Ein Fest für alle: Volle Aula bei Weihnachten mit Herz in Calw

Als Engel verkleidet, verteilten einige Ehrenamtliche Geschenke an die Gäste.
Felix BiermayerBereits zum 13. Mal fand am Heiligabend „Weihnachten mit Herz“ statt. Inklusive Helfern kamen etwa 220 Gäste in die Calwer Aula, erzählt Sebastian Kirsch von der Erlacher Höhe. Die organisiert den Abend gemeinsam mit der katholischen und der evangelischen Kirche. Und Kirsch war mit der diesjährigen Auflage zufrieden. „Es war ein richtig schöner Abend“, lautete sein Fazit. Es seien sogar so viele Menschen gekommen, dass er sich kurzzeitig nicht sicher war, ob alle einen Platz bekommen. Aber es habe dann doch gereicht, freute er sich.
Anlaufstelle für alle „Weihnachten mit Herz“ hat den Anspruch, allen eine Anlaufstelle an Heiligabend zu bieten, aber insbesondere jenen, die fern ihrer Heimat leben, vielleicht niemanden zum gemeinsamen Feiern haben oder die nicht wissen, wie sie an Weihnachten ein Essen auf den Tisch stellen sollen. Denn bei „Weihnachten mit Herz“ gibt es das alles: ein gutes Essen, Gemeinschaft, Besinnlichkeit, sogar Geschenke. Und dank vieler Spenden, ist der Abend für alle Gäste umsonst.
Auf der Karte standen Spätzle mit Kalbsgulasch und Rotkohl oder Käsespätzle mit Karottensalat für die Vegetarier, gekocht von der Erlacher Höhe. Direkt zur Begrüßung gab es einen Cocktail und Pizzataschen. Damit wollte man gleich zu Beginn den ersten Hunger stillten, so Kirsch. „Für viele, die da waren, war das die erste Mahlzeit des Tages“, so Kirsch. Zum Nachtisch gab es Kaffee sowie Weihnachtsgebäck. Und vor der Halle hatten die Organisatoren einen Waffelstand aufgebaut. Allerdings habe der Wind den Pavillon zerlegt, so Kirsch. Das sei aber das einzige gewesen, was bei der 13. Auflage schief gelaufen sei, scherzte er.
Raum zum Schwätzen
Man habe ein kleines Rahmenprogramm geboten, so Kirsch. Aber das stehe an so einem Abend nicht im Vordergrund. Denn es solle auch Raum geben, einfach zusammenzusitzen und zu schwätzen. Gerade deshalb kämen viele Menschen zu „Weihnachten mit Herz“. Es gehe ums Aufgehobensein, so Kirsch in seiner Begrüßung. Wenn jemand keinen Ort, keine Menschen, keine Gemeinschaft habe, wo er aufgehoben sei, „dann wird’s hart“.
„Hier bei Weihnachten mit Herz sind die Türen offen und es gibt Platz für ihn. Für Jesus. In der Herberge Aula, im größten Saal der Stadt Calw und in dem kleinen und stillen Ort unseres Herzens. Das ist Weihnachten mit Herz“, betonte Kirsch.
Jesus als Beispiel nehmen
Diakon Bertram Bolz’ Impuls ging in eine ähnliche Richtung. Viele verklärten die Vergangenheit. In der Erinnerung sei früher alles besser, Weihnachten einfach schöner gewesen. Aber Bolz stimmte dem nicht zu. Auch früher gab es Kriege, scharfe Atomwaffen seien Richtung Osten stationiert gewesen.
Und wie heute über Flüchtlinge hergezogen werde, so redete man früher über Gastarbeiter. Auch die Weihnachtsgeschichte zeige das: „Kein Platz in den Herbergen und das mit einem Neugeborenen. Und nur wenige Wochen danach die Notwendigkeit der Flucht.“

Mehr als 200 Menschen feierten zusammen.
Foto: Felix BiermayerDas, was Jesus in die Welt bringen wollte, sei zu keiner Zeit tatsächlich gelebt worden. „Wir müssten den anderen Menschen dann nur wirklich als Mitmenschen wahrnehmen, ihm die Hand reichen, dafür Sorge tragen, dass nicht das Recht des Stärkeren gilt, sondern alle ihr Auskommen haben“, so Bolz. Man müsse schlicht und ergreifend an diesem Jesus von Nazareth Maß nehmen.
Über Spenden finanziert Zumindest an Heiligabend kam man dem in der Aula etwas näher. Rund 50 ehrenamtliche Helfer kümmerten sich um die Gäste. Manche brachten Essen an die Tische, manche organisierten einen Fahrdienst, andere verteilten als Engel verkleidet Geschenke. Da gab es gespendete Weihnachtssüßigkeiten, Gebäck und Kaufland-Gutscheine. „Die Menschen sollen die Möglichkeit habe, sich selbst etwas kaufen zu können“, sagt Kirsch. Alles sei über Spenden finanziert.
Viele Gäste kämen aus der Kernstadt, den Calwer Stadtteilen und den umliegenden Orten. Manche seien aber extra aus Pforzheim oder Bad Wildbad in die Aula gekommen.
Alte Menschen, junge Familien, Menschen ohne Obdach oder mit Behinderung, Geflüchtete, viele unterschiedliche Nationalitäten – zu „Weihnachten mit Herz“ komme immer eine bunte Mischung. Besonders freute sich Kirsch darüber, dass manche, die früher selbst Hilfe benötigten, heute als Helfer mit dabei seien. „Die wollen etwas zurückgeben“, so Kirsch.
Kirsch selbst ist seit Anfang an dabei. „Ich könnte mir kein schöneres Weihnachten vorstellen“, sagt er. Über die Jahre sei die Veranstaltung immer gewachsen. Dann habe die Pandemie alles gestoppt. Man habe das Essen den Menschen nach Hause gebracht. Aber seither steige die Besucherzahl wieder an. Es sei einfach schön, dass Menschen, die vielleicht sonst nicht so viel zu lachen hätten, an Heiligabend strahlen könnten, so Kirsch. „Bei der Verabschiedung konnte man die große Dankbarkeit der Gäste spüren, ausgedrückt durch Worte, durch ein Lächeln, durch Blicke und Tränen in den Augen“, sagte Annika Hintzenstern aus dem evangelischen Diakonat.