Flugtag in Wildberg
: Das große Schaufliegen am Wächtersberg

Rund 3000 Besucher ließen sich von den Darbietungen beim Flugtag des Flugsportvereins Wächtersberg in Wildberg faszinieren.
Von
Aylin Kaya
Oberndorf
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Ob historische Maschinen, Modellflieger, Kunstflüge oder Fallschirmsprünge - die Zuschauer kamen beim Flugtag auf dem Wildberger Wächtersberg aus dem Staunen nicht heraus.

Aylin Kaya

Über der Wiese lag das leise Summen gespannter Erwartung. Dann hob das erste Flugzeug ab – und was folgte, war ein dramaturgisch inszeniertes Schauspiel aus Rauch, Rotoren und Rundflugträumen. Der Flugsportverein Wächtersberg, seit 1929 Luftsportinstitution der Region, hatte am Sonntag zum großen Flugtag 2025 geladen – und rund 3000 Besucher waren dem Ruf gefolgt.

Neben historischen Maschinen und Modellfliegern war es vor allem die feinsäuberlich abgestimmte Choreographie aus Motorkunstflug, Segelakrobatik, Fallschirmsprung und Oldtimerflair, die diesen Tag unvergesslich machte. Alles begann mit einem perfekt getakteten Absprung des FSC Calw aus einer Cessna Caravan – zwölf Springer, zwei Gruppen, ein rollendes Tor, ein magischer Moment.

Moderator Martin Losberger führte präzise und kenntnisreich durch das Programm. Zwischen Modellflugstarts und Full-Scale-Kunstflugmaschinen wurde informiert, eingeordnet, begeistert – mit Anekdoten und Expertise gleichermaßen.

Die Magie des Segelkunstflugs

„Beim Motorkunstflug grölt der Motor. Beim Segelkunstflug ist es wie Musik – lautlos, präzise, im Einklang mit der Natur“, erklärte Christian Hartmann, Fluglehrer und selbst Pilot. Seine Pilatus B4 – ein Ganzmetall-Segler von 1977 – wurde meisterhaft von Kunstflugfreund Patrick Hagel geflogen. Nur Thermik, Gravitation, Gänsehaut.

Ein Kontrast dazu: Michael Rosport mit seiner gelben Christen Eagle II (N828DM), einem Doppeldecker für kompromisslosen Kunstflug. „Das ist Yoga der Lüfte“, verriet der Pilot, der seit seinem zwölften Lebensjahr fliegt – nächstes Jahr feiert er 50 Jahre im Cockpit. Seine Darbietung: präzise, pulsierend, poetisch. Sein Fazit: „Ein wundervoller Flugtag, eine starke Gemeinschaft – so etwas macht richtig Lust, wiederzukommen.“

Faszination nicht nur in der Luft

Nicht nur in der Luft, auch am Boden wurde Geschichte erlebbar: 230 klassische Fahrzeuge, darunter über 50 Mopeds und 41 Traktoren mit zwölf Lanz Bulldoggen. Modelle wie Audi 80 B1, BMW 2002, Opel Kadett, Zündapp KS 50, Kreidler Florett, Hercules KX5, Fendt Dieselross oder Mercedes W115 ließen Sammlerherzen höher schlagen. „Eine sagenhafte Dichte an Oldtimern an einem Fleck. Das ist deutsche Geschichte zum Anfassen,“ staunte Roland Reinhard, Ideengeber der Fahrzeugausstellung und selbst Sammler mit Leidenschaft. Gäste wie Marc und Wolfgang Harthauer sagen es so: „Oldtimer ist Kultur.“

Die Organisation? Höchstleistung auf Vereinsniveau: temporäre Luftraumsperrungen, DFS-Abstimmungen, Sicherheitsbriefings – alles lief wie geschmiert. Selbst ein technischer Zwischenfall mit dem Strom wurde überbrückt. Und während auf dem Rollfeld Heißluftballons aufstiegen, sorgte ein Plüsch-Eisbär für Kindergelächter und Selfie-Momente.

Ein Höhepunkt: der militärische Helikopter H135 der Bundeswehr, Kennung D-HABR. Nicht nur in seiner statischen Präsenz beeindruckend – auch der Kurzstart zog viele Blicke auf sich. Begeisterung und Applaus zeigten: Luftfahrt verbindet.

Eine Gemeinschaft mit Auftrieb

Was diesen Tag besonders machte, war die gelebte Vereinsphilosophie. 67 aktive Mitglieder, klare Strukturen, gegenseitiger Rückhalt. „So viel los wie noch nie – aber keine Zwischenfälle, keine Unfälle. Das ist das, was zählt“, freut sich FSV Wächtersberg-Mitglied Armin Klos. Die Abläufe am Boden funktionierten wie im Flug: Windenfahrer, Startleiter, Einweiser – jeder kannte seine Rolle.

Dass hier Menschen mit Leidenschaft und Luftfahrtblut zusammenarbeiten, war spürbar. Ob Dauergast oder Erstbesucher, ob Modellbauer oder Airlinerpilot – in Wächtersberg war man nicht nur Zuschauer, sondern Teil eines größeren Ganzen.

Am Ende war es nicht nur ein Flugtag. Es war ein Erlebnis. Und wer je auf einer Wiese stand, den Himmel über sich, und ein Segelflugzeug in absoluter Stille eine perfekte Rolle fliegen sah, weiß: Es braucht keinen Motor, um Gänsehaut zu bekommen.

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