Breitbandausbau in Gechingen: Gemeinde will Glasfaserausbau selbst in die Hand nehmen

Der Glasfaserausbau ist in Gechingen eines der wichtigsten Ziele der nächsten Jahre.
Gerhard Seybert - stock.adobe.com- Gechingen plant den Glasfaserausbau in Eigenregie, da kein Anbieter eigenwirtschaftlich baut.
- UGG zog sich zurück – auch Nachbargemeinden meldeten Absagen nach zunächst zugesagten Verträgen.
- Markterkundung ergab: Telekom, Stiegeler und SWP sehen wegen vieler Ein- und Zweifamilienhäuser keinen Ausbau.
- Beratung ist über das Bundesprogramm GFP 2.0 bis 50.000 Euro vollständig förderfähig.
- Bis zum 15. September will die Gemeinde Förderanträge stellen; der Landkreis betreibt später das Netz.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Weil kein Unternehmen eigenwirtschaftlich Glasfaserkabel in der Gäugemeinde verlegen will, plant die Kommune nun, den Ausbau selbst zu übernehmen. Sie hofft auf hohe Förderungen.
Die Hoffnung, dass die Firma Unsere Grüne Glasfaser (UGG) den eigenwirtschaftlichen Breitbandausbau in Gechingen übernimmt, ist dahin. Obwohl die Gemeindeverwaltung dem Unternehmen den Auftrag erteilen wollte und auch die entsprechenden Vertragsunterlagen zugesandt hatte, gab es von der UGG keine Rückmeldung mehr.
Die Nachbargemeinde Althengstett hatte laut Thorsten Sager-Roßbroich von Breitbandberatung Baden-Württemberg mit der Firma UGG „zunächst noch Glück“. Wohlgemerkt: zunächst. Denn obwohl die Verträge zwischen Kommune und UGG bereits unterzeichnet gewesen seien, habe sich das Unternehmen auch dort zurückgezogen – wie in vielen anderen Kommunen, die im Südwesten beim Breitbandausbau auf UGG gesetzt hatten.
Wirtschaftliche Faktoren haben unterschiedlichen Berichten zufolge den UGG-Rückzug veranlasst, wie der SWR bereits Mitte April berichtet hatte: Die Lage am deutschen Glasfasermarkt habe sich stark verändert, der Wettbewerb sei erschwert und der Ausbau einfach zu teuer. Der weitere Ausbau lohne sich also finanziell für das Unternehmen nicht.
Ausbau ist den Unternehmen zu teuer
Landauf, landab ist der Breitbandausbau zuletzt gerade in ländlichen Regionen ins Stocken geraten. Wie Sager-Roßbroich bei der jüngsten Sitzung des Gechinger Gemeinderats ausführte, haben auch die Unternehmen Telekom, Stiegeler und SWP kein Interesse daran, den Breitbandausbau in Gechingen zu übernehmen.
Dies habe ein Markterkundungsverfahren ergeben. Ein Grund laut Sager-Roßbroich: „Es gibt bei ihnen zu viele Ein- und Zweifamilienhäuser.“ Der Ausbau sei daher für die Unternehmen teuer, ohne dass sie viele Kunden gewinnen können. Anders sehe es in Städten mit vielen Mehrfamilienhäusern aus.
Muss die Gemeinde den Ausbau selbst stemmen?
Laut Sager-Roßbroich muss die Gemeinde Gechingen auf den Ausbau dennoch nicht komplett verzichten. Allerdings führe dann vermutlich nichts an dem Weg vorbei, dass die Kommune selbst den Ausbau stemmt – wie man es bereits beim Gewerbegebiet getan habe. Auch dort sei die Kommune selbst aktiv geworden. Allerdings wird der Ausbau nicht in allen Bereichen der Gemeinde gefördert. Für Immobilien, die bereits ans Kabelnetz angeschlossen sind und somit eine gewisse Grundversorgung haben, wird die Förderung beim Ausbau nicht gewährt.
Angesichts der Tatsache, dass sich kein Telekommunikationsunternehmen für einen eigenwirtschaftlichen Ausbau von Breitband in Gechingen interessiert, verwies Sager-Roßbroich auf die aktuelle Fördersituation von Bund und Land. Einerseits hinsichtlich der Inanspruchnahme von Fördermitteln für einen Ausbau durch die Kommune. Andererseits bezüglich einer Förderung externer Beratungsleistungen. Letztere werden vom Bund derzeit laut Sager-Roßbroich noch zu 100 Prozent über das Bundesprogramm Gigabit-Förderung 2.0 (GFP 2.0) gefördert – zu 100 Prozent bis maximal 50.000 Euro. „Da diese Vorbereitungs- und Planungsleistungen zu 100 Prozent förderfähig sind, verbleibt das finanzielle Risiko für diese Phase vollständig beim Bund“, erläuterte der Experte.
Der kommunale Haushalt werde also nicht belastet. Etwas anders sieht es bei der Förderung des Ausbaus selbst aus. Hier sei eine Förderung in Höhe von bis zu 90 Prozent möglich, wobei der Bund 50 Prozent der Kosten trage, das Land 40 Prozent, wie Sandra Glaser vom Eigenbetrieb Breitband Landkreis Calw erläuterte. Am Ende könnten es aber auch ein paar Prozent weniger sein, da erwirtschaftete Gewinne der ersten sieben Jahre mit der Förderung verrechnet würden.
So schnell wie möglich Förderanträge stellen
Sowohl Sager-Roßbroich als auch Glaser empfahlen der Gemeinde Gechingen, die weiteren Möglichkeiten des Glasfaserausbaus auszuloten und schnellstmöglich die entsprechenden Förderanträge zu stellen, um noch in den Genuss der Fördermittel zu kommen. Der aktuelle Förderaufruf des Bundes besteht noch bis zum 15. September – bis dahin will Gechingen nun auch die entsprechenden Anträge stellen.
Der aktive Netzbetrieb des Glasfasernetzes wird nach dem Ausbau vereinbarungsgemäß durch den Eigenbetrieb Breitband des Landkreises Calw sichergestellt. Dieser übernehme auch die Ausschreibung für den Ausbau im Rahmen einer Generalübernehmerausschreibung zentral für die am Verfahren beteiligten Kommunen im Kreis Calw. Der Gemeinderat sprach sich einstimmig dafür aus, die Fördermittel für Beratungsleistungen im Rahmen der Förderrichtlinie GFP 2.0 des Bundes zu beantragen. Außerdem beauftragte das Ratsgremium die Verwaltung, sich um Fördermittel im Rahmen der Gigabit-Richtlinie 2.0 zum Ausbau der kommunalen Infrastruktur zu bemühen.
