Anzeige: Neue Heimat für 28 Familien mit 134 Personen

Typisches Waldenser-Haus in der Möttlinger Straße.
ArchivDa sind die Anfänge Ende des 17.Jahrhunderts, als Henri Arnaud, Offizier, Pfarrer und Anführer der Waldenser in den Jahren 1698 und 1699 eine Gruppe waldensischer Glaubensflüchtlinge aus dem Chisonetal und dem Pragelatal im Piemont über die Schweiz in ihre zukünftige Heimat in Württemberg führte.
Von Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg wurde der Grund zwischen den Orten Hengstett, Simmozheim und Ottenbronn zugewiesen. Die Einwohner waren von den Fremden alles andere als begeistert, genossen sie doch einige Privilegien wie die Befreiung von Fronarbeit und Steuern.
Siedlung heißt ab 1716 offiziell Neuhengstett
28 Familien mit insgesamt 134 Personen waren die ersten Siedler, ihre neue Heimat nannten sie wohl zuerst „Bourcet“, so wie ihre Heimatgemeinde, auch „Colonie de Simmozheim“ liest man hie und da. Sicher ist, dass die Siedlung ab 1716 offiziell zu „Neuhengstett“ wurde, das bisherige Hengstett wurde umbenannt in Althengstett.
Die Siedler bauten zunächst keine festen Häuser, sondern nur Baracken, weil sie auf eine Rückkehr in ihre alte Heimat hofften.
Das Leben war hart und karg
Ihr Leben war hart und karg, jedoch von einem unerschütterlichen Gottvertrauen geprägt. Dies wird deutlich im Wahlspruch der Waldenser, der auch das Wappen von Neuhengstett ziert: „Lux lucet in tenebris“ (Das Licht leuchtet in der Finsternis).
Mit einem abwechslungsreichen Veranstaltungsprogramm über gut vier Wochen, das im September mit dem MuseumsSonntag (noch ist dort die Ausstellung zu Heinrich Talmon-Gros mit historischen Neuhengstett-Ansichten zu sehen) begonnen hat und dessen Ende die Eröffnung einer neuen Ausstellung im Museumspavillon mit dem Titel „Exil, Integration und Verwurzelung“ am Sonntag, 12. Oktober, markiert, wird das Ortsjubiläum begangen. Das Programm ist ein Gemeinschaftsprojekt von Heimatgeschichtsverein Bourcet, der Kirchengemeinde mit Pfarrer Jörg Schaber samt Kirchengemeinderat, dem Ortschaftsrat mit Ortsvorsteherin Gudrun Stahlhut an der Spitze sowie weiteren Vereinen und dem Kindergarten.
Vielfältiges Programm am Festtag
Der Festtag am Sonntag, 28. September, startet um 10 Uhr auf der Bühne beim Museum, den Pfarrer Jörg Schaber und die Diakonin Karola Stobäus aus Torre Pellice, dem Zentrum der Waldensergemeinden in den genannten Waldensertälern.
Zum anschließenden Festakt wird ein Vertreter der Deutschen Waldenservereinigung aus Schönenberg ebenso ein Grußwort sprechen wie Bürgermeister Rüdiger Klahm.
Eröffnung des neuen Themenwegs
Er wird gemeinsam mit einer Vertreterin von Leader Heckengäu den „Spirituellen Waldenserweg“ um Neuhengstett offiziell eröffnen.
Das neu gestaltete Faltblatt mit Karte, Impulsen zum Nachdenken und Erläuterungen an verschiedenen Wegmarken zur Geschichte des Orts und der Waldenser auf dem rund elf Kilometer langen Themenweg wurde von Leader Heckengäu gefördert. Den Festakt umrahmt der Musikverein Neuhengstett.
Kleines Bühnenspiel erzählt die Anfänge
Ein kleines Bühnenspiel schließt sich an und thematisiert die Anfänge der auch Welschdorf genannten, heutigen Althengstetter Teilgemeinde: „Ein Anfang im Nichts – 1700 in Neuhengstett“. Ab 12 Uhr bietet der TSV Neuhengstett – bei schönem Wetter im Garten neben dem Museumspavillon – ein Mittagessen an. Ab 13 Uhr gibt es Kaffee, Kuchen und Waffeln.
Führung durchs Dorf und in der Kirche
Eine Führung durchs Dorf unternehmen Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins mit interessierten Gästen. Dabei kann die erste Anlage des Ortes an zwei rechtwinklig zueinander stehenden, geraden Straßen auch heute noch abgelesen werden. Auch ein Blick in die Kirche lohnt sich bei einer Führung mit Pfarrer Jörg Schaber für die Besucher, dabei gibt es einiges zur Geschichte der Kirche zu erfahren. Der heutige Steinbau wurde vor etwas mehr als 250 Jahren gebaut, die erste Kirche an dem Standort war ein Holzbau wie die einfachen ersten Baracken der Siedler.
Programm für die jüngsten Besucher
Der Nachmittag bietet für die jüngsten Besucher Spielstraßen und Bastelangebote, die DLRG Neuhengstett hat Eis im Angebot. Die Kita-Kinder haben ein Bühnenprogramm vorbereitet.