Bürgermeister-Kandidat Neubulach: Michael Reichenberg: „Wir müssen mit dem Geld auskommen, das wir haben“

Michael Reichenberg bewirbt sich als Bürgermeister von Neubulach.
Reichenberg- Neubulach wählt am 12. Juli einen neuen Bürgermeister – Michael Reichenberg tritt an.
- Der 63-Jährige ist Unternehmer, kandidierte 2014 und lebt seit kurzem im Vorruhestand.
- Er kritisiert Grundsteuer, Verschuldung und Abwassergebühren und will neu verhandeln.
- Ausgaben senken statt Einnahmen erhöhen: Er lehnt teure Leerrohre ab und favorisiert Starlink.
- Er setzt auf LED mit Bewegungsmeldern, weniger Büroarbeit und Lösungen gegen Güllegeruch.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Er ist kein Unbekannter in Neubulach: Michael Reichenberg, der jahrelang eine Firma in Neubulach betrieb und schon 2014 als Bürgermeister kandidierte. Jetzt startet der 63-Jährige einen neuen Versuch und hat große Pläne für seine Heimatstadt.
Aufgewachsen ist Reichenberg in Calw, wo er auch seine Ausbildung zum Zimmerer machte. Im Anschluss war er zwei Jahre Zeitsoldat, bevor er 1989 den Weg in die Selbstständigkeit ging. Zuerst als Wirt der Ritterschenke in Calw, bevor er für seine Arbeit in der Metallverarbeitung nach Altbulach zog. 2002 gründete er sein Unternehmen, in dem er bleifreie Jagd- und Einsatzgeschosse und Munitionen entwickelte. Fünf Jahre später erwarb er noch die Faktorei am Bergwerk, die seine Ehefrau als Veranstaltungslocation, vorrangig für Hochzeiten, betreibt. Inzwischen ist Reichenberg, wie er sagt, im Vorruhestand. Seine Entwicklungsarbeit sei noch angemeldet, aber eher als Freizeitbeschäftigung.
Reichenberg ist in mehreren Vereinen Mitglied – im Bergwerksverein Neubulach, der Kreisjägervereinigung und dem Schützenverein Calw. In letzterem hat er zum Jahreswechsel nach 30 Jahren seinen Vorstandsposten aufgegeben. Seine Frau Renate züchtet außerdem Berner Sennenhunde und Reichenberg unterstützt sie. In seiner Freizeit ist der 63-Jährige auch gerne als Jäger unterwegs. Mitglied einer Partei ist er nicht.
Grundsteuer „zutiefst ungerecht“
Und was hat ihn dazu bewogen, ein zweites Mal für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren? 2014 gewann Petra Schupp die Wahl, Reichenberg erhielt 1,99 Prozent aller Stimmen. Seine Motivation für den Posten ist, wie er sagt, „dieselbe“. Er ist „keinesfalls zufrieden mit den Umständen“ vor Ort. Damit meint er etwa die Grundsteuer, die er als „zutiefst ungerecht“ empfindet. „Ich hoffe, dass die abgeschafft wird“, sagt er. Außerdem sei die Schuldenentwicklung Neubulachs drastisch. Wie Reichenberg meint, habe er durch seinen ersten Wahlkampf und den regen Austausch mit dem Gemeinderat vor zwölf Jahren mit dafür gesorgt, dass die eigenen Quellen für die Trinkwasserversorgung nicht verkauft wurden. Wohl aber seien die Klärwerke stillgelegt worden, da sich die Stadt an das Nagoldtal-Abwasser angeklemmt habe. Doch das sei kostentechnisch explodiert und anders eingetroffen als vereinbart, sagt der Bürgermeister-Kandidat. Deshalb wäre das, wenn er den Sprung in den Chefsessel schafft, sein „Thema Nummer eins“, das er anginge und neu über die Gebühren verhandeln wollen würde.
„Nicht mit Schreibstubenarbeit vollmüllen“
Um einen besseren Überblick zu bekommen, habe er den Haushaltsplan der Stadt mehrfach durchgelesen. Reichenberg hat außer in der freien Wirtschaft und Industrie keine Verwaltungserfahrung, doch das sei als Bürgermeister auch „nicht das Wichtigste“. Er könnte, wie er sagt, von den hochqualifizierten und kompetenten Rathaus-Mitarbeitern profitieren. Als Bürgermeister wolle er sich „nicht mit Schreibstubenarbeit vollmüllen“ – als Rathauschef wäre er ein „Mann, der sich präsentiert, Hintergründe darstellt und auch die eigene Meinung einbringt“.
Die Verschuldung sei viel zu hoch – doch Neubulach habe kein Einnahme-, sondern ein Ausgabeproblem: „Wir müssen mit dem Geld auskommen, das wir haben“, sagt Reichenberg. Den Länderfinanzausgleich und die Kreisumlage könnte man nicht beeinflussen. Wohl aber die Ausgaben, die Neubulach betreffen. Reichenberg schildert ein Beispiel: Aus seiner Sicht sei es unverständlich, warum man für sechs Millionen Euro Leerrohre für Breitband verlege, denn bis die Anschlüsse da seien, sei die Technik wieder veraltet. Wolle man schnelles Internet, solle man lieber zum globalen Satelliten-Breitbandnetzwerk Starlink greifen, so der Bürgermeister-Kandidat.
„Sparsamkeit, Fleiß und Ehrlichkeit auf der Strecke geblieben„
Ein weiteres Anliegen von Reichenberg: Die Straßenbeleuchtung in Neubulach werde früher abgeschaltet, um zu sparen. Doch, das, was gespart werde, sei „Pillepalle“. Er plädiere dafür, auf LED und Straßenlaternen mit Bewegungsmelder umzusteigen, um langfristig zu sparen. Ein weiteres Problem, dem er sich als Mann im Chefsessel widmen würde, ist der Güllegestank im Luftkurort. Hier würde er sich mit dem Kreis auseinandersetzen, da dieser eine Biogasanlage in Oberhaugstett betreibe, wo die Bauern die Gülle eigentlich hinbringen könnten. Doch dieses Konzept funktioniere nicht.
Auch in Neubulach seien die, wie er es formuliert, „schwäbischen Tugenden von Sparsamkeit, Fleiß und Ehrlichkeit auf der Strecke geblieben“. Deshalb wolle er bei den verschiedensten Themen als Kandidat schon jetzt „ins Gewissen reden“.