngebiete und Schulgärten

Frank Schöninger ist ab sofort Ansprechpartner für Wildtierfragen in befriedeten Bezirken.
SchöningerEgal ob Fuchs, Wildschein oder Reh: Wildtiere sind seit einigen Jahren in Städten auf dem Vormarsch. Doch was tun, wenn es zu Konflikten kommt? Die Stadt Calw setzt für solche Fälle künftig einen Stadtjäger ein.
Damit soll „ein starkes Zeichen für modernes Wildtiermanagement und den verantwortungsvollen Umgang mit Natur und Mitbürgern“ gesetzt werden, heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Stadt. „Mit Frank Schöninger begrüßen wir unseren ersten Stadtjäger.“
Überall dort, wo nicht regulär gejagt werden darf
Schöninger agiere gewerblich und werde von der Stadt Calw eingesetzt – und zwar ausschließlich in befriedeten Bezirken. Konkret: in Wohngebieten, Schulgärten, auf Friedhöfen oder Gewerbeflächen. Also überall dort, wo nach Paragraf sechs des Bundesjagdgesetzes nicht regulär gejagt werden darf, „weshalb eine rechtssichere und fachkundige Unterstützung wie durch den Stadtjäger notwendig ist“, heißt ein der Mitteilung weiter.
Der Griff zur Waffe – oder die „rechtssichere Entnahme“, wie es im Fachjargon heißt – erfolge dabei indes nur als allerletzter Schritt. Schöningers Aufgaben umfassen weit mehr. Er berate Kommunen, Haus- und Grundstückseigentümer bei Fragen rund um Wildtiere – von Fuchs und Waschbär bis Wildschwein.
Sollten Wildtiere auffällig werden oder Schäden verursachen, kümmere sich der Stadtjäger um vorbeugende Maßnahmen oder versuche, die Tiere zu vertreiben – „stets mit Augenmaß und im Sinne des Tierschutzes“, betont die Stadt.
Schöninger arbeite dabei enge mit den Jagdrevierpächtern zusammen; informiere diese auch über jeden Einsatz.
„Nur im Miteinander kann Wildtiermanagement nachhaltig und konfliktfrei funktionieren“, ist er überzeugt. „Ich verstehe mich als Mittler zwischen Mensch und Wildtier – mein Anspruch ist es, aufzuklären, zu beraten und gemeinsam tragfähige Lösungen zu finden. Fachlich fundiert, rechtssicher und tierschutzgerecht.“
Kein konkreter Vorfall
Dass ein Stadtjäger auch in Calw durchaus zu tun haben dürfte, zeigen nicht zuletzt zwei Beispiele aus der Vergangenheit. 2017 etwa hatte ein Fuchs sich tagsüber in einem Garten im Vorstadtweg in der Kernstadt herumgetrieben und nach einer Frau geschnappt.
Und im Sommer 2018 war ein Reh in einem Garten zwischen der viel befahrenen Stuttgarter Straße und der Langen Steige in Calw aufgetaucht. Als sich das Tier bis an den Gartentisch heranwagte und sich über die Blumentöpfe hermachte, wurde es in Richtung Wiesen hinausgetrieben.
Dass die Stadt nun einen Stadtjäger beschäftigt, habe aber keinen konkreten Vorfall zum Hintergrund, berichtet Tim Strobel, Leiter der Stabstelle Strategie und Projekte, auf Anfrage unserer Redaktion.
Die gesetzliche Grundlage für Stadtjäger sei bereits 2017 im Jagd- und Wildtiermanagementgesetz verankert worden. In diesem Zug sei Kommunen empfohlen worden, „die Möglichkeit der Beratung und Unterstützung durch diese wahrzunehmen, um dem Trend der zunehmenden Urbanisierung von Wildtieren gerecht zu werden“, erklärt Strobel.
Calw habe sich nun entschieden, das umzusetzen – um für den Fall der Fälle gerüstet zu sein. „Für uns ergibt sich der konkrete Vorteil, dass wir bei Vorfällen eine bürokratiearme, rechtssichere und das Tierwohl berücksichtigende Lösung quasi griffbereit haben“, führt der Leiter der Stabstelle Strategie und Projekte abschließend aus.
Kontakt für Bürgeranfragen und Beratung: Frank Schöninger – Stadtjäger Calw fs@stadt-land-jagd.de, Telefon 07056/7 72 23 37
