Feuerwehr Altensteig: Alarmübung soll auch das Miteinander fördern

Die Menschenrettung war ein wichtiger Aspekt der Alarmübung.
Martin BriegelEtwas über eine Stunde dauerte es von der Alarmierung über die Integrierte Leitstelle in Calw um 17.34 Uhr bis zum Übungsende um 18.40 Uhr. In dieser Zeit sahen sich die Einsatzkräfte mit einer Reihe komplexer Herausforderungen konfrontiert. Die schieren Ausmaße des Übungsobjekts – das ehemalige Schwarzwälder Röhrenwerk hat eine Produktionsfläche von 24 000 Quadratmetern – stellten schon eine Schwierigkeit für sich dar.
Hinzu kam, dass die Sichtverhältnisse wegen starker Rauchentwicklung gleich null waren. Die Gegebenheiten im Gebäude erschwerten die Funkverbindung, und die Versorgung mit ausreichend Löschwasser war ebenfalls nicht ganz unproblematisch.
Und so alarmierte Einsatzleiter Marc Luginsland, Kommandant der Abteilung Walddorf, zusätzlich zu den bereits vor Ort befindlichen Abteilungen Walddorf, Altensteig und Spielberg auch die Wehren der verbleibenden Teilorte. Diese teilten sich die Aufgaben vor Ort – von der Brandbekämpfung über die Personenrettung (darunter ein „eingeklemmter“ Mitarbeiter und ein „verletzter“ Techniker in einem Service-Tunnel) bis hin zu einer Riegelstellung, die ein Übergreife der Flammen auf benachbarte Gebäude verhindern sollten.
Löschwasser bezogen die Feuerwehrleute aus einem firmeneigenen und einen im Industriegebiet vorhandenen Behälter, außerdem wurde eine 450 Meter lange Schlauchleitung in die Walddorfer Ortsmitte verlegt. Dort zapften die Einsatzkräfte das Trinkwassernetz an.
Wärmebildkamera erleichtert Orientierung
Im Gebäude waren neun Atemschutztrupps im Einsatz, die aufgrund der riesigen Fläche bis zu 100 Meter Schlauch hinter sich herziehen mussten. Eine Wärmebildkamera erleichterte ihnen die Orientierung und die Suche nach den vermissten Personen. Während zur Befreiung des eingeklemmten Mitarbeiters Hebekissen und ein hydraulischer Spreizer eingesetzt wurden, musste der verletzte Techniker mithilfe einer Schleifkorbtrage aus dem gut 200 Meter langen und nur 1,40 Meter breiten Servicetunnel „gerettet“ werden.
Arthur Kreidler, Technischer Leiter der Firma Arcelor Mittal, zeigte sich gebührend beeindruckt von der Professionalität der Feuerwehrleute: „Ihr habt uns gezeigt, dass wir im Ernstfall mit Euch rechnen können.“ Dennoch sei er froh, dass es sich „nur“ um eine Übung gehandelt habe.
Abschluss im Gerätehaus
Die Übung fand ihren Abschluss im Walddorfer Gerätehaus, wo die Feuerwehrleute bewirtet wurden. Eine solche Großübung, so Gesamtkommandant Joachim Theurer, diene schließlich auch der Förderung des Miteinanders unter den Abteilungen – „dies ist wichtig, um weiterhin schlagkräftig agieren zu können“.
Das Übungsobjekt
Arcelor Mittal Tubular Products Altensteig
wurde Anfang der 1960er-Jahre als „Schwarzwälder Röhrenwerk“ in Walddorf gegründet. Arcelor Mittal war seit 2016 über Anteile an der Condesa-Gruppe beteiligt. 2021 übernahm der international agierende Konzern mit Hauptsitz in Luxemburg auch die verbleibenden Anteile. In Walddorf fertigen 60 Mitarbeiter auf 24 000 Quadratmetern jährlich rund 25.000 Tonnen Präzisionsstahlrohre, die unter anderem im Möbel-, Regal-, Laden-, Gerüst- und Heizungsbau sowie im Automobilbereich Verwendung finden.